# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S200 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 200 Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. Hieronymus Weller, selbst, daß nächst dem Herrn Christo Luther ihr Meister war. Es wäre doch unverantwortlich, wollten wir jene Jünger und Nachfolger Luthers zu Lehrmeistern wählen und nicht den, welchem sie selbst sich freudig und demüthig zu Füßen setzten. Selbst die vielen unserer Zeitgenossen, denen die Rückkehr zum Glauben und zu der Theologie der Väter immer noch eine Art von Schmach dünkt, werden sagen, daß, soll einmal ein solcher Rückschritt gemacht werden, derselbe jedenfalls sich bis zu Luthern erstrecken muß, um gerecht zu sein. Unmöglich ist es, selbst beim oberflächlichen Lesen der Schriften Luthers nicht zu bemerken, daß seine Gesetzespredigt tiefer und höher geht, als die seiner sämmtlichen Nachfolger bis heute, tiefer in der Aufdeckung unseres sündlichen Verderbens, höher in der Darstellung der Gerechtigkeit eines Christenmenschen. Schon deshalb lehrt er das Gesetz mit so besonderer Klarheit, weil er außerordentlich genau unterscheidet zwischen Gesetz und Evangelium, zwischen Gesetz und Kirchenordnungen, zwischen weltlicher und geistlicher Gerechtigkeit, zwischen weltlichem und kirchlichem Regiment, zwischen erster und zweiter Tafel, Unterscheidungen, welche z. B. in der Auslegung des ersten Buches Mosis sogleich bei den ersten Capiteln auf überraschendste Weise hervortreten und uns oft mit wenig Worten klar machen, was wir zuvor für ganz unverständlich hielten. Die einzelnen Sünden, welche er rügt, erscheinen in seiner Rede niemals als einzelne, abgesonderte Werke, sondern immer auch in ihrem vollen Zusammenhange mit den allgemeinen und Grund-Sünden, dem Unglauben und Hochmuth, und zugleich auch als Werke des Teufels und des Reiches der Finsterniß, deren schmachvolle Werkzeuge die unbußfertigen Sünder sind. Auf die Weise macht Luther es seinem Zuhörer ungemein schwer, sich seiner Gesetzespredigt zu erwehren und durch rasche Anwendung derselben auf den Nächsten sich selbst ihr zu entziehen; denn ob auch Jemand die äußere und einzelne Sünde, um welche es sich handelt, nicht begangen hätte, so wird er doch durch Luthers Predigt genöthigt, sich als einen Mitgenossen der zum Grunde liegenden bösen Lust anzuerkennen. Die Kunst, welche besonders in der amerikanischen und engländischen Christenheit blüht, nemlich Mücken zu seihen und Kameele zu verschlucken, allerlei selbsterwählte Werke den Gewissen aufzubinden, dagegen die Verdrehung der Lehre für keine Sünde zu achten, Sonntags ein Christ zu sein, dagegen Alltags zu scharren und zu kratzen, äußerlich fromm zu leben, dagegen von Herzen dem Mammonsdienste ergeben zu sein, mit den Lippen vom Sündenelend zu schwatzen, dagegen sich hoch erhaben zu halten über andere arme Sünder, sich gegen auswärtige Unglückliche wie ein barmherziger Samariter zu stellen, dagegen die eigenen Untergebenen hart und hochfahrend zu behandeln, mit der sogenannten christlichen Civilisation unserer Tage Abgötterei zu treiben, dagegen die wahre Cultur, welche Werke und Worte nicht nach deren scheinbarer Nützlichkeit, sondern an Gottes Wort und Wahrheit mißt, zu verachten, dies ganze lose Treiben verliert vor Dr. Luthers Predigt den Heiligenschein, der sogenannten Philanthropie unserer Tage wird von ihr die fromme Maske abgezogen und