# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S198 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 198 Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. gepredigt werden kann. Statt auf dergleichen höchst unevangelischen Meinungen zu hören, sollten wir vielmehr unsere Predigt prüfen, ob sie denn auch wirklich Evangelium, Freudenbotschaft, das liebreiche Anbieten der Gnade Gottes ist. Die evangelischen Lehrsätze oder Dogmen können auch so dargestellt werden, daß sie uns unsere Sünden zeigen; die Verkündigung unter Andern, daß Christus für uns am Kreuze gestorben ist zur Vergebung der Sünden, offenbart uns neben dem Preis der Liebe Gottes auch Größe und Schwere unserer Sündenschuld; ein evangelisches Dogma also mag unter unseren Händen eine Gesetzespredigt sein und wird es wider unseren Willen nur zu leicht werden, wenn wir es in der straffen Gestalt vortragen, die es natürlich im Bekenntniß und besonders in der Dogmatik haben muß. Wird aber das, was eigentlich evangelisches Erbieten sein sollte, zum Gesetz, dann freilich kann es auch kein evangelisches Leben schaffen, da das Gesetz nur Erkenntniß der Sünde giebt, nicht lebendig macht. Wie steht es in dieser Beziehung mit uns? Jedenfalls sind wir Genossen dieser Zeit Allem, was irgend Gesetz heißt, sehr gewogen. Gern möchten wir für alle Handlungen, die man von christlichen Gemeindegliedern erwarten kann, auch ein Kirchengesetz haben, und bringen wir es dazu, so glauben wir, nun stehe es auch recht gut mit der Gemeinde. Kaum haben wir einmal den Trost der Vergebung der Sünden unseren Zuhörern abgemalt, so eilen wir auch schon mit jenem Gesetz hinterdrein, daß nur der bußfertige Sünder solche Gnade annehmen kann und sie verliert, wenn er nicht Früchte der Buße bringt; man merkt es unseren Predigten an, daß uns der rechte fröhliche Muth zur Verkündigung der Freudenbotschaft gar sehr fehlt. Trostlose Traurigkeit ist der Haupteindruck, den unsere Predigten machen, daher wir auch selbst nicht ohne angestrengte Selbstverleugnung an die Ausarbeitung derselben gehen und oft, wenn wir bereits am Fuße der Kanzeltreppe stehen, nur zu gern wieder umkehren möchten. Ja so weit geht die Scheu vor der hellen, fröhlichen Verkündigung des Evangeliums, daß viele gläubige Prediger in ihrer Angst vor Beförderung fleischlicher Sicherheit den Glauben, welcher doch die Aufnahme der im Wort und Sacrament angebotenen Gnade ist, als Hingabe an Gott darstellen und also ihn mit der Liebe verwechselnd, aus der Predigt vom Glauben eine Gesetzespredigt machen, die denn freilich weder trösten noch Leben schaffen kann. Mit dieser Anklage unserer selbst übertreibe ich nicht; indem ich die einzelnen Züge unserer Neigung zu Gesetzestreiberei zusammenstelle, lege ich sie nicht alle jedem Einzelnen zur Last, sondern möchte nur Jedem die Frage nahe legen, ob wir nicht der Anleitung zu wahrhafter Predigt der evangelischen Freudenbotschaft bedürftig sind. Schwerlich wird Jemand auf diese Frage „nein,“ nicht „ja“ antworten. Andrerseits ist da, wo es an rechtem Geschick zur Verkündigung des Evangeliums fehlt, nach alter Erfahrung auch viel Mangel an der Gesetzespredigt vorauszusetzen, an der Predigt, welche die Sünden zeigt und dem Wandel der Wiedergeborenen die Richtschnur giebt. Wir bleiben zumeist mit der Darstellung des Gesetzes zu sehr auf der Oberfläche,