# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S197 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. 197 der Unterschied von Gesetz und Evangelium und die Wichtigkeit dieses Unterschiedes klar wird; daß die Einsicht Raum gewinnt, Buße und Bekehrung komme nicht aus der Predigt des Gesetzes sondern aus der Predigt des Evangeliums, obwohl jene dieser vorausgehen muß; daß man es als ein thörichtes Unterfangen anerkennt, aus einem Gebäude christlicher Lehre, wie das lutherische Bekenntniß ist, einzelne Lehren herauszureißen und für unwesentlich auszugeben; daß Viele und immer Mehrere merken, worin der Hauptmangel des Christenthums unserer Tage besteht, nämlich in der Mißachtung des Wortes und der Gnadenmittel überhaupt, mit welcher man den Glauben nicht auf das Wort baut, sondern auf menschliche Dinge, Gefühle u. s. f.; daß man aufhört, die Bibel von der Kirche zu trennen und kahl, kalt und todt als ein Glaubensgesetz hinzustellen, welchem man nur mit Worten, nicht mit der That und Wahrheit huldigt, daß man vielmehr die Bibel als den Grund der Apostel und Propheten, den lebendigen Grund der Kirche anerkennt, der lebensvoll und klar von der Kirche im schriftmäßigen Bekenntniß aufgewiesen wird; daß man zwischen Lehre und Kirchenordnungen unterscheiden lernt und während man auf jene fest besteht, diese für das nimmt, was sie sind, menschliche Einrichtungen zum Dienst der Erbauung und daher in ihren einzelnen Gestaltungen unwesentlich an der Kirche; daß man die evangelische Lehre nicht bloß für eine Stütze des sittlichen Wandels achtet, sondern für das eigentliche Wesen des ganzen christlichen Lebens, daß man daher allmälig von der Meinung zurückkommt, als sei das fromme Leben über Lehre und Glauben zu stellen. Diese und viel andere Gaben der Erkenntniß sammt den reichen Ergebnissen sprachlicher und anderer Forschungen verkenne ich nicht, bin aber auch nicht blind gegen die großen Schwächen, die wir aus der mehr als hundertjährigen Herrschaft des gewöhnlichen Rationalismus mitgebracht haben. Wir kennen und predigen die lautere evangelische Lehre — wohlan, wo ist das evangelische Leben, das aus solcher Predigt hervorgehen sollte, jene Milde und Freundlichkeit, jene Frische und Kraftfülle, jene Festigkeit und Freudigkeit des Glaubens und der Geduld, wie Christus sie hat und durchs Evangelium den Seinen giebt? Man schreibt den Mangel an wahrhaft evangelischen Früchten dem gewinnsüchtigen, auf äußerlichen Nutzen gerichteten Treiben des Volks der Vereinigten Staaten zu, und wahrlich dies widersteht dem Evangelium arg genug, aber sollte es stärker sein als das Evangelium? Andere haben behauptet, unsere Gemeinden würden todt gepredigt: wir predigten zu viel, hätten zu wenig der schönen lebendigen Formen gottesdienstlicher Liturgie; allein dem Gemeindeleben mit Kirchengebräuchen und Ordnungen aufhelfen wollen ist kirchliche Quacksalberei, nicht viel besser als das Bestreben der Römischen, durch geheimnißvolle Pracht, der Methodisten, durch geistliche Berauschung geistliches Leben zu wecken. Die Herren sollen die Predigt wohl als das Hauptstück alles evangelischen Gottesdienstes stehen lassen und keinen Dank dazu haben; Gott gebe ihnen bald und ehe sie ihre verderblichen Grundsätze ausführen, die Erkenntniß, daß nimmer genug Evangelium