# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S196 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 196 Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. bedürfen — aber dies Bekenntniß ist doch keine Schmach. Schmählich mag es denen vorkommen, welche in der sogenannten „Intelligenz“ unseres Zeitalters auch den Beweis erblicken, daß sie tüchtigere Gottesgelehrte sind als Dr. Luther und die anderen Väter unseres Glaubens, aber das bedeutet nichts für uns, die wir das Heil und die Heilserkenntniß im Glauben an das Wort Gottes suchen. Immerhin erkläre Dr. B. Kurtz sich und die Glieder seiner berühmten „Amerikanisch Lutherischen Kirche“ für Väter Dr. Luthers und der übrigen Gottesgelehrten vergangener Zeiten: wir brauchen gar nicht einmal darüber zu lachen, denn die Amerikaner in der lutherischen Kirche thun das für uns längst genug und wissen reichlich so gut als wir, daß jene „amerikanisch Lutherische Kirche“ nur in der Einbildung ihrer Erfinder besteht und das Aushängeschild eines Häufleins Rationalisten bildet. Eben den gewöhnlichen Rationalismus sehen wir noch überall hausen in Kirchen und Secten und nicht am wenigsten in den V. Staaten. Der „Gesunde Menschenverstand,“ auf Englisch common sense, den die Rationalisten (auch Dr. B. Kurtz z. B.) zum Schriftausleger und Prüfstein der Kirchenlehre machen, ist nichts anderes als die Glaubenslehre, welche der einzelne Mensch auf sein eignes Belieben gründet und in Uebereinstimmung mit den eignen Neigungen ausbildet. Er ist bei jedem Menschen verschieden, verwirft die Bibel bei den Einen, pocht bei den Andern auf die Bibel mit großem Geschrei, verspottet hier die christlichen Glaubenssätze, nimmt dort so viel davon an als ihm paßt, aber in dem Einen ist er bei Allen gleich, daß er das fromme Leben über Glauben und Glaubenslehre stellt und den Glauben auf irgend welche menschliche Dinge, Gefühl, Erfahrung, Gebet, geistige ja selbst leibliche Bewegungen gründet, nur nicht auf das Wort Gottes. Dieser „Gesunde Menschenverstand“ und der darauf bauende Rationalismus ist nicht bloß die Luft, in welcher das kirchliche Wesen jetziger Zeit lebt, ist nicht bloß die herrschende Macht in den Kirchen- und Sektenwesen dieses Landes, dringt nicht bloß von allen Seiten unter den täuschendsten Gestalten auf uns herein, sondern hat auch auf unsere eigene Jugendbildung vorwiegenden Einfluß geübt, so daß seine Denk- und Ausdrucksweise für längere oder kürzere Zeit die unsere geworden ist, und daher jetzt noch uns oft anficht ja in vieler Beziehung nachhängt. Lehrer jetziger Zeit können uns nicht davon erlösen, denn sie selber erwehren sich seiner nur mit Mühe, los aber müssen wir davon werden, wollen wir anders die Heil. Christliche Kirche wahrhaft bauen. Vielleicht beschuldigt man uns der Blindheit gegen die guten Gaben der Erkenntniß, die Gott uns bescheert hat. Allein wir gehören gar nicht zu denen, welche die vergangene Zeit deshalb für besser als die unsrige achten, weil sie vergangen ist, und das Alte um seines Alterthums willen hochschätzen. Schreiber dieses thut nichts lieber als in den Bewegungen und Arbeiten unserer Zeit dasjenige aufzusuchen, was die Prüfung am Worte Gottes besteht, und wenn und wo er so Etwas findet, da ists ihm eine recht herzliche Freude. Er dankt es seinem Herrn, daß unter Predigern ja unter Gemeindegliedern