# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juli 1856_S195 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Predigtvorbereitung aus Dr. Luther. 195 winnt einem für dieselbe das Herz so völlig ab, daß man in Kurzem nicht mehr daran denkt, eine andere zu wählen. Unserem werthen Glaubensvater Dr. Luther wird durch solche Benutzung seiner Schriften keine Schmach angethan. Sie werden dadurch keineswegs zu Eselsbrücken gemacht. Wer Eselsbrücken sucht, wer vor lauter Faulheit nicht Lust hat zum Denken und Studiren, der flieht gewiß nicht zu Luthers Schriften und verabscheut sicherlich unsere Weise, sie zu gebrauchen; denn sie machen einem Denken, und so fruchtbar der geschriebene Gebrauch derselben ist, so viel Mühe erfordert er. Luther selbst hat gemeint, gewisse Pfarrer seiner Zeit thäten besser, seine Postillen vorzulesen als eigne Predigten zu wagen. Wir aber wollen uns nur von Dr. Luther in das Verständniß des Wortes Gottes hineinführen und zu fruchtbarer Predigt desselben heranbilden lassen. Gerade dazu sind doch wohl seine Schriften vorhanden, gerade dies ist der rechte Gebrauch, durch den sie wahrlich nicht zu Eselsbrücken herabgesetzt werden. Vielleicht dünkt unser Verfahren Manchem insofern eine Erniedrigung Luthers, als dadurch der schöne Bau seiner Predigten zerstört und aus den Trümmern das eigne Machwerk des Zerstörers zusammengesetzt werde. Das ist aber weder der Sinn noch die Frucht unsers Verfahrens. Wohl stellen wir zwei Predigten, welche die beiden Theile eines Textes darstellen, zusammen, wenn es uns darum zu thun ist, den ganzen Text in einer Predigt vorzutragen: z. B. die beiden Predigten auf das Fest der Darstellung Christi im Tempel. Umgekehrt mögen wir veranlaßt werden, das eine Hauptstück einer Predigt für sich zu nehmen und als einzelne Predigt zu behandeln, wie es unter Anderen bei der außerordentlich reichen Behandlung, die Luther dem Epiphanias Evangelium zu theil werden läßt, kaum anders möglich ist. Auch kann es vorkommen, daß wir in die Anordnung einer Predigt Gedanken aus einer anderen herübernehmen. Endlich halten wir es auch nicht für unerlaubt, den Hauptsatz, unter welchem sich die einzelnen Theile einer Predigt Luthers zusammenfassen, ausdrücklich anzugeben, ohne daß dies in unserm Vorbilde geschehen ist. Aber alle diese einzelnen Vornahmen sind weder ein Zerstückeln noch ein selbsterwähltes Zusammensetzen zerstückelter Glieder. Luthers Anordnung, so wie sie sich in einer einzelnen oder in mehreren oder auch in einem besonderen Theile seiner Predigten darstellt, behalten wir bei und versichern die Leser, daß wenn sie anders mit der Feder in der Hand Luthers Predigten durcharbeiten, sie dessen Anordnungen ganz von selbst und ohne viel Berechnungen gewahren werden. Ueberhaupt macht sich diese ganze Arbeit wie von selbst und bedarf es für jetzt nur des Einen, daß die Leser sich einmal damit befassen. Daß uns der wissenschaftliche Ausdruck dafür im Ganzen noch fehlt, ist kein Zeugniß dawider. Eben so wenig wie Luthern hängen wir uns selbst eine Schmach an mit dieser Predigtvorbereitung. Wir bekennen allerdings damit, daß wir bei jenem unserem werthen Glaubensvater in die Schule gehen wollen, daß wir also beides in der Lehre selbst und in der heilsamen Form derselben Unterricht