# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S192 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 192 Vermischte kirchliche Nachrichten. nach folgt die Consecration und Austheilung des heil. Abendmahls und schließlich mit voraufgehender Antiphonie, die Dankcollecte für die empfangene Gabe des Sacraments und der Segen des HErrn. — Wenn dagegen die Abendmahlshandlung nicht stattfindet, so folgen Collecte von entsprechendem Inhalt und Segen des HErrn in angegebener Weise gleich auf das Predigtlied.“ — Der evangelische Bund (evangelical Alliance), der bekanntlich 1846 auf Anregung einer Anzahl Christen verschiedener kirchlicher Partheien in London entstand, hat seine 9. Generalversammlung vom 23. Aug. bis 3. Sept. in Paris gleichzeitig mit der dortigen großen Industrieausstellung gehalten. Außer den Franzosen betheiligten sich dabei im Ganzen 240 Fremde, darunter 111 Engländer, 40 Deutsche, 30 Schweizer, 15 Holländer, 7 Belgier, 18 Amerikaner (Berichterstatter war Pred. Dr. Baird), 8 Dänen und Schweden und 4 Italiener. Ueber Großbritanien berichtete Pred. Birks, daß dort das Verhältniß der Kirchlichen zu den Unkirchlichen wie 5⁄8 zu 3⁄8 erscheine, daß die verschiedenen kirchlichen Denominationen (etwa 12) immer mehr zur Einheit hinstreben, die Unitarier sich vermindern, die Religiosität im Wachsen begriffen sei und daß insonderheit der Glaube an die Wiederkunft Christi in dieser Zeit das active Princip der Majorität aller religiösen Menschen genannt werden könne. Dr. Krummacher berichtete von Deutschland, daß hier der Unglaube in sechserlei Gestalt auftrete, als Indifferentismus, Rationalismus, Pantheismus, Materialismus, Kriticismus und (schleiermacher'scher) Spiritualismus. Ihm stehe aber das Glaubensheer, dem wenigstens zwei Drittel der jungen Theologen angehöre, mit Siegesgewißheit gegenüber, und in den höheren Ständen treten immer mehr die Erfolge der kirchlichen Erhebung hervor, nur nicht im Volke. Dr. Tholuck bemerkte, daß, wie einst nur Eine Universität in Deutschland noch den christlichen Glauben bekannt habe, so jetzt nur noch Eine in den Banden des Rationalismus liege, nehmlich Gießen. (Die hiesigen Professoren sind: Credner, Knobel, Hesse, Köllner und Baur.) Zur Mitgliedschaft dieses „evangelischen Bundes“ ist erforderlich, an folgenden 9 Lehren festzuhalten: 1. von der göttlichen Eingebung der heil. Schrift; 2. von dem Recht und der Pflicht aller Gläubigen, die Auslegung der heil. Schrift zu üben; 3. von Einem Gott und den drei Personen in ihm; 4. von der durch den Fall eingetretenen völligen Verderbniß der menschlichen Natur; 5. von der Menschwerdung des Sohnes Gottes; 6. von der Rechtfertigung des Sünders allein durch den Glauben; 7. von den Wirkungen des heil. Geistes; 8. von der Unsterblichkeit der Seele und Auferstehung des Leibes; 9. von der göttlichen Einsetzung des christlichen Amtes und von der Verbindlichkeit und Perpetuirlichkeit der Stiftungen der Taufe und des Abendmahls. (Matthes: Chronik des J. 1855.) Der Weimarische Sonntagsbote. So lesen wir im „Freimund“: „In den thüringischen Landen, in denen das kirchliche Leben, im Vergleich mit andern Gegenden, ein nur wenig bewegtes ist, erscheinen demgemäß auch nur wenige christliche Zeitschriften, und diese wenigen verfolgen theils gar keine bestimmte Richtung, wie z. B. das Weimarische Kirchen- und Schulblatt, in dem sogar der Rationalismus vorherrscht, theils gehören sie der unirten Kirche an, wie der im Eckartshause erscheinende „treue Eckart.“ Desto erfreulicher ist es, daß mit dem neuen Jahre die entschieden kirchlich-lutherische Partei mit einem Blatte in die Oeffentlichkeit tritt, und zwar gerade in dem Lande, in dem die lutherische Kirche durch den Einfluß der Universität, durch die Maßregeln des Kirchenregiments und durch den Geist, der von der Hauptstadt ausgeht, am meisten gefährdet ist, in Weimar. Es ist der Weimarische Sonntagsbote, der, in Jena bei Frommann erscheinend, mit dem neuen Jahre seinen Lauf beginnt. Es sind zwei Landpfarrer (an der Spitze Pfarrer Thöllden in Buttelstett), zwei Gymnasiallehrer und ein Dr. jur. des Großherzogthums, die sich zur Herausgabe des Blattes vereinigt haben. „Es ruht (nach der öffentlichen Erklärung der Redaction) auf dem Worte Gottes, wie dasselbe in den Bekenntnißschriften unserer evangelisch-lutherischen Kirche verstanden wird,“ — sein Zweck ist: „in den Herzen und Häusern, in Kirche und Schule christlichen Sinn und christliches Leben zu fördern,“ daneben: „die auf gleichem Glaubensgrunde stehenden Landsleute (es ist insonderheit das Großherzogthum Weimar gemeint) zu verbinden.“ Einrichtung: Jede Woche erscheint 1 Stück mit erbaulicher Auslegung des betreffenden Sonntagsevangeliums, daran sich Aufsätze, Biographien, Nachrichten, Mittheilungen über die Mission schließen. Preis für das Halbjahr: 10 Sgr. oder 36 Kr. Die Unternehmer haben sich mit der Bitte um Unterstützung des christlichen Werkes an diejenigen im Großherzogthum gewendet, von denen sie wußten, daß sie auf gleichem Glaubensgrunde stehen. Es sind 2 Superintendenten, 11 Pfarrer, 2 Lehrer, 7 Juristen, 1 Arzt, 1 Rittergutsbesitzer und 1 Kaufmann — eine sehr kleine Zahl für ein Land, das 324 Pfarrstellen hat, der weit größern Zahl Lehrer und des sonstigen Beamtenstandes gar nicht zu gedenken. Ob das Blatt Anklang und Theilnahme in den Gemeinden finden wird, steht nun zu erwarten. Nach den bisherigen Erfahrungen könnte man daran zweifeln, aber im Reiche Gottes gehts gar wunderbar. Möge der HErr die lieben Gründer des Unternehmens mit Seinem heiligen Geiste erleuchten und ihnen immer das rechte Wort geben, daß sie immer die Wahrheit bezeugen in Liebe, und Frucht bringen für vieler Seelen Seligkeit!“