# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S191 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vermischte kirchliche Nachrichten. 191 lutherische Mitglied. Denn dieses — zugleich Hofprediger an der mit allem Bedacht und aus gutem, bindendem Grunde mitten in der unirten Residenz lutherisch gebliebenen Hofkirche — ist Mitherausgeber der, unirte Tendenzen verfolgenden, Allgemeinen Kirchen⸗Zeitung, und redet dort der Union, entgegen dem Confessionalismus, aufs Entschiedenste das Wort. Die lutherische Confession und mehr noch Kirche ist also in Hessen, obgleich die zahlreichste, die ursprüngliche und berechtigste, behandelt, als hätte sie kein Recht. Das kirchliche Fundament, das dem Hessischen Kirchenwesen zu Grunde liegen sollte und auf das es allein zum Heil erbaut werden könnte, ist verachtet und mit Füßen getreten. Evangelische Kirchen-Zeitung. Berlin vom 7. Nov. 1855. Hannover. Wie wir aus dem „Freimund“ ersehen, hat sich das geistliche Ministerium der Stadt Hannover dazu geeinigt, den Gottesdienst zu seiner ursprünglichen Ordnung zurückzuführen. Zu dem Ende ist für die Gemeinden eine kurze Erklärung im Druck erschienen, die wir hierdurch um so lieber mittheilen, als dieselbe eine Liturgie beschreibt, genau so, wie sie in unserer wieder aufzulegenden (nächstens erscheinenden) sächsischen Agende vorgeschrieben ist. Die Ministerialerklärung lautet folgendermaßen: „Das geistliche Ministerium unter Zustimmung des hochlöblichen Magistrats hat es für wünschenswerth erkannt, die Ordnung des öffentlichen Gottesdienstes in den 4 Stadtkirchen in Einklang zu bringen und zugleich auf Grund der Kirchenordnung in etwas zu vervollständigen, theils um den Gedanken, welche dem Gottesdienste zum Grunde liegen, ihren gebührenden und verständlichen Ausdruck zu geben, theils um der versammelten Gemeinde mehr thätigen Antheil an der Feier darzubieten und durch beides den Segen der Andacht zu sichern und zu erhöhen. Zu besserem Verständniß mögen folgende Bemerkungen dienen. Nachdem die Gemeinde das Haus Gottes mit dem Eingangsliede betreten hat, bringt sie durch den Mund des Chors ihr erstes Anliegen, die Bitte um Gnade und Erbarmung vor Gott (Herr Gott, erbarme dich ꝛc., in der Kirchensprache das Kyrie genannt). Und weil Gott seine Gnade in der Gabe seines Sohnes aller Welt zugesagt hat, so eignet sie sich die Gnade lobpreisend zu mit dem Gesange der himmlischen Heerschaaren in der Weihnacht, welchen der Geistliche anstimmt und die ganze Gemeinde singt (Ehre sei Gott in der Höhe; — Allein Gott in der Höh' sei Ehr'; in der Kirchensprache das Gloria). Nachdem ihr der Zugang zu dem Throne der Gnade gewonnen ist, grüßen sich der Geistliche und die Gemeinde in dem HErrn zum Zeugniß der Glaubens- und Gottesgemeinschaft (der HErr sei mit euch; — Und mit deinem Geist); der Geistliche bringt darnach das besondere Anliegen des Tages im Gebet vor Gott und die Gemeinde bekennt sich dazu durch ihr Amen (in der Kirchensprache: Collecte). Hiernach wird das Wort Gottes aus der Epistel oder dem Evangelium des Tages gelesen, und der Chor Namens der Gemeinde dankt für das Wort durch das Halleluja (ausgenommen in der Fastenzeit). Das Lied der Gemeinde, welches nun folgt, hat zur Absicht, die Gedanken auszudrücken, welche die jedesmalige kirchliche Zeit und das verlesene Gotteswort in den Gemüthern zu erwecken geeignet sind. Nach diesem Liede folgt die sogenannte Vorlesung und ein Lied, durch welches auf Grund des gehörten Wortes der christliche Glaube bekannt und bezeugt wird (in der Kirchensprache das Credo, der Glaube, genannt). Darnach folgt die Predigt und nach ihr das Predigtlied. Wenn nun das heil. Abendmahl gehalten wird, was billig an jedem Sonn- und Festtage geschehen sollte, weil es die höchste und gnadenreichste gottesdienstliche Handlung ist und die seligste Gemeinschaft mit Gott erst vollendet, so werden die Feiernden durch den Mund des Chors zur Versammlung an dem Tische des HErrn mit reinem Herzen geladen (Schaffe in mir Gott ein reines Herze ꝛc.) und die heil. Handlung beginnt darnach mit einem Vorwort (in der Kirchensprache die Präfation). Nämlich der Geistliche und die Gemeinde schließen sich durch voraufgehenden Gruß zur innigern Glaubensgemeinschaft aufs neue zusammen; er fordert sie auf, ihre Herzen zu erheben und Gott für alle seine Wohlthaten, deren höchste das Sacrament ist, zu danken, und sie antwortet in entsprechender Weise; darnach bringt er den Dank und das Lob der Gemeinde vor Gott, im Geist eintretend in die ewigen Lobgesänge der heiligen Engel, und sie beschließt das Lob dessen, der seine Gemeinde besucht mit dem dreimal heilig der Seraphim (in der Kirchensprache das Sanctus genannt). Hier⸗