# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S182 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 182 Ist das etwa Theologie der amerikanisch-lutherischen Kirche? nicht auf die Apostel allein beziehe — wahrlich nicht zu seinem Vortheile. Joh. 20, 23. aber ist gesprochen zu denen, welche bei der Erscheinung Christi am Abend des ersten Ostertages zugegen waren, also zu den Aposteln und denen , „die bei ihnen waren“ Lucä 24, 33., Joh. 20, 19. ff. Daß die Apostel allein die Macht der Absolution erhalten hätten, weil sie die Gabe des heil. Geistes zur Herzenskündigung oder Prüfung der Geister empfingen, steht nicht da, denn daß der Herr Christus sie anblies, war das sichtbare Zeichen dessen, was er den Jüngern Joh. 20, 23. verheißt, nemlich daß mit ihrer Predigt eben sowohl der heil. Geist verbunden sein soll, wie er verbunden war mit der Predigt aus des Herrn Christi eigenem Munde. Endlich fällt es uns nicht ein, zu meinen, Christus hätte mit Joh. 20, 23. die Beichthandlung eingerichtet , welche wir, der Austheilung des heil. Abendmahls vorausgehen lassen —nicht also. Diese Beichthandlung ist eine Einrichtung der Kirche und wird von uns bewahrt, weil sie ein richtiger Bau auf dem Grunde von Joh. 20, 23. ist, erbaulich und voll großen und herrlichen Trostes für den armen betrübten Sünder. Ist die Theologie der „Liste“ im Luth. Observer und des eben dort sich findenden Aufsatzes über „Beichte und Absolution“ Theologie der amerikanischlutherischen Kirche? — O nein, sie legt die Schrift aus mit Menschengedanken , die lutherische Kirche dagegen legt die Schrift aus mit der Schrift. Mit tiefer Betrübniß und angstvollen Ahnungen sprechen wir es aus: jene Theologie, welche sich in der dargestellten Mißhandlung der Lehrstücke vom heil. Abendmahl, von der heil. Taufe und von Beichte und Absolution oder vom Predigtamt ausspricht, ist nicht bloß die Theologie der drei hier angezogenen Aufsätze im Observer, sondern diejenige, welche vom Luth. Observer fort und fort als die echte Theologie der amerikanisch⸗lutherischen Kirche gepriesen wird; vom Heiligenscheine des Pietismus umgeben auftretend, wird sie von mancher vertrauenden Seele als recht christlich und lutherisch aufgenommen ; von Professoren und Doktoren der Theologie mit Berufung auf deutsche Gelehrte vorgetragen, deren rationalistische Gesinnung und Denkweise hier nicht erkannt ist, nimmt sie das empfängliche Gemüth der Schüler theologischer Seminarien gefangen und dringt durch sie wiederum in die Gemeinden ein; sie trifft selten auf Widerspruch von Seiten derer, welche bereits das eigentliche Wesen des christlichen Glaubens besser erkannt haben, denn diese fürchten den Kampf und meinen, kirchliche Gemeinschaft, namentlich Gemeinschaft gewisser Liebeswerke, könne ohne Verleugnung des Glaubens bestehen bei Verschiedenheit des Glaubens; sie wird als ein Erzeugniß dieser Zeit hochgeschätzt unter einem Volke und Geschlechte, welches von seinen Lehrern und Schmeichlern angeleitet ist, die Bildung, die „Intelligenz“ dieser Zeit für die höchste Stufe menschlicher Bildung zu achten und allen Widerspruch als Dummheit zu verachten; sie hat die Herrschaft nicht bloß in den lutherischen Gemeinden und Gemeinschaften dieses Landes, sondern weit und breit in allen hiesigen Secten von den Römisch-Katholischen bis zu den Mor⸗