# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S181 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Ist das etwa Theologie der amerikanisch-lutherischen Kirche? 181 der Herr Christus den Gichtbrüchigen nicht gehend gemacht; zu dieser Heilung gebrauchte er hernach die Worte: „stehe auf, hebe dein Bette auf und gehe heim“ V. 6.; und im 5. Vers macht der Herr Christus einen Unterschied zwischen den beiden Werken der Sündenvergebung und der Krankenheilung, deren zweites Er hernach V. 6. anwendet zum Beweis, daß Er das erste, nemlich die Sündenvergebung, in Seiner Macht habe. Ist also der Erlaß der Sünden, den Christus schenkt und die Apostel austheilen lehrt, eben dasselbe, was Krankenheilungen sind? Wo außerdem steht das Wort, welches die beschriebene Auslegung dem Herrn Christo in den Mund legt: „deine Sünden sind vergeben, sündige nicht mehr, damit“ u. s. f.? Joh. 5, 14. steht: „siehe, du bist gesund worden.“ ......... Die Schrift in Lucä 10, 16., Galat. 3, 2., 1 Thess. 2, 13., 1, 5. u. a. St. legt Joh. 20, 23. dahin aus, daß der Herr Christus das Wort des Evangeliums, mit welchem seine Jünger die einzelnen Angefochtenen und Betrübten trösten, und das Wort des Gesetzes, mit welchem sie die leichtsinnigen oder verstockten Sünder vermahnen, für Sein eigenes oder Gottes Wort erklärt, auch das Vornehmen Seiner Jünger, die Bußfertigen zu den heil. Sacramenten zuzulassen, die Unbußfertigen zurückzuhalten, für sein eigenes Vornehmen angesehen haben will. Die „Liste“ freilich meint, der Bußfertige bedürfe der Versicherung der Vergebung der Sünden nicht, weil er sie schon habe, der andere Aufsatz verwundert sich, daß man meint, es bedürfe Jemand einer oftmaligen Zusicherung des Evangeliums; aber nicht bloß der Bußfertige, auch der Herr Christus weiß das besser. Der Glaube kommt aus der Predigt (Röm. 10, 17.), daher geht der Bußfertige oft zur Kirche und zum heil. Abendmahl; das Schwerste aber am Glauben, das Wörtlein „für euch“ lernt man am Besten, wenn es einem allein und nicht bloß in der öffentlichen Predigt zugesprochen wird; deshalb sucht der Angefochtene die Predigt des Evangeliums bei seinem Freunde, Prediger u. s. f. und deshalb erhebt der Herr Christus solche dem Einzelnen zugewandte Predigt zur Würde seines eigenen Wortes. Wie nöthig oftmals es ist, dem einzelnen Leichtsinnigen oder Verstockten das Gesetz zu bringen oder die Sünde zu behalten , das werden die Verfasser der „Liste“ und des anderen Aufsatzes ja wohl wissen. Joh. 20, 23. betrifft also wiederum, wie Matthäi 18, 18., einen besonderen Fall der Seelsorge innerhalb der christlichen Gemeinde, und beide Schriftworte gehören als einzelne Glieder zu der allgemeinen Regel Lucä 10, 16., 2 Cor. 5, 20. u. a. O., daß nemlich die Predigt und Sacramentsverwaltung der christlichen Kirche des Herrn Christi eigene Predigt und Sacramentsverwaltung ist sowohl ganz im Allgemeinen, wie in der Richtung auf den Einzelnen und endlich auch in den besonderen Fällen der Kirchenzucht. Zwar suchen die „Liste“ und der andere Aufsatz diese einfältige Schriftlehre zu entkräften, indem sie beide behaupten, Matthäi 18, 18. und Joh. 20, 28. bezögen sich bloß auf die Jünger. Allein der Verfasser eben des Aufsatzes „Beichte und Absolution“ behauptet dies, nachdem er kurz zuvor im selben Aussatze mit Nachdruck behauptet hat, daß Matthäi 18, 18. sich auf die Kirche,