# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S177 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) „In, mit und unter.“ 177 dieselben nicht gar zur Lüge werden, zu verdecken suchen, je nöthiger ist uns Lutheranern, daß wir an den Wörtlein „in, mit und unter“ festhalten, nicht um damit die Art und Weise der Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Abendmahl zu bestimmen, sondern, damit wir uns durch das Wörtlein „in“ von der reformirten ungläubigen Abwesenheitslehre, durch das Wörtlein „mit“ von der römischen abergläubischen Verwandlungslehre und durch das Wörtlein „unter“ von der cannibalischen capernaitischen Zerkauungslehre lossagen. Zum Schluß haben wir noch zu bemerken, daß wir, nachdem wir bereits diesen Artikel zu schreiben angefangen hatten, die Nummer der „Reformirten Kirchenzeitung“ vom 1. Mai erhielten, worin der Redacteur dieses Blattes nicht nur erklärt, uns Lutheraner darum nicht von der Consubstantiationslehre lossprechen zu können, weil er darunter auch die Lehre verstehe, daß mit dem gesegneten Brode der Leib JEsu Christi vereinigt sei, sondern uns auch dessen bezüchtigt, wir suchten die Hauptsache, um die es sich handle, zu verbergen , weil wir damit nicht ans Licht wollten! Hierauf haben wir vorläufig nur kürzlich Folgendes zu antworten: Weiß der Redacteur der „Reformirten Kirchenzeitung“ nicht, was Consubstantiation und Impanation ist, verwechselt er dieselbe mit der compraesentia und der unio sacramentalis, so hat er sich es selbst zuzuschreiben, wenn er bisher in seinem Kampf gegen die lutherische Kirche nicht nur wider die Bibel gefochten, sondern auch viele bloße Luftstreiche gethan hat. Die irrige Meinung, die wir bisher hegten, der Herr kenne solche Dinge, nehmen wir daher hiermit feierlichst zurück. Was endlich unser angebliches Herumgehen um die Hauptsache aus angeblicher Lichtscheu betrifft, so geben wir dem Herrn die aufrichtige Versicherung , daß wir als ein lutherischer Lutheraner solche Dinge den Calvinisten überlassen. Der Herr ist total im Irrthum, wenn er, wie es den Anschein hat, meint, daß wir darum uns von der Consubstantiation und Impanation losgesagt haben, damit man uns gütigst für einen Calvinisten halte, der zwar sagt, daß Christi Leib im Abendmahl gegenwärtig sei, aber glaubt, daß derselbe so weit vom gesegneten Brode sei, wie der Himmel von der Erde.*) Unser Glaube ist vielmehr in den Worten Luthers in seinem letzten Be⸗ Gemeinden kommende Leute vom heil. Abendmahle durchaus lutherisch glaubten und in der Meinung standen, daß dies auch ihr reformirter Glaube sei. Es erfüllt sich da jenes Bekannte : Saepius puriores sunt aures audientium, quam labia docentium d. i. häufig sind die Ohren der Hörenden reiner, als die Lippen der sie Lehrenden. *) Bekanntlich nennen die Calvinisten solches Sagen ein Reden „nach Art und Brauch der Sacramente!“ Es würde dies, wenn es sich nicht um eine zu heilige Sache handelte, eine wahrhaft spaßhafte Petitio principii sein: Erst beschließen die Herrn ohne und wider die Schrift, daß in den Sacramentsworten die Dinge heißen, was sie nicht sind. Wenn man nun aus den Sacramentsworten beweisen will, was im Sacramente sei, dann rufen die Herrn: Wo denkt ihr Lutheraner hin? Wißt ihr denn noch nicht, daß in den Sacramenten Leib Brod und Blut Wein bedeutet? 12