# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S176 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 176 „In, mit und unter.“ Calvin, eine Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heil. Abendmahl annehmen, bei welcher dieser Leib und dieses Blut der Substanz nach nicht auf Erden, wo das heil. Abendmahl gehalten wird, sondern allein im Himmel sind und bleiben, also abwesend sind! Was ist also jene Versicherung, daß die Deutsch⸗Reformirten einst „und heute noch an die Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit der Gegenwart jener himmlischen Güter bei der sacramentlichen Handlung glauben?“ Es ist nichts, als eine arge Täuschung. Leugnen, daß der Leib Christi nicht bloß im Himmel, sondern auch auf Erden ist, und dennoch behaupten, daß man an eine wirkliche und wahrhaftige Gegenwart und Genießung desselben glaube, das ist ein so handgreiflicher Widerspruch, daß man zu zweifeln versucht wird, ob es Einen vernünftigen Menschen in der Welt gibt, der im Ernste glaubt, daß sich dies zusammen reimen lasse. Wohl wissen wir, daß die Herrn Reformirten sich hinter dem Gedanken verstecken, daß ja etwas dem Glauben gegenwärtig sein könne, was dem Unglauben fern sei; allein, freilich geben wir zu, daß es gar viele Arten der Gegenwart gebe, nicht nur die Gegenwart einer Sache, die dadurch entsteht, daß man dieselbe im Glauben erfaßt, sondern auch eine solche, die durch Erinnerung oder durch lebendige Vergegenwärtigung im Geiste, in unseren Gedanken geschieht, eine Gegenwart, die man sich bloß einbildet, eine Gegenwart der Kraft und Wirkung nach, eine Gegenwart durch ein Bild, durch ein hinterlassenes Werk u. s. w.; aber dies alles ist eben keine wesentliche, wirkliche und wahrhaftige Gegenwart. Diese ist nichts anderes, als das Nahesein eines Wesens bei einem anderen Wesen in Betreff des Ubi, in dem sich beide befinden; nichts anderes, als das Verhältniß, vermöge dessen ein Wesen durch seine eigene Substanz, ohne moralische Mittelursachen, ja ohne Werkzeuge auf ein anderes wirkt oder doch wirken kann. Alle andere Gegenwart ist eben nicht eine wesentliche, wahrhaftige und wirkliche, sondern eine Gegenwart in einem uneigentlichen Sinne. Reden daher die Reformirten, trotzdem daß sie den Leib Christi in den Himmel einschließen, von einer wesentlichen, wirklichen und wahrhaftigen Gegenwart desselben, so ist dies nichts als ein wohlfeiles Spiel mit Worten, ursprünglich zu dem Zweck erfunden, dem lutherischen Volk seinen Glauben an die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im heil. Abendmahl zu nehmen und demselben dafür gläubig klingende Phrasen zu schenken, jetzt aber, wie es scheint, vielfach von Solchen arglos nachgesprochen, die sich mit concreten Begriffen zufrieden zu stellen pflegen. Je freigebiger aber unsere Gegner mit allerlei schönen Worten sind, durch die sie ihre Lehre, daß in, mit und unter dem gesegneten Brode und Weine nichts als — Brod und Wein gereicht werde und daß nur ihr Glaube den armen Worten Christi: „Das ist mein Leib“ ꝛc. zu Hülfe komme,*) damit *) Wir leugnen übrigens nicht, daß Gott, der aus Bösem Gutes machen kann (Gen. 50, 20.), die rechtgläubig klingenden Reden der Calvinistischen Prediger dazu gebraucht hat und noch gebraucht, daß das Volk, welches die Worte für baare Münze nimmt, biblisch vom heil. Abendmahl glaubt. Es ist uns selbst schon oft vorgekommen, daß aus Calvinistischen