# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 10 13_S20 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) mandatum Domini Pagae proprium, d. h. gauf des Pabſtes eigenen Befehl.“ Die⸗ Unterhänd⸗ ler gingen hierauf wieder zu dem hoffärtigen Mönch hinein und baten ihn, er möchte doch dem Wunſche des Myconius willfahren, es ſei ein junger Menſch von Geiſt und Beredtſamkeit und einer ſolchen Wohlthat vor allen andern würdig. Aber ſie kamen wieder zurück mit ihrer Antwort „von der hülfreichen Hand, die allein fähig ſei, den Ablaß zu erhalten.“ Myconius aber hielt ihnen ein: „Ihr begeht an mir Armen ein Unrecht. Gott und der Pabſt wollen mich von der Gnade nicht ausſchließen, und ihr weiſet mich um einiger Pfennige willen ab.“ Nun wurde der Vorſchlag gemacht, er ſolle wenigſtens etwas geben und, damit nur „die hülfreiche Hand“ nicht ganz fehle, ſolle er wenigſtens einen Groſchen geben. Myconius erwiderte, er hätte den nicht, er ſei arm. End⸗ lich ſoll er nur ſechs Pfennige zahlen; aber er antwortete abermals, er habe auch nicht einen Pfennig. Nun traten jene auf die Seite und beſprachen ſich mit einander. Zweierlei wars beſonders, was ihnen Sorge machte. Ließen ſie ihn ohne Ablaß gehen, ſo mußten ſie fürch— ten, ſie zögen ſich ein Ungewitter über den Hals, wenn etwa die Sache von jemand angeſtellt wäre, indem die Briefe allerdings die Clauſel: pauperibus gratis, d. i. den Armen umſonſt, enthielten. Wiederum aber, meinten ſie, müſſe er doch etwas geben, denn wenn Andere das hörten, daß die Ablaßbriefe umſonſt gegeben würden, ſo möchte der ganze Haufe von armen Schülern und Bettlern ſie überlaufen und alle würden den Ablaß umſonſt haben wollen. Dar⸗ um traten ſie wieder zu ihm heran und Einer von ihnen bot ihm ſechs Pfennige an, die möchte er dem Commiſſar geben: auf dieſe Weiſe helfe er die Peterskirche zu Rom bauen, den Türken bekriegen und werde der Gnade Chriſti und des Ablaſſes theilhaftig. Da war es, als ob der Geiſt über unſern Friedrich Mecum käme, und er antwortete freimüthig: „Wenn ich gekauften Ablaß wollte, könnte ich allenfalls ein Buch verkaufen. Aber ich will ihn um⸗ ſonſt und um Gottes willen; oder ihr mögt ſelbſt Rechenſchaft geben vor Gott, daß ihr wegen ſechs Pfennigen das Heil einer Seele hintangeſetzt habt, die doch Gott und der Pabſt an der Vergebung der Sünden wollten Theil nehmen laſſen.“ Sie fragten endlich, wer ihn denn geſchickt habe? aber er antwortete, wie es auch in der That war, daß ihm kein Menſch dazu gerathen und getrieben habe, ſondern er habe von ſelbſt, bloß im Vertrauen auf die in dem Briefe verſprochene unentgeltliche Verge⸗ bung dieſe Bitte vorgebracht. Nochmals wurde ihm ein Ablaßbrief für ſechs Pfennige ſelbſt, wofür er ihn kaufen ſollte, angeboten. Aber er wollte von dem, der in des Pabſtes Namen die Macht hatte, die Sünden umſonſt zu vergeben, unentgeltliche Vergebung ſeiner Sünden; und ſo wurde er entlaſſen. Er war wohl traurig darüber, daß er nicht erreicht hatte, was er wollte, und doch freute er ſich auch wieder, „daß noch ein Gott im Him⸗ mel ſei, der Bußfertigen die Sünden ohne Geld 20 und umſonſt vergeben wolte+n in Tbrä⸗ nen gebadet kam er in ſeine Herberge und ſein Schlafkämmerlein und nahm das Cruciftr, welches er immer auf dem Tiſche ſtehen hatte, ſtellte es auf die Bank und warf ſich davor auf die Erde nieder. * Es war aber die Summe ſeines Gebets, Gott möge ſein Vater ſein undihm ſeine Sünde vergeben; er möge mit ihm machen, was er wollte und da ihm ijene ohne Geld nicht woll⸗ ten gnädig ſein, ſo möge er ihm ein gnädiger Gott und Vater ſein. Er fühlte ſich wie um⸗ gewandelt, alle irdiſche Dinge ekelten ihn an, ja er ſchien ſelbſt des Lebens überdrüſſig; das Eine begehrt er, mit Gott zu leben und ihm zu gefallen. Aber wer ſollte ihn dies lehren? Das Wort, Leben und Licht der Menſchen war auf dem ganzen Erdkreis in der dichteſten Finſter⸗ niß von thörichten Menſchenſatzungen begra— ben. Von Chriſto hörte man kein Wort oder er wurde als ein ſtrenger Richter dargeſtellt, wel⸗ chen kaum ſeine Mutter und alle Heiligen im Himmel mit blutigen Thränen beſänftigen könnten. Doch flößte ihm der heil. Geiſt die Hoffnung ins Herz, Gott werde ihm gnädig ſein. Er überlegte einige Tage, was zu thun ſei. Da gedachte er an den Stand der Mönche, von deren verborgener und großer Heiligkeit er gehört hatte, wie ſie zurückgezogen von allem Verderben der Welt, Tag und Nacht, Gott dienten, mäßig, gerecht und züchtig lebten, Meſſe läſen, Pſalmen ſängen, faſteten und be— teten. Nachdem er nun mehrere Tage Gott ange— rufen hatte, ſeinen Entſchluß zu regieren, theilte er ihn endlich ſeinem Lehrer, dem Rector An⸗ dreas Staffelſtein mit und bat ihn um ſeinen Rath. Dieſer ſtimmte ſogleich bei und rieth ihm in das Franziscaner-Kloſter zu gehen, welches damals neu gebaut wurde, ging auch alsbald mit ihm zu den Mönchen, lobte ſeinen Geiſt und Frömmigkeit und ſagte, er hätte von ihm immer die Hoffnung gehabt, er werde ein wahrhaft frommer Menſch werden. Myconius wünſchte nur noch die Sache ſeinen Eltern, deren einziger Sohn er war, vorzulegen; aber die Mönche lehrten ihm aus Hieronymus, man müſſe, wenn man auch Vater und Mutter mit Füßen treten ſollte, zum Kreuze Chriſti fliehen; ingleichen, wer ſeine Hand an den Pflug lege und wieder zurückſchaue, ſei nicht geſchickt zum Reiche Gottes. Auch auf viele andere Weiſe verwirrten ſie ſein Gewiſſen und ſagten, er könne in Ewigkeit nicht ſelig werden, wenn er die vom Himmel ihm dargebotene Gnade nicht ergreifen würde. Hierauf verſprach er, innerhalb dreier Tage wiederzukommen und ſeine Probezeit an— zufangen. So geſchah es denn, daß er im Jahre Chriſti 1510, den Tag nach dem Feſte der Apoſtel⸗— theilung, welches war der 15. Juli, zwei Uhr Nachmittag, im Geleite ſeines Lehrers, einiger wenigen Mitſchüler und etlicher frommen Frauen nach dem Kloſter ging. An deſſen Pforte erklärte er ſeinen Begleitern die Urſache ſeines Entſchluſſes, nämlich: er wolle Gott dienen und in Ewigkeit gefallen, ſo viel er könne, allen Sünden abſagen und in Buße „ leben. Er ſagte ihnen Lebewohl, und ſie alle x wünſchten ihm! unter Thränen Gottes Segen. So trat er ins Kloſter ein. Noch in ſpäten Jahren konnte er von dieſem Schritte ſagen: „Du weißt es, mein Gott, daß ich die Wahr⸗ heit rede und daß ich weder ein müßiges Leben führen, noch dem Bauche dienen, noch auch durch einen Schein von Heiligkeit glänzen wollte, ſondern Dir zu gefallen, Dir zu dienen, das war in jener Zeit der dichten Finſterniß mein ängſtliches Verlangen.“ Ob er im Kloſter fand, was er ſuchte, ſoll uns das folgende Ka⸗ pitel lehren. (Fortſetzung folgt.) Führt das alte Lutherthum nach Rom? „Ich bin ſo fern, Gott Lob! der Sachen gewiß worden, daß, wo ein Seelſorger ſich mit allen Kräſten nicht ſetzt wider den Pabſt, Biſchöfe; ihre Menſchenlehr und ⸗Gebot mit reiner Lehre nicht anficht, noch ihnen widerſpricht, er bleibe darüber lebendig oder todt: ſo könne er nicht ſelig werden.“ Luther an Nic. Hausmann im Jahre 1521. (Siehe Werke Hall. X. 1880. Wir leben in einer Zeit, welche ſich zwar die aufgeklärte nennt, in welcher aber, was die Re⸗ ligion betrifft, eine Unwiſſenheit herrſcht, über die man erſtaunen muß; und dies gilt ſelbſt von denen, die ſich lutheriſch nennen. Fragt man z. B. jetzt einen Lutheraner, was für ein Unterſchied zwiſchen den Lutheranern und Re— formirten ſtatt finde, was iſt die gewöhnliche Antwort? Die meiſten ſagen, der Unterſchied beſtehe, ſo viel ſie wüßten, darin, daß die Lu⸗ theraner beteten: „Vater unſer,“ hingegen die Reformirten: „Unſer Vater;“ und daß die erſteren bei dem heil. Abendmahle Hoſtien, die letzteren gemeines Brod gebrauchten. Natür— lich können ſich daher auch jetzt die meiſten nicht erklären, wie es doch möglich iſt, daß es noch immer Lutheraner gibt, die ſich mit den Refor⸗ mirten nicht vereinigen und die jetzt immer all⸗ gemeiner werdende Union nicht annehmen wol— len. Denn wäre zwiſchen der lutheriſchen und reformirten Kirche wirklich kein größerer Un⸗ terſchied, als hiernach die meiſten Leute in ihrer Unwiſſenheit denken, ſo müßten freilich dieje⸗ nigen raſende Menſchen ſein, die deßwegen keine kirchliche Gemeinſchaft halten wollten. Der Unterſchied zwiſchen den Lutheranern und Reformirten betrifft aber ganz andere Dinge, nehmlich die allerheiligſten Sacramente, Taufe und Abendmahl, das Amt der Schlüſſel, die Perſon IEſu Chriſti, den Rathſchluß Gottes zur Seligkeit ꝛc., alſo, wie jeder Lutheraner ſchon aus ſeinem kleinen Katechismus ſehen kann, „Hauptſtücke“ der chriſtlichen Reli⸗ gion.“ Weil aber dieſe beiden Kirchen darin uneinig ſind, ſo iſt eine wahre Vereinigung zwiſchen ihnen, ſo lange die Reformirten ihre wider Gottes Wort ſtreitenden Irrthümer nicht erkennen, unmöglich, und wo Prediger trotz dem (um nur recht viele bezahlende Gemeinde— glieder zu haben) eine äußerliche Vereinigung ſtiften, da verſündigen ſie ſich ſchwerlich erſtlich gegen Gott, deſſen Wahrheit ſie verleugnen, und ſodann gegen die, welche noch im Irrthum ſind, die ſie dadurch in ihrem Irrthum ſtärken. Doch davon haben wir anderwärts ſchon ge⸗ — —.—ßꝛ———