# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S170 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 170 „In, mit und unter.“ „In ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“ (Col. 2, 9.) „Gott ist geoffenbaret im Fleisch.“ (Tim. 3, 16.) „Gott war mit ihm.“ (Apostelg. 10, 38.) Wohl ist nun zwar zwischen den Sätzen: „das ist mein Leib“ und „dies ist mein lieber Sohn,“ ein großer Unterschied; jedoch nicht ein generischer , sondern allein ein specifischer. Der specifische Unterschied ist nehmlich dieser, daß mit jenem Satze eine sacramentliche, mit diesem eine persönliche Vereinigung angezeigt wird; die generische Gleichheit hingegen besteht darin, daß in beiden Fällen das Prädicat durch das Statthaben einer Vereinigung bestimmt ist. Wie nehmlich wegen der persönlichen Vereinigung der göttlichen und menschlichen Natur mit Recht gesagt wird: „Gott ist Mensch und Mensch ist Gott,“ nehmlich persönlich, so wird wegen der sacramentlichen Vereinigung des Brodes und des Leibes mit Recht gesagt: „Das gesegnete Brod ist der Leib Christi,“ nehmlich sacramentlich; und wie in der Schrift die persönliche Vereinigung durch die Partikeln „in und mit“ angezeigt und ausgelegt wird, wenn es darin heißt: „Gott war in Christo“ und „Gott war mit ihm,“ so kann durch dieselben Partikeln auch die sacramentliche Vereinigung angezeigt und ausgelegt werden, indem man spricht: „Der Leib Christi ist im Brode und wird mit und unter dem Brode gereicht.“ So wenig die Schrift mit jenen Partikeln ein räumliches Sein, ein Verstecktliegen der Gottheit in der mit ihr vereinigten Menschheit JEsu Christi oder eine Vermischung beider anzeigen will, so wenig will unsere lutherische Kirche etwas dergleichen anzeigen, wenn sie, der Schrift (in dem analogen Falle der Sacramentsworte) folgend, derselben exegetischen Partikeln sich bedient. Aber, wendet man endlich ein, ist es nicht ein Widerspruch, wenn die lutherische Kirche einmal es selbst zugesteht, daß die Gegenwart des Leibes und Blutes JEsu Christi im heil. Abendmahle eine durchaus unbegreifliche, unerklärbare, weil in ihrer Art einzige, ist, und wenn sie nun dennoch diese Gegenwart durch die Partikeln „in, mit und unter“ definiren will? — Hierauf antworten wir: wohl glauben wir Lutheraner mit tiefster Ueberzeugung, daß die sacramentliche Gegenwart des Leibes und Blutes JEsu Christi und die Vereinigung dieser himmlischen Güter mit den gesegneten irdischen Elementen ein durchaus unerklärliches Geheimniß ist, wovon wir nur das Was? aber nicht das Wie? wissen und das uns nicht dazu gegeben ist, es mit unserer Vernunft zu erforschen, sondern dazu, es gläubig zu unserem Troste zu ergreifen und in demüthiger Bewunderung anzubeten. Allein auch dieses Geheimniß ist, wie alle Geheimnisse der Offenbarung wohl so beschaffen, daß man zwar nicht sagen kann, wie es sei, aber wohl in vielen Stücken, wie es nicht sei. Auch dieses Geheimniß ist zwar undefinirbar κατὰ θέσιν d. h. positiv, aber keineswegs κατ᾽ ἄρσιν d. h. negativ. Wer kann das Wie? des Geheimnisses der drei Personen in der Gottheit bestimmen? — Daß aber die drei Personen nicht drei bloße Offenbarungen, nicht drei bloße Kräfte, nicht drei verschiedene Wesen, nicht drei Theile ꝛc.