# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S169 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) „In, mit und unter.“ 169 es damit vereinigt war. So gewiß dies aber ist, so unzweifelhaft angemessen und richtig ist daher die lutherische Umschreibung der Worte des HErrn: In, mit und unter dem Brode und Weine ist Christi Leib und Blut im heil. Abendmahle gegenwärtig. Es ist dies die sich von selbst ergebende Periphrase einer comprehensiven und exhibitiven Redeweise, welche der HErr hier gebraucht. Würde uns jemand eine Börse mit den Worten reichen : „Da, nimm, das ist das Geld, das ich dir versprochen habe,“ so würde jedermann die logische Umschreibung dieser Worte: „Da, nimm, in dieser Börse ist das Geld, mit dieser Börse und unter der Gestalt dieser Börse erhältst du das Geld, das ich dir versprochen habe,“ für durchaus richtig und für die allein natürliche erkennen und erklären. Ja, spricht man, gerade solche Beispiele zeigen, daß in der Umschreibung der Worte des HErrn mit den Partikeln „in, mit und unter“ die Consubstantiations - oder Impanations⸗Lehre ausgesprochen ist. Denn ist der Leib des HErrn im gesegneten Brode und sein Blut im gesegneten Weine, wie das Geld in der Börse ist, was ist das anderes, als Impanation? — Aber man irrt sich. Wohl behaupten wir Lutheraner, daß, wie jene Worte: „das ist Geld,“ mit dem Satze: „in der Börse ist Geld,“ umschrieben werden müssen so sich diese Worte: „das ist mein Leib,“ mit dem Satze: „in dem Brode ist der Leib JEsu Christi,“ umschreiben lassen; wohl behaupten wir also, daß der Leib JEsu Christi ebensowohl im Brode sei, als das Geld in der Börse ist, aber das behaupten wir nicht, daß der Leib JEsu Christi ebenso im Brode sei, wie das Geld in der Börse ist, nehmlich auf locale, Raum gebende und nehmende Weise. Oder kann etwa nur dann gesagt werden, daß etwas in etwas anderem sei, wenn es räumlich darin ist? Sagt der heil. Geist nicht: „Gott war in Christo“? (2 Cor. 5, 19.) „Christum zu wohnen durch den Glauben in euren Herzen“? (Eph. 3, 17.) „Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet?“ (1 Cor. 3, 16.) Spricht Christus nicht selbst: „Glaubet mir, daß Ich im Vater, und der Vater in mir ist“? (Joh. 14, 11.) — Wird es aber einem Menschen einfallen, um des hier gebrauchten Wörtleins „In“ willen anzunehmen, daß der Vater im Sohne und der Sohn im Vater und daß Christus und der heil. Geist in den Gläubigen sei auf jene grobe, räumliche Weise? — Gewiß nicht! — In der heil. Schrift findet sich jedoch nicht nur der Gebrauch der Partikel „in“ (denn diese Partikel scheint unseren Gegnern unter den dreien von den Lutheranern in der Lehre von dem heil. Abendmahl gebrauchten die anstößigste zu sein) zur Bezeichnung auch einer ganz anderen, als räumlichen, nehmlich einer uns unbegreiflichen Gegenwart; sondern es werden auch ganz analoge Sätze, wie dieser ist: „das ist mein Leib,“ in der heil. Schrift ausdrücklich durch dieselben Partikeln umschrieben. Z. B. 1 Joh. 5, 20. heißt es: „Dieser,“ nehmlich Christus, „ist der wahrhaftige Gott.“ Und Matth. 3, 17.: „Dies ist mein lieber Sohn.“ Anderwärts aber lesen wir von diesen Sätzen folgende Umschreibungen: „Gott war in Christo.“ (2 Cor. 5, 19.)