# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S165 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. 165 Abneigungen, welche sich ihrer vielleicht beim Jugendunterrichte unter der Herrschaft gewisser Richtungen und Denkweisen oder sonst durch besonders starke Eindrücke bemächtigt hätten und unvermerkt auf ihr Gewissen, z. B. auf ihr exegetisches Gewissen Einfluß übten. „Und solche Erkenntniß würde uns sogleich zum Glauben etwa der lutherischen Abendmahlslehre bewegen, meinst du?“ so ruft man vielleicht mir entgegen und wendet ein, daß es noch nicht Glaube ist, wenn man eine Lehre, wie die letztgenannte, für wahr hält. Dennoch bejahe ich die Frage. Von Christen, die bereits im Glauben des Herrn Jesu stehen, ist hier die Rede; diese aber haben sich schon in den Gehorsam des ganzen Wortes Gottes begeben und weigern sich deshalb nicht, eine Lehre anzunehmen, so bald sie deren Schriftmäßigkeit erkennen. Haben sie damit auch nur erst dies erreicht, daß sie eine solche Lehre für wahr halten, so ist das bei ihnen, die bereits an Christum glauben, nichts Todtes, vielmehr Anfang lebendigen Glaubens, wird auch nicht ohne Reue über den bisherigen Ungehorsam geschehen; immerhin langsam alsdann und unter schweren Kämpfen mag man dazu fortschreiten, dem so geglaubten Worte mit vollem freudigen Herzen Zustimmung und Vertrauen zu schenken, und die Erfahrung des in ihm liegenden Trostes und die aus derselben folgende Glaubensstärkung kommt vielleicht erst allmälig zum klaren Bewußtsein, aber auch dies selige Wachsthum bleibt nicht aus bei Allen denen, die durch Gottes Gnade glauben und Glauben halten. Wir haben das erfahren, reden aber nicht davon, weil wir uns unseren Brüdern überlegen glaubten, sondern weil wir ihnen die Gnade Gottes rühmen wollen, die auch ihnen wie uns zur Einmüthigkeit mit der Kirche helfen kann und will. Oder ist ihnen nicht viel daran gelegen, mit der Kirche zu bekennen? Es geht unter vielen Theologen eine Rede, als sei auf die Lehre in der Kirche nicht so gar viel Gewicht zu legen, da das Christenthum in der persönlichen Lebensmittheilung des Herrn Christi bestehe; das klingt so schön christlich und überhebt diejenigen, die sich wirklich dadurch bestechen lassen, der Mühe, nach Uebereinstimmung mit der Lehre der Kirche zu trachten. Auch ist es ja gewiß wahr, der Herr Christus selbst, persönlich, mit seinem Leben, leiblich sogar, macht Wohnung bei uns, so wir anders an ihn glauben. Allein diese persönliche Lebensmittheilung (um den einmal beliebten Ausdruck zu gebrauchen) geschieht in Wahrheit nur durch die Gnadenmittel, Wort und Sacrament, deren Inhalt und Wesen immer als Lehre zum Ausdruck in der Kirche kommt. Dem Worte und den Sacramenten irgend etwas von dieser ihrer Bedeutung nehmen, z. B. ihnen Erbauungsmittel, selbst die wirksamsten, Gebet, Gemeinschaft der Kirche, geistliche Betrachtung oder auch Kirchenordnungen, Predigtamt u. dergl. gleichstellen, die sittliche Macht des christlichen Glaubens nicht völlig und allein in dem Worte Gottes suchen, welches er aufnimmt und bewahrt, das hieße uneins sein mit der lutherischen Kirche auch im Glaubensgrunde selbst und müßte durchaus aufgegeben werden , bevor wirkliche Einmüthigkeit mit ihr in den einzelnen Glaubensartikeln ihres Bekenntnisses nur einmal in Aussicht gestellt werden könnte. Gerade