# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Juni 1856_S163 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. 163 zu geschehen pflegt. Den Grund solchen Unheils suche daher niemand in den evangelisch⸗lutherischen Bekenntnissen, noch wähne man, durch die Erfahrung des 17. Jahrhunderts, zu der Furcht berechtigt zu sein, daß erneute Treue gegen die Verpflichtung auf jene Bekenntnisse auch neue Knechtschaft über die Theologie bringen werde. Freilich, würden unsere Theologen den Glauben verschmähen oder wegwerfen, so würde unter ihnen die Theologie geknechtet, aber nicht durch die evangelisch-lutherischen Bekenntnisse. Man wendet vielleicht ein, der Glaube komme aus der Predigt, wenn man aber die Dogmen predige, so schaffe man damit nicht den Glauben und bereite der Theologie nur die Knechtschaft unterm Unglauben. Allein die Dogmen sollen auch als solche, in dieser ihrer strengen straffen Gestalt keineswegs gepredigt werden, sondern nur Regel der Predigt sein. Wie man nach dieser Regel das Evangelium in der Fülle seiner Lieblichkeit und seines Trostes predigt, so daß die Herzen eben so wohl dadurch erweckt, wie auf den rechten Lehrgrund erbaut werden, das müssen wir erst selbst wieder lernen und können es lernen am Dr. Luther, wie an keinem Anderen. Dazu leite die Theologie ihre Jünger und es wird ihr nicht an gläubigen Meistern und Jüngern fehlen, unter deren Dienste sie sich ihrer Freiheit freuen kann. Das kirchliche Leben unserer Zeit drängt die Theologie zum kirchlichen Bekenntnisse hin, so viele Theologen auch immer widerstreben. Selbst kann es sich nicht befriedigen mit dem aufs Gefühl sich gründenden Glauben, der ersten und keineswegs zu verachtenden Frucht neuester Erweckung; es verlangt zu dem Glauben, der allein auf das Wort Gottes sich gründet, fortzuschreiten und sucht daher einen festen Bau der heilsamen Lehre, wie er in den kirchlichen Bekenntnissen errichtet ist: unmöglich kann nun die Theologie fortfahren, die Dogmen als Ausdrücke des christlichen Gefühls zu fassen, die also außerhalb desselben eigentlich keine Wahrheit haben und deren Unterschiede nur auf Gefühlsstimmungen beruhen. Diese Anschauung hat dazu dienen müssen, den Dogmen wieder Aufmerksamkeit und Achtung zuzuwenden, würde jedoch, wenn fernerhin festgehalten, die Theologie der Kirche entfremden, da die letztere ihre Glaubenssätze auch außerhalb des Herzens der Gläubigen für Wahrheit hält und in alle Ewigkeit halten wird. Mit allen übrigen kirchlichen Lebensgebieten wird auch die Theologie sich auf das Wort Gottes stellen müssen, wie es in Uebereinstimmung mit der heil. Schrift zu Kirchenlehre und Dogma geworden ist. Schon hat man die Furcht ausgesprochen, es möchten Manche dieser Nöthigung ohne Glauben, ja aus selbstsüchtigen Beweggründen nachgeben . Das läßt sich nun zwar so wenig vermeiden, wie die Mitgliedschaft von Maulchristen an der christlichen Gemeinde, doch erheben sich andere wahrhaft ängstliche Fragen und diese gerade auf unserer, der Bekenner, Seite, wenn es darauf ankommt, die amtliche Verpflichtung nicht bloß als Grundsatz auszusprechen , sondern bei einzelnen Personen geltend zu machen. Wir erinnern uns dabei der kirchlichen Zustände, in welche unsere eigene und der bezeichneten Personen Jugendzeit siel, bedenken, wie es allein Gottes Güte ist, daß