# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S107 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. 107 von der Theologie als wahr vorausgesetzt wird, der theologischen Arbeit entgegen , und nur der Lehrinhalt sammt dem, was vom Ausdruck desselben bereits als nothwendig und heilsam festgestellt ist (s. Concordienformel Art. 4), unterliegt nicht mehr der ändernden Hand der Theologie. Es ist wahr, neben einander können zwei Meinungen nicht mehr bestehen, deren Gegenstand in einem Dogma Bestimmtheit erhalten hat; die eine hat dadurch aufgehört, Meinung zu sein, denn sie ist bestätigt und Glaubenssatz geworden, die andere dagegen wird, wenn hartnäckig festgehalten, zur Irrlehre. Die christliche Theologie kann z. B. seit der Kirchenversammlung von Nicäa der arianischen Lehre, seit der augsburgschen Confession der Pelagianischen und Semi-Pelagianischen Lehre keine Stellung mehr innerhalb ihres Lehrgebietes zu erkennen. Allein sie ist darum nicht unfrei, so wenig als die mathematischen Wissenschaften unfrei sind, die eine Reihe von Grundsätzen ohne Beweis voranstellen. Wie ein Irrlicht schweift der Geist, welcher sich nicht an die bereits erkannte und in den kirchlichen Dogmen bekannte Wahrheit bindet, auf dem weiten Gebiete der theologischen Wissenschaft umher. Gottfried Arnold, glühend in der Liebe zum Bräutigam der Kirche, kann die Braut selbst nirgend finden, nur Stücke ihres Geschmeides hie und da in den unreinen sectirerischen Gestaltungen der Christenheit; Semler häuft Massen von Zeugnissen seiner Gelehrsamkeit auf, aber so bunt, so kraus, daß man aus seinen Schriften keinen anderen Eindruck mit sich nimmt außer den einer sehr krausen und doch sehr faden Perrücke; wir selbst noch, die wir zum theologischen Studium höchstens ein wenig Gefühlschristenthum mitbrachten, wissen zu erzählen von der rathlosen Willkür, in welcher wir theologische Edelsteine und Glasstückchen durch einander sammelten und mit einander wegwarfen, bis wir an unserer Art von Christenthum völlig verzweifelten. Und in dieser Verzweiflung stürztet ihr euch aus der Willkür des Gefühls in die Knechtschaft des Dogmas ! ruft man uns zu. Wir stürzten nicht. Ich unter Anderen werde es dem seligen Professor Lücke ewig danken, daß er uns dem Glauben der Kirche wieder zugeführt hat, und wenn wir über seinen Standpunkt hinaus zur Anerkennung des ganzen lutherischen Bekenntnisses fortschritten, so geschah es weder aus Vorwitz, noch mit Undank. Aber nicht die Wissenschaft, vielmehr die Predigt des Wortes Gottes hat in uns die feste Ueberzeugung von der Wahrheit der kirchlichen Dogmen erweckt und nicht durch eine plötzliche Handlung des Verzweifelns, nicht durch einen Todtensprung, sondern unter langen Kämpfen haben wir die rationalistischen Eindrücke unserer Jugend überwunden und bekennen uns unter großen Anfechtungen mit den Vätern der Reformation . Dies unser Bekenntniß ist nichts Knechtisches, denn der Inhalt desselben ist an der Schrift bewährt, die lautere Wahrheit; die Wahrheit aber macht frei, auch frei für die Wissenschaft. Soll die Dogmatik das im Glauben liegende Erkennen zum Lehrgebäude erheben, so kann das ohne Willkür, mit Freiheit nur von dem Theologen geschehen, dessen Glaubenserkenntniß nicht bloß seine eigne, sondern die der Kirche selbst ist. Die Exegese ist vor