# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S106 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 106 Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. Form ihr eignes von der Kirche geprüftes und anerkanntes Werk ist. Freiheit aber steht darin, daß wir selbst unserer Thätigkeit die Grenzen und Schranken setzen, die von Gott uns bestellt sind und daher unserem Leben und Wesen eignen. Eingeengt wird die Theologie nicht durch die Dogmen, denn dadurch , daß nach und nach immer mehr Theile des geglaubten Wortes zu Dogmen werden, scheiden sie keineswegs aus der Reihe der Gegenstände aus, mit welchen es die Theologie zu thun hat. Soll die Theologie gemäß ihres Berufs sie zum Lehrbegriff zusammenfassen und deshalb auch die noch nicht zum Dogma gestalteten Lehren in Uebereinstimmung mit ihnen ergänzen, so muß sie die Dogmen sorgfältigst untersuchen, prüfen, überhaupt wissenschaftlich behandeln; allein sie thut das ohnehin, weil es ihr Recht und ihre Pflicht ist. Dazu ist diese ihre Arbeit keineswegs vergeblich, trotz dem, daß sie die Ueberzeugung von der Wahrheit der Dogmen mit sich bringt. Vollkommen ist nemlich nur die in den Dogmen enthaltene Lehre, weil sie mit der heil. Schrift übereinstimmt, Form und Ausdruck derselben sind als Menschenwerk nur in so weit vollständig und abgeschlossen, als es das zur Zeit ihrer Abfassung vorhandene Bedürfniß erforderte. Die Form betreffend, so sind im Bekenntniß vielleicht nur die Haupttheile oder vorzüglichsten Glieder eines Dogmas zusammengestellt, also nur die Grundzüge gegeben. So werden z. B. in der augsburgschen Confession Art. 7 zwei Bestimmungen, nemlich was die Kirche sei und woran sie unfehlbar erkannt werde, mit einander verbunden zum Dogma von der Kirche; es war das damals genug, denn es zeigte, daß auf evangelischer Seite gemäß der heil. Schrift die Kirche als eine Gemeinschaft nicht von dieser Welt gelehrt werde, doch aber keineswegs als ein Gedankenbild , sondern als eine Gemeinschaft auf dieser Welt, gar wohl zu erkennen an bestimmten Kundgebungen und Zeichen. Die anderen Glieder dieses Dogmas in Uebereinstimmung mit den bereits im Bekenntniß angegebenen aufzusuchen, z. B. zu bestimmen, wie die Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen zu der äußeren vielfach gespaltenen Christenheit stehe, das blieb der theologischen Wissenschaft überlassen, die dann auch sogleich in der Apologie einen trefflichen Anfang zur weiteren Ausbildung der Lehre von der Kirche machte. Auch der Ausdruck ferner, in welchem die Dogmen vorgetragen werden, bedarf der beständigen Fortbildung durch die Theologie, wie dazu unter Anderen das athanasianische Symbol und die Concordienformel (im Art. 4 „von guten Werken“) schöne Vorbilder gegeben haben. Dazu kommt, daß die einzelnen Glieder der Dogmen selbst wieder Lehrgegenstände sind, die eine Fülle göttlicher Gedanken enthalten und nun in dieser Verbindung mit anderen der Wissenschaft vielleicht erst recht bemerkbar werden. Im Dogma von der Rechtfertigung etwa reizt das, was darin vom Gehorsam Christi handelt , für sich allein schon zu eingehenden theologischen Untersuchungen, die dann wiederum das ganze Dogma nach Inhalt, Form und Ausdruck bereichern , ja die Bildung neuer Dogmen vorbereiten und nach und nach ausführen . Nichts überhaupt am Dogma wird dadurch, daß es vom Glauben und