# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S105 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. 105 den kirchlich noch nicht festgestellten Lehren. Die Dogmen sind nicht bloß kirchliche Glaubenssätze, sondern auch bewährte Ergebnisse der Theologie, so sorgfältig ausgearbeitet und so scharf geprüft, daß auch die nicht theologisch gelehrten Gemeindeglieder deren Uebereinstimmung mit der Schrift einsehen können. Zusammt anderen Ergebnissen theologischer Arbeit, als z. B. der Sammlung der biblischen Bücher, sieht die Theologie in den Dogmen den wissenschaftlichen Bau, den sie im Laufe der Zeiten errichtet hat. Wollte sie dieselben beseitigen, so bräche sie ihren eignen Bau ab, zerstörte ihre eigne Geschichte, leugnete, daß es bis daher Theologie gegeben habe und die christliche Wahrheit wissenschaftlich erkannt worden sei. Vergebens würde sie behaupten , nur die Dogmen, nicht die heil. Schrift wegwerfen zu wollen; es giebt keinen Glauben, der bloß die heil. Schrift umfaßt und nicht zugleich Lehren, die auf dem Grunde derselben stehen: mit den Dogmen würde sie auch die heil. Schrift bald hingeben müssen. Vergebens würde sie für ihre eignen Lehrsätze das Ansehn der Wahrheit fordern; man würde in denselben eben nur das erblicken, was sie selbst in den theologischen Arbeiten der Vergangenheit sieht: zufällige Meinungen, bestimmt, ein Paar Jahre oder vielleicht Jahrzehnte zu gelten, um alsdann auch wieder für altfränkisches Gerümpel erklärt zu werden. Die Theologie würde auf die Weise zur Neologie, das ist zur Wissenschaft vom eignen Belieben. „Würde,“ habe ich gesagt — sie wurde es um die Mitte vorigen Jahrhunderts, als man sich der kirchlichen Dogmen entschlug. Töllner brach aus dem Glaubenssatze von der Rechtfertigung die Lehre vom thätigen Gehorsam Christi heraus, da erfand er auch die willkürliche und Willkür befriedigende Unterscheidung zwischen der Bibel und dem Worte Gottes in der Bibel; Semler sprach den kirchlichen Dogmen alle Bedeutung für den eignen Glauben des einzelnen Christen ab, derselbe, der in der Geschichte und Theologie der Vergangenheit nur menschliche Thorheiten erblickte; von der Verwerfung des kirchlichen Dogmas ausgehend machte die Neologie aus der Bibel einen Spielball loser Willkür, bis sie durch Bruno Bauer die heil. Schrift für ein Narrenwerk und durch Feuerbach die Theologie für das Geschwätz von der Selbstvergötterung des Menschen ausgab. Sich selbst würde die Theologie zerstören, wollte sie die kirchlichen Dogmen, die bewährten und vom Glauben angenommenen Ergebnisse ihrer Arbeit, vernichten ; sie zerstörte damit den Gegenstand ihrer eignen Arbeit, den Glauben , sie zerstörte damit ihren eignen Bau, den sie in der Geschichte der Zeiten unter Mühen und Kämpfen errichtet hat. Diesen Bau zu erhalten und nach dem Richtmaße der heil. Schrift, nach welchem sie denselben aufgeführt hat, fortzuführen, das ist ihre eigenste Aufgabe, das liegt in ihrem innersten Wesen. Die Theologie handelt ihrem Wesen gemäß, wenn sie bei ihrer Arbeit den in den kirchlichen Bekenntnissen dargestellten Glaubensinhalt voraussetzt. In diesem ihren Verhalten daher ist sie recht frei. Sie selbst bestimmt damit zur Grenze oder Schranke ihrer Arbeit den an der Schrift bewährten Glauben der Kirche, den sie bei ihren Jüngern erwarten muß und dessen begriffliche