# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S104 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 104 Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. die einen nicht stören in der Befriedigung der Herzensgelüste und doch einen glauben machen, man sei ein religiöser Mensch; dieser gesunden Vernunft entspricht in Wahrheit nicht ein einziger theologischer Begriff. Gesetzt aber, der Ungläubige forderte wirklich philosophische Beweise von der Theologie, so würde er ebenfalls nichts der Art erlangen. Nach allen Regeln logischen oder folgerichtigen Denkens sollen die theologischen Begriffe aus dem geglaubten Worte Gottes gebildet sein, aber ihr Beweis ruht allein in dem geschriebenen Worte Gottes; wer also nicht glaubt, den wird der christlichen Theologie Gegenstand und Streben eine Thorheit dünken. Setzt somit die Theologie Glauben bei den Theologen voraus, so meint sie damit unter Anderem auch, daß dieselben der Glaubenserkenntniß oder dem geglaubten Worte, wie es in der Geschichte der Kirche Form und Gestalt gewonnen und im kirchlichen Bekenntniß ausgesprochen ist, zustimmen. Die Kirche ist dessen bei ihren Gliedern gewiß, also auch bei den Theologen, die sie für ihre Glieder und nicht für Sectirer und Sonderlinge hält. Sollten nun diese Theologen, ohne die Wahrheit des kirchlichen Bekenntnisses vorauszusetzen, an die wissenschaftliche Arbeit gehen, so müßten sie zuvor jene Dogmen, deren Schriftmäßigkeit ihnen vor allem theologischen Studium klar war, aus ihrem Glauben entfernen, das heißt, ihren Glauben von sich abthun, was im Ernst niemand fordern wird. Wir können unseren Glauben nicht aus und anziehen wie einen Rock, auch ists unmöglich, seinen Inhalt einzuschränken bis etwa auf das Dafürhalten , die heil. Schrift sei unfehlbar Gottes Wort, so daß wir bloß mit dieser Voraussetzung zur theologischen Arbeit träten; eben so wenig können wir die Dogmen, die in der Geschichte geworden und an der Schrift bewährt sind, wieder auflösen und nur die Thatsachen und Lehren, aus welcher sie genommen sind, stehen lassen, ohne darüber zu Sectirern zu werden oder doch in ein verderbliches Schwanken und Unsicherheit des Glaubens selbst zu gerathen. Kurz daß die Theologen zu ihrer wissenschaftlichen Arbeit den Glauben der Kirche auch in seiner dermaligen Gestalt ganz und unverkürzt mitbringen, das liegt im Wesen des Glaubens, das kann unmöglich die Freiheit der Theologie vernichten, das wird von der Theologie selbst gefordert. Als Wissenschaft vom Glauben kann die Theologie nicht darauf ausgehen , die Dogmen der Kirche zu zerstören; sie kann das so wenig, wie irgend eine andere Wissenschaft ihren Gegenstand zerstört. Allein, man wird mir vielleicht entgegen, die Theologie habe ja den Beruf, Alles, was zum Glauben gehört, der schärfsten Prüfung an der Schrift zu unterwerfen. Gewiß, gewiß, antworte ich; Gott verhüte, daß ich jemals der Theologie dies Recht, nein vielmehr diese Pflicht absprechen wollte! Sie hat es gethan, so lange es eine heil. Schrift giebt und wird und soll es thun bis ans Ende der Tage. Auch die Dogmen der Kirche wird sie ohne weitere Aufforderung immer von Neuem nach den einzelnen Theilen derselben und nach deren Zusammenfassung im Begriff prüfen am Richtmaß der Schrift, denn das fordert ihr Wesen und Art. Doch ist ihre Stellung zu den kirchlichen Dogmen eine andere, als zu