# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S103 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. 103 Schrift nicht darnach auslegen? sollte diese Begriffe der Lehre, die man selbst als schriftmäßig anerkennen muß, nicht um so lieber zur Auslegung gebrauchen , da sie von der Kirche an der heil. Schrift geprüft und bewährt erfunden sind. Mit wissentlicher Verschmähung der Kirchenlehre, welche geschichtlich auf dem Grunde der heil. Schrift geworden und in den Bekenntnissen niedergelegt ist, an die Auslegung der Schrift gehen heißt erklären, es habe bisher noch keine Gemeinschaft, welche die Wahrheit erkannte, also noch keine Kirche bestanden; das aber führt zur Sectirerei. Die Bekenntnisse sind ein Theil des Glaubensbaues, den die Kirche auf dem Grunde der Apostel und Propheten errichtet, und zwar gehören sie zum Wesen desselben, da sie das Theil am Glauben enthalten, welches ihm Licht und Leben giebt, das geglaubte Wort. Falsche Lehren, auch Verfassungsformen und Ceremonien, die wider die heil. Schrift sind, muß die Kirche von sich abthun, mögen dieselben auch noch so sehr durch die Geschichte geheiligt erscheinen; zulässige Kirchenordnungen und Gebräuche kann sie abschaffen, ohne daß gerade ihr Bestehen dadurch gefährdet würde; wollte sie aber ihr Bekenntniß, den Lehrbau also, zu welchem sie es gebracht hat, abbrechen, so gäbe sie sich selbst auf und würde zur Secte oder zersplitterte vielmehr in Secten. So anerkannt ist diese Behauptung in der Christenheit, daß alle christlichen Gemeinschaften, welche den bisherigen Lehrbau der Kirche verleugnen und vorgeben, selbst erst den rechten Bau auf dem Grunde der Schrift zu errichten, Secten genannt werden, dagegen die christlichen Gemeinschaften, welche noch den von der alten Kirche in den drei ältesten Bekenntnissen ausgeführten Lehrbau bewahren, Kirchen heißen; ja daß man deshalb sogar die römisch-katholische Gemeinschaft mit diesem Ehrennamen bezeichnet, obwohl sie jenen Lehrbau nicht in Uebereinstimmung mit der bisherigen Art desselben, sondern so fortgeführt hat, daß die Stoppeln der Irrlehre, welche sich in der Geschichte daran gehängt hatten, darauf gepackt und vom Tridentinum für Bausteine erklärt worden sind. Mit der christlichen Kirche setzt auch die christliche Theologie voraus, daß die Theologen selbst gläubige Christen sind; Ungläubige haben keine Einsicht in das Wesen des Glaubens, keinen Verstand der Glaubenserkenntniß oder des geglaubten Wortes, welches ein so bedeutsamer Gegenstand der Theologie ist. Wer ohne Glauben ein Theolog sein will, ist elender als eine Kornähre ohne Korn, ist gleich dem Diebe, der edles Gold zu stehlen begehrt, aber Rechnenpfennige davon trägt, ist im besten Falle dem Manne zu vergleichen, „der nach verborgenem dunklem Schatze gräbt“ „und froh ist, wenn er Regenwürmer findet.“ Ein Ungläubiger wird nimmer mit den Begriffen, welche die christliche Theologie bildet, zufrieden sein. Er wird entweder fordern, daß dieselben mit den Meinungen des Wurzelmännchens, welches er Menschenverstand oder gesunde Vernunft nennt, übereinstimme, oder im besten Falle wird er philosophische Beweise fordern. Was er gesunde Vernunft nennt, ist ein Häuflein von dürren Denk- und Lebensregeln, entstanden unter der Lei⸗ tung des abgöttischen Herzens und ausstaffirt mit solchen religiösen Gedanken,