# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S100 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 100 Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. Arbeit von Jedermann erkannt werden mag. Auch in dieser seiner Form gehört es fortan zum geglaubten Worte Gottes. Mit einer gewissen Ungunst haben Theologen neuester Zeit die Bildung der Dogmen in der christlichen Kirche betrachtet, als verliere der Glaube darüber seine ursprüngliche Frische und Lebendigkeit. Allein dieses Verlustes Grund und Ursache kann nur die menschliche Schwachheit sein, in welcher wir den Besitz der Lehre gern mißbrauchen, um unter demselben unseres Herzens Unglauben zu verbergen. Das geglaubte Wort Gottes wird zum Dogma gemäß derselben göttlichen Ordnung, welche z. B. auch bestimmt hat, daß die Menschen nicht im patriarchalischen Leben verharren sollen, obwohl es immerhin reich sein mag an den lieblichsten Tugenden. Das geglaubte Wort, welches Christen von den Vätern ererbt haben, müssen sie selber erwerben, um es zu besitzen; denn man kann es wohl haben, auswendig wissen, für wahr halten , davon reden, ohne es zu besitzen. Es besitzen heißt daran glauben, es erwerben heißt sich zum Glauben desselben bekehren, und das geht nicht ohne Nachdenken über dasselbe, nicht ohne Bestreben, dasselbe klar und übersichtlich zu erkennen, nicht ohne Kampf. Aus diesen Bewegungen, welche dem gläubigen Geiste natürlich sind, geht die christliche Theologie hervor, wie das schon oben dargestellt worden ist; da aber das Streben nach Anschauung und Uebersicht des geglaubten Wortes nicht bloß dem Geiste der für theologische Arbeit begabten Christen eignet, sondern der gläubigen Gemeinde, so gehen die Ergebnisse der Theologie, was sie an theologischen Begriffen, ja an Vorarbeiten zu solchen Begriffen erreicht, nach und nach in die Glaubenserkenntniß der ganzen Gemeinde über. Die Reihenfolge, nach welcher so die einzelnen Theile des geglaubten Wortes zu Dogmen werden, ordnet Gott selbst besonders durch die Kämpfe, in welche Er Seine Kirche leitet. Falsche Lehre von Außen und die dadurch bewirkte Anfechtung im Innern der Gemeinde selbst treibt zum Nachdenken über den entsprechenden Theil des geglaubten Wortes, zu theologischer Arbeit also auf Seiten der dazu Begabten, zur Prüfung und Annahme der Früchte jener Arbeit auf Seiten der ganzen Gemeinde; je mehr die falsche Lehre sich befestigt und selbst Gestalt des Dogmas annimmt, desto genauer und bestimmter gestaltet sich das Dogma der Kirche; es kommt der Zeitpunkt der Entscheidung in dem so entbrannten Kampfe, da stellt die Kirche den Begriff der streitigen Lehre, welcher in den Händen der Theologie herangereift ist und am geschriebenen Worte Gottes sich bewährt, als ihr Dogma auf und weist damit die falsche Lehre völlig und endlich von sich ab. Nach und nach alsdann tritt das Dogma in seiner neuen bestimmten Fassung in die Glaubenserkenntniß auch der einzelnen Gemeinden und Gemeindeglieder ein; ganze Menschenalter zwar mögen darüber hingehen, die Wissenschaft mag es vervollständigen, schärfer fassen, tiefer begründen, aber abgethan wird es nicht mehr. Andere Kämpfe dagegen entstehen, über andere Lehrstücke werden verschiedene Meinungen laut, so daß die Kirche und in ihr namentlich die Theologie sich darauf richtet, ein neuer Lehrbau beginnt, falsche Meinungen