# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_April 1856_S99 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. 99 falschen Lehrern und falscher Lehre entgegenzusetzen. Als ein derartiger Ausdruck ihres Glaubens kann ihr nicht die heil. Schrift dienen, denn diese ist Richtschnur ihres Glaubens. Das geglaubte Wort ist nur Gottes Wort, wenn es mit der heil. Schrift übereinstimmt; es hat das Zeugniß des heil. Geistes für sich, sofern es der heil. Schrift entspricht; allein darum ist es noch nicht das Schriftwort selbst. Es enthält stets so viel von Gottes Offenbarung in Christo, als die Kirche bereits mit der Erkenntniß des Glaubens gefaßt hat, dagegen die heil. Schrift alle Geschichte und Lehre, durch welche Gott in Christo sich geoffenbart hat, darstellt und dazu selbst, weil durch besondere Eingebung des heil. Geistes entstanden, ein Theil jener Offenbarung ist. Es wächst an Ausdehnung je tiefer die Kirche in die Kämpfe der letzten Zeit vor dem Ende hineingeräth, dagegen die heil. Schrift vollendet, ja so völlig abgeschlossen ist, daß bis an den jüngsten Tag kein Zusatz zu derselben erwartet werden darf. Es ist der Bau der Lehre, welcher die Kirche in dieser letzten Weltzeit, da das Heil in Christo zur Annahme dargeboten wird, auf dem Grund der Apostel und Propheten errichtet, dagegen die heil. Schrift den Grund der Apostel und Propheten selbst giebt, aufgeführt in der ersten Weltzeit, da Gott das Heil in Christo bereitete. Die Form endlich betreffend, so ist die Rede der heil. Schrift gestaltet, wie alle einfache geschichtliche Darstellung überhaupt und aller Lehrvortrag , welcher gemäß dem gerade vorhandenen Bedürfniß der Hörer aus augenblicklicher Eingebung oder Anregung hervorgeht, das geglaubte Wort dagegen hat und erstrebt die Form des kirchlichen Glaubenssatzes oder Dogmas. Ein Blick auf solche Glaubenssätze, etwa auf den von der heil. Dreieinigkeit , genügt, um uns einestheils den behaupteten Unterschied von geglaubtem und geschriebenem Worte Gottes, anderntheils Wesen und Art eines kirchlichen Dogmas aufzuzeigen. Verschiedene, doch zusammengehörige Lehrstücke sind da in einem Satze zusammengefaßt oder begriffen, beim Dogma von der heil. Dreieinigkeit z. B. der Lehre von Gott, dem Vater, Gott, dem Sohn, Gott, dem heil. Geiste, mit der Lehre vom einigen Gott. Man sieht die sorgsame und reinliche Arbeit, mit welcher jene einzelnen Lehrstücke auseinandergesetzt , nach ihrer gegenseitigen Beziehung zu einander untersucht und endlich demgemäß an einander gefügt wurden. Die Uebereinstimmung des so gewonnenen Lehrsatzes mit der heil. Schrift springt sogleich in die Augen, obwohl er selbst in dieser seiner Form gar nicht in der heil. Schrift steht und seine Theile oder Glieder sich darin nicht gerade immer als einzelne Aussprüche vorfinden, vielmehr im Allgemeinen dem Sinn und Inhalt aller dahin gehörenden Reden und Geschichten der Bibel entsprechen. Kurz das kirchliche Dogma ist unverkennbar Ergebniß und Ziel theologischer Arbeit, ein theologischer Begriff, den die Wissenschaft gewonnen hat. Allein es ist mehr als das. Die Kirche hat es zu seiner Zeit aus der wissenschaftlichen Erkenntniß in die Glaubenserkenntniß und also in ihre Lehre herübergenommen, da die Uebereinstimmung desselben mit dem geschriebenen Worte ohne wissenschaftliche