# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 09 19_S12 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) auch (wie Hr. M. doch wenigſtens ſpäter noch lernen kann) eigentlich Lehre der Papiſten iſt, daß Chriſtus mit den Schlüſſeln die Macht, Kirchenordnungen und Kirchengeſetze zu fabri— ziren, verliehen habe; ſo macht endlich Hr. M. darauf aufmerkſam, daß es Sünden gebe, die unmittelbar, und ſolche, die nur mit⸗ telbar gegen Gott begangen werden. Mit dieſer gelehrten Diſtinction hofft nun Hr. M. den längſt geſuchten Aufſchluß jener Worte Chriſti allen denen gegeben zu haben, deren auf— geklärter Verſtand etwa, wie er, einen Anſtoß an dem buchſtäblichen Verſtande derſelben fin⸗ den ſollte. Er meint nehmlich, Chriſtus rede nur von den letzteren Sünden, aber nicht von den erſteren, wenn er ſpreche: „Was ihr auf Erden löſen werdet, ſoll auch im Himmel los ſein; welchen ihr die Sünden erlaſſet“ u. ſ. w. Warum Chriſtus hier gewiß allein von ſol⸗ chen Sünden rede, die gegen Gott nur mit— telbar begangen werden, dies zu bewei— ſen, erläßt ſich zwar Hr. M., aber wer würde auch ſo unbeſcheiden ſein, ihm, dieſem Sohn des Mittaglichts der Reformation, dies nicht aufs Wort zu glauben? Er hat freilich hierbei auch daran nicht gedacht, daß er in der Eile gerade das Gegentheil von dem ſelbſt bewieſen habe, was er beweiſen wollte. Er wollte nehm⸗ lich erhärten, daß Menſchen keine Macht hätten, Sünden ſo zu vergeben, daß dieſe zu— gleich im Himmel vergeben ſeien, und was thut der arme Schelm? In zu grobem Eifer, die Welt mit ſeinem neuen Licht zu beglücken, ſchlägt er ſich ſelbſt in's Angeſicht, und beweiſt, daß Menſchen allerdings Sünde vergeben könnten, nehmlich dieman mittel bar gegen Gott begehe. Um die Schlußweiſe des guten Mannes zu veranſchaulichen, wollen wir ſie in ſchulgerechter Form herſetzen. Er ſchließt ſo: Was die heilige Schrift ſagt, daß muß man glauben. Nun ſagt die heil. Schrift, daß nur die Sünden von Menſchen vergeben werden können, die mittelbar gegen Gott begangen werden. Alſo muß man glauben, daß von Menſchen gar keine Sünden vergeben werden können. Man ſieht hieraus, daß in Hru. M. vor⸗ treffliche Anlagen ſchlummern, ein guter Schluß— zieher zu werden; wir rathen ihm daher, damit dieſe Gabe in ihm erweckt werde, nur ein wenig Logik zu ſtudiren. lich, da er, wie alle Methodiſten, ein geheimes Grauen vor allen Wiſſenſchaften hat, ſchwer fallen, daran zu gehen; wir hoffen jedoch, da er zur Schriftſtellerei von Kindesbeinen an große Liebe zu haben ſcheint, daß er ſchon dar⸗ um ſeinen Widerwillen beſiegen wird, damit er die bereits ſo glorreich betretene ſchriftſtelleriſche Laufbahn weiter verfolgen könne. Doch wir eilen zum Schluſſe. nur noch ſo viel hinzuzuſetzen, daß es in dem Folgenden Hru. M. leider! in ſeinem Schluß⸗ machen nicht beſſer glückt, wie in dem Vorher— gehenden, was ihm gewiß jeder verſtändige Menſch gern verzeihen wird, da er ja erſt in Zukunſt dieſe Kunſt ſtudiren ſoll. Wer ſollte ſo unbillig ſein, zu verlangen, Hr. M. ſolle der erſte gleich als Meiſter vom Himmel gefallene Wir haben! 12 Autor ſein! Wir führen nur noch einiges an. Wenn Luther ſchreibt, daß nur die Kirche Sünde vergeben könne, weil nur dieſe den heil. Geiſt habe, ſo macht Hr. M. daraus den un⸗ glücklichen Schluß, daß nach Luther niemand durch einen vom heil. Geiſt nicht wiedergebor— nen Diener der Kirche Vergebung der Sünde erlangen könne. Ferner, wenn wir die ſchwärmeriſche, wilde, oft in krampfhafte Zuckungen verſetzende methodiſtiſche Seelenbe— arbeitung verwerfen, ſo zieht Hr. M. daraus den Schluß, wir verwürfen das Geſetz und die wahre Buße, (obgleich er hernach ehrlich wieder ſelbſt geſteht, wir forderten dieſelbe auch.) Wenn wir ſagen, daß alle Menſchen, alſo auch die Unbußfertigen, ſchuldig ſeien, das Evange— lium von Chriſto, alſo auch die Abſolution im Glauben anzunehmen, obgleich letztere dies ver⸗ möge ihres Zuſtandes nicht könnten, ſo ſchließt Hr. M. daraus, wir lehrten, ein Un⸗ bußfertiger ſolle unbußfertig bleiben, ſich nur einen Hirnglauben erdichten und einen Men— ſchentroſt machen. Wenn unſer Schriftſteller in der Apoſtelgeſchichte lieſt, daß man in der apoſtoliſchen Kirche um die Wundergaben des heil. Geiſtes über die gläubigen Samariter gebetet habe, worauf wunderbare Wirkungen erfolgten, ſo macht Hr. M. den gottesläſterli— chen Schluß, daß das auf den Gebetsunfug der Methodiſten auf ihren Camp-meetings-Jahr— märkten folgende greuliche ungeberdige Weſen auch ſolche ſichtbare Wirkungen des heil. Gei— ſtes ſeien. Wenn wir ferner geſchrieben haben, daß ſchon in der Bibel die Beichte zu finden ſei, ſo ſchließt er daraus, wir behaupten gegen die Augsburgiſche Confeſſion, die Beichte ſei durch die Schrift geboten. Endlich wenn nach Eberhardts Synonymik der deutſchen Sprache, die Hr. M. „zur Hand“ zu haben ſcheint, Sündigen ſo viel heißt, als: „wiſſent— lich und vorſätzlich unrecht thun,“ ſo ſchließt er daraus, daß die h. Apoſtel auch nach dem Sinne und der Redeweiſe der heil. Schrift nicht mehr geſündigt haben.“) Summa Summarum: Hr. Mulfinger gehe erſt noch einige Jahre in die Schule und lerne vor allem Logik, wenn ihm nun einmal, wie Luther ſpricht, ſeine Weisheit den Bauch zer— reißen will. So lange er ſich aber dazu nicht rde, n verſtehen kann oder will, ſo lange wird ſeine Es wird ihm frei⸗ Naſeweisheit und Keckheit, mit welcher er über Dinge abſpricht, deren Bedeutung und Zuſam— menhang ſeinen Captus bei weitem überſteigt, ihn nimmer befähigen, die übernommene Nolle eines Gottesgelehrten gut fortzuſpielen. Er wird zwar die Genugthunng haben, von ſeinen Dutzbrüdern als ein Wunderthier angeſtaunt zu werden, aber dies abgerechnet, wird er mit ſeinem Schreiben nur Feder, Tinte, Papier, *) Der arme Tropf ſieht freilich nicht ein, dah ein Eber⸗ hardt in conſequentem Unglauben nur das Sünde, (etwas zu Sühnendes) nennt, was von einem Menſchen wiſjentlich und vorſätzlich gegen ein ſittliches Geſetz geſchieht; daß ſchon das Erbverderben Sünde ſei, und daß das Geſetz vieles als Sünde offenbare, auch was man ohne Wiſſen und Vor⸗ ſatz beging (Röm. 7, 7.), das durfte Eberbardt in ſeinem Handwörterbuch nicht eingeſtehen! Und das ſchreibt der Me⸗ thodiſt geduldig aus und gründet darauf ſeinen Glauben. O saneta simplicitas! Zeit und guten Namen verſchwenden, ja um ſeiner Hoffart willen ſelbſt Gottes Gnade ver— ſcherzen. — Wundere ſich hiernach niemand, wenn wir künftighin manches methodiſtiſche und Weyl'ſche Geſalbader mit Stillſchweigen beantworten werden. Sapienti sat! Verſtockung der Retzer und ihrer Secten. David ſchreibt: „Er wollte den Fluch haben, der wird ihm auch kommen; er wollte des Se⸗ gens nicht, ſo wird er auch fern von ihm blei⸗ ben. Und zog an den Fluch wie ſein Hemd, und iſt in ſein Inwendiges gegangen wie Waſſer, und wie Oel in ſeine Gebeine.“ Pſ. 109, 17. 18. Hier mögen wir uns auch alle wohl fuͤrch⸗ ten, ſonderlich alle Ketzer und falſche Lehrer. Wo der Unfall kommt, daß man in einem Stück Chriſti Meinung fehlet, da gehet alles dahin, und iſt der ganze Chriſtus verloren; wie er ſelbſt ſagt Matth. 5, 18. 19. „Wer nur Eins von dieſen kleinſten Geboten auflöſet, und lehret die Leute alſo, der wird der Kleinſte heißen im Himmelreich. Denn nicht der kleinſte Buchſtabe noch ein Titel ſoll vergehen ꝛc.“ Darnach fällt man darauf und gehet ſolcher Sinn wie Waſſer in das Inwendigſte und wie Oel durch Gebein und Mark, und wird das tägliche Kleid daraus. Da hebt ſichs denn, daß ein Theil das andere verflucht, und eines jeg⸗ lichen Theils Lehre iſt dem andern Theil eitel Gift und Fluch, und ſeine eigne Lehre eitel Segen und Heil; wie wir die jetzt auch aus unſern Rotten und Papiſten ſehen. Hier iſt es denn verloren. Der Haufe bekehrt ſich nicht; einzelue und wenig, welche Gott erwählet, die kommen wieder zurechte, die andern bleiben in ihrem Fluche und Gift, wie die Juden, und halten es für ein köſtlich Ding. Das iſt es denn, daß der hier ſagt, wie alle Feinde Chriſti lieben den Fluch und haͤſſen den Segen, dabei ſie auch bleiben. Darum ſpricht auch St. Pau⸗ lus Tit. 3, 10. 11., daß man einen rottiſchen (ketzeriſchen) Menſchen ſolle meiden, nach zwei Vermahnungen, denn er iſt verkehret. „Ich habe auch nie geleſen, daß die Lehrer, ſo Ketze— rei anheben, bekehrt ſind;“ ſie bleiben in ih— rem Dünkel verſtockt, das Oel iſt durch Mark und Bein gangen und ihr Waſſer iſt Fleiſch und Blut, ganz ihre Natur worden, ſie laſſen ihnen nicht ſagen noch wehren. Das iſt die Sünde in den heil. Geiſt, die keine Vergebung hat. Denn ſie hat auch keine Buße noch Reue, ſondern Vertheidigung und Entſchuldigung, als ſei ſie heilig, köſtlich Ding und das alte Evangelium, ſo wider ſie lehret, eitel Teufels— ding. Luthers Werke. Hall: V. 94 - 96. EZu haben in der Expedition des „Luthe⸗ raner“: Die Verfaſſung der deutſchen, ev.⸗ luth. Synode von Miſſonri, Ohio und anderen Staaten, nebſt einer Einleitung und erläntern⸗ den Bemerkungen. In Pamphletform, geheftet mit Umſchlag a 5 Cts., 12 Stück für 50 Ct., 25 St. a 81. Erhalten für die lutheriſche Heidenmiſſion am Fluſſe Cass, Michigan: 81,50 von P. Löber und ſeinen Kindern in Perry Co., Mo. 0,50 „, Hrn. Schullehrer Winter daſelbſt. Bezahlt: 2. Jahrg. Die Herren Paſt. Krauß, Paſt. Schuſter, Gräb. 1. Hälſte des 3. Jahrg. Hr. Pfeiffer. 3. Jahrg. Die Herren Paſt. Krauß, Paſt. Jäbker, F. Bunck, E. Steffenhagen, P. Hoffmann, Jacob Müller, Nic. Helferich. Gedruckt bei Weber und Olshauſen.