# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 09 19_S11 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) (Eingeſandt.) Die Synode des Weſtens. Indianapolis, Ind., den 7. Sept. 1846. Aus der Urſache, weil Hr. J. J. Lehma⸗ nowsky, Präſident der Synode des Weſtens, gegen die Beſchlüſſe der alten Synode des We— ſtens, welche während der letzten Verſamm— lung in Luthers Chapel, Harriſon Co., Ind., abgefaßt wurden, feſt behauptet: die neu orga⸗ niſirte jetzt beſtehende Synode des Weſteus ſei und bleibe die al te, ſei und bleibe folglich auch ohne Weiteres in Verbindung mit der General— Synode (die ſich fälſchlich die lutheriſche Kirche nennt); da es doch nach oben erwähnten Be— ſchlüſſen eine neue iſt, die aus freier Willkür den alten Namen beibehalten hat und der es daher frei ſteht, ſich an die Generalſynode an— zuſchließen oder nicht: — da man uns alſo auf dieſem Wege der Generalſynode zuzuführen ſucht, wir aber Gewiſſens halber nicht länger mit beſagter Gene⸗ ralſynode in Verbindungbleiben können, indem dieſelbe frei öffentlich auch in dem letztlich nach Deutſchland geſandten Sendſchreiben bekannt hat, jeinen Theil der evangeliſch-lutheriſchen Lehre längſt aufgegeben zu haben, ſo „treten wir auch aus dem Verband der Synode des Weſtens.“ Wir thun dies jedoch in Liebe und Frieden, mit dem Gebet, daß der HErr uns je länger je mehr durch ſeinen Geiſt in alle Wahrheit leiten möge. J. G.Kunz, W. Wier, J. F. Iſenſee, J. J. Meißner. Unmittelbar nach dem Austritt aus der Sy— node des Weſtens verſammelten ſich die Brü⸗ der in dem Schulhaus der evang. luth. und re⸗ formirten Gemeinde dahier, und nachdem ſie einmüthiglich ihre Gebete vor den HErrn, den Herzenskündiger, gebracht hatten, organiſirte ſich die neue Synode. Zu Beamten wurden erwählt: P. J. F. Iſenſee, Präſident; P. J. G. Kunz, Seeretär; P. W. Wier, Schatzmeiſter. Hinſichtlich des Namens der neuen Synode wurde beſchloſſen, daß dieſe Sy— node ſich unterſcheide durch den Namen: „Deutſche ev.⸗luth. Synode IJudianapolis.“ Es wurde zur Abfaſſung einer Conſtitution geſchritten, nach welcher wir uns zu ſämmtli⸗ chen ſymboliſchen Glaubensſchriften der ev.- luth. Kirche bekennen, worauf ſich alle ſich an— ſchließenden Glieder veryflichten. Ein Beſchluß wurde gefaßt, nach welchem dieſe Synode das Miſſionswerk mit allem Ernſt betreibt, auch Br. Meißner als ihren Miſ⸗ ſionar in die verſchiedenen weſtlichen Staaten ausſendet, um unſern hin und her zerſtreuten hirtenloſen Glaubensbrüdern die frohe Bot— ſchaft von Chriſto IEſu, dem Heiland der Sünder, zu verkündigen, und daß beſagter J. J. Meißner den lieben Brüdern im Amt, ſo— wie überhaupt allen Gliedern der Kirche beſtens empfohlen werde. N. B. So eben leſen wir, daß der bekannte Freygang, geweſener katholiſcher Prieſter, ſpaͤ⸗ von 11 ter Methodiſt, ſodann Glied der alten Synode des Weſtens und gegenwärtig evangeliſcher Prediger zu Beaver, Pa., in dem Pittsburger Courier erklärt, daß er ſich aus der Liſte der alten Synode des Weſtens haben ausſtreichen laſſen, weil einige Prediger dieſer Synode ei— nen Verſuch zur Verführung ſeiner Frau ge— macht und ihm zugemuthet haben, ſich noch einmal taufen zu laſſen; auch, daß er ſchon vorher auf Unterſuchung der Sache angeſucht habe, daß ihm dieſe aber verweigert worden ſei. — So lange ſich nicht ſämmtliche geweſene Glieder genannter Synode in Betreff dieſer Beſchuldigungen gründlich und öffentlich recht— fertigen, oder, ſo dieſe Anklage gegründet iſt, nicht die Schuldigen nennen, ſo lange ruht ein ſchwerer Verdacht auf jedem Prediger, der mit jener Synode in Verbindung ſtand. Methodismus. Obgleich die Herren Methodiſten, die, wie die meiſten unſerer Leſer wiſſen, jüngſt einen höchſt ärgerlichen Streit über die heil. Abſo— lution ſelbſt angefangen hatten, darnach zu wiederholten Malen erklärt haben, ſie würden ſich durchaus in keinen „Religionsſtreit“ mit uns einlaſſen, ſo hat es Herr Mulfinger, ein junger Methodiſtenbruder, doch nicht über ſein Herz bringen können, den von ſeinen Brüdern bereits für ſündlich erklärten Streit nicht fort— zuſetzen und ſich dabei ſeiner Weisheit, welche ihm wahrſcheinlich ſchon viel Leibesbeſchwerde gemacht hatte, in dem „Apologeten“ nicht zu entleeren.“) Man ſieht hieraus, wie weiſe die Warnung des heil. Apoſtels iſt, keinen Neu⸗ ling zum Biſchof zu erwählen: auf daß er ſich nicht ſelbſt aufblaſe. 1 Tim. 3, 6. Wir möchten nun freilich fürchten, daß es in dem jungen Menſchen, wenn er ſeinen Namen wie— derum in dem Lutheraner gedruckt ſieht (ſei es nun zu ſeinen Ehren oder Unehren), endlich immer mehr zur fixen Idee werden wird, zur Führung theologiſcher Federkriege wirklich fä— hig und berufen zu ſein, wir wollen jedoch die Hoffnung nicht ganz aufgeben, daß einige Er⸗ innerungen, die wir machen wollen, ihm ſei⸗— nen ſchriftſtelleriſchen Kitzel etwas benehmen dürften. Das Erſte, was wir zu erinnern haben, iſt dieſes: Hr. Naſt hatte, um ſeinen Läſterungen wider die heil. Abſolution mit dem Beiſpiel eines eifrigen lutheriſchen Predigers zu be— ſchönigen, lügenhaft behauptet, daß der Pre— diger Schade in ſeiner Schrift: „Praxis des Beichtſtuhls“ ꝛc. die Lehre von der heil. Abſolution verworfen habe. Wir erklärten hierauf in Nro. 22. des Lutheraner, daß uns jene Schrift nicht zur Hand ſei, daß wir *) Als wir Herrn Ms Läſterungen wider die heil. Ab⸗ ſolution laſen, fiel uns der Franziskaner A. F. Alveld ein, der wider Luthern ſchrieb und unter Anderem die folgenden Worte gebrauchte: „Ich werde Euch angreifen nicht mit hoch⸗ gelehrten Worten menſchlicher Weisheit, ſondern mit dem Geiſt und mit der Wahrheit.“ Von dieſem Alveld und Leu⸗ ten ähnlichen Gelichters ſchreibt Luther: „Ich merke, daß ſolche arme Leute nicht mehr ſuchen, denn daß ſie einen Na⸗ men überkommen, hängen ſich an inich, wie Koth an das Rad; wollen ehe mit Schaden ein Geſchrei haben, (daß man nur allenthalben von ihnen rede), denn daheim bleiben. daher keine wörtlichen Citate daraus geben könn⸗ ten, führten aber ein deutliches Zeugniß Spe— ners an, daß Schade in jenem Buche nur ge— gen die falſche Praris der Abſolution rede, aber die Göttlichkeit derſelben an ſich darin an— erkenne, erwieſen dies auch durch ein Citat aus einer anderen Schrift Schade's ſelbſt, die wir zur Hand hatten. Hierauf ſchreibt Herr Mulfinger: „Nun bekennt zwar Hr. Walther in Nro. 22 des Lutheraner ſeine Unwiſſen⸗ heit über die Schriften Schade's an, dennoch aber zeiht er Hrn. Naſt Lügen. Iſt das ein ehrlicher Chriſt, der fähig iſt, vor Gott und dem Publicum ſeines Nächſten Ehre ohne al— len Grund (12) anzugreifen?“ —Entweder hat hiernach Hr. M. den Hrn. Naſt von ſeiner Lüge wieder durch eine Lüge weißwaſchen wollen, in der Vorausſetzung, daß ſeine Methodiſten den „Lutheraner“ und die Lutheraner den „Apolo— geten“ doch nicht leſen, (was vieler Mitarbei⸗ ter des Apologeten Tröſtlein zu ſein ſcheint); oder Herr M. weiß ſelbſt das nicht, daß ein Unterſchied ſei zwiſchen „wiſſen“ und „zur Hand haben,“ und meint daher, daß es uns gehe, wie es augenſcheinlich ihm ſelbſt geht, daß wir nämlich dann „über eine Schrift un— ſere Unwiſſenheit geſtehen“ müſſen, wenn wir ſie nicht zur Hand haben. Hr. M. merke ſich daher für die Zukunft zu ſeiner Nachachtung, daß, wer öffentlich ſchreiben und ſich dabei ſogar in die Kirchengeſchichte ver— ſteigen will, manches ſchon in ſeinem Kopfe tragen müſſe, was auch nicht gerade in den Büchenn ſteht, die er erſt nachſchlagen und aus denen er etwas ausſchreiben kann. Einen Schriftſteller abzugeben, dazu reicht die bloße Suade eines methodiſtiſchen Marktſchreiers durchaus nicht hin; dieſe reißt nur armen, frü⸗ her religibs verwahrloſten Leuten Maul und Naſe auf vor Verwunderung ob der grauſamen Beredtſamkeit des neuen Propheten. Wir gehen weiter. In dem Folgenden ſchlägt Hr. M. einen ganz neuen, auch von den größten Theologen nicht geahnten, von ihm endlich im Mittagslicht der Reformation?) auf⸗ gefundenen Weg ein, das rechte Verſtändniß der Schriftworte zu entdecken, in denen die chriſtliche Kirche ſeit der Apoſtel Zeit die Macht, auf Erden Sünden zu vergeben, gefunden zu haben wähnte. Hr. M. behauptet nehmlich zwar erſt, daß Matth. 16, 19. 18, 18. und Joh. 20, 21—23. eigentlich nur von der „Kir— chenordnung“ handle, doch da er bald daran denken mochte, daß in dieſen Stellen ja auch von einer Vergebung im Himmel die Rede ſei, und daher dieſe ſeine Erklärung freilich manchem gar zu lahm vorkommen müſſe, und da es ja *) Spaßhafter Weiſe ſucht nehmlich der hocherleuchtete Hr. M. den armen blinden Luther, der ſich noch der Abſolu⸗ tion in ſeiner Einfalt getröſtet habe, damit zu entſchuldigen: „Niemand erwarte von der aufge henden Sonne die Wärme, die ſie des Mittags verbreitet; ebenſo wenig kann man erwarten, daß am Morgen der Reformation alles hell ſein ſollte, wie in unſern Tagen.“ — O du armer blinder Luther, daß du doch das Glück gehabt hätteſt, erſt im aufge- klärten neunzehnten Jahrhundert das Licht der Welt erblickt zu haben! Wie Schuppen würde es dir jetzt von den Augen fallen bei dem hellen Schein der großen Kirchenlichter, die heutzutage am deutſch- methodiſtiſchen Kirchenhimmel leuch⸗ ten ! 29