# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1856_S77 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) A plea for the Augsburg Confession etc. 77 schengefälligkeit oder Furcht habe Luther sich nimmer leiten lassen bei all seinem Lehren und Bekennen. Jeder Glaubensartikel sei bei ihm aus einer sorgfältigen Prüfung des evangelischen Wortes hervorgegangen, und vertheidigt habe er den Glauben der Kirche nicht bloß mit den Waffen theologischer Wissenschaft, sondern auch aus vollem gläubigen Herzen, so daß man sagen müsse, die lutherische Reformation sei kein Werk der Studirstube, sondern des Kämmerleins, des Gebets, der tief innerlichen Glaubenserfahrung gewesen, keine bloße Reformation der Theologie, sondern der Religion und der Frömmigkeit. Das sollten die, welche gegen die vermeintlichen Irrthümer der augsburgischen Confession zu Felde ziehen wollten, bedenken und sich nicht berufen auf einige Prediger in der „amerikanisch-lutherischen Kirche,“ die etwa nicht jene vom „Grundriß “ als Irrthümer bezeichneten Lehren glaubten. Man berufe sich nicht auf den erleuchteten Geist unserer Zeit, der diese Lehren als Irrthümer anerkannt habe. Vom Zeitgeist dürfe man die Kirche und ihre Predigt nicht abhängig machen; darin, daß er es in manchen Wissenschaften weit gebracht habe, liege noch kein Beweis für seine Urtheilsfähigkeit in Glaubenssachen; am wenigsten sei etwas der Art dem Geiste jetziger Zeit zuzutrauen, der bei aller weltlicher Aufklärung sehr wenig Verständniß für religiöse Dinge habe. Allerdings hege die lutherische Kirche wie andere Partikularkirchen besondere ihr eigenthümliche Lehren, aber gerade in Bezug auf die Lehre habe ihr Gott vorzügliche Gaben geschenkt, und diese müsse sie ausbilden, nicht wegwerfen, wie leider oft geschehen, um anderen kirchlichen Gemeinschaften zu gefallen. Man könne ihr nicht die Bibel zum Glaubensbekenntniß geben, weil die Christenheit nicht erst heute anfange, sondern eine Geschichte und darum auch einen geschichtlichen Lehrbau habe, den man nicht überspringen dürfe. Stimme jemand nicht in allen Stücken mit diesem Lehrbau überein, so verlange er doch nicht für diese seine Ansicht dieselbe Achtung, welche dem Glauben der Kirche gebühre , noch suche er deshalb einen Lehrbau zu ändern, den er selbst nicht errichtet habe. Die Gegner gäben vor, der lutherischen Kirche eine weitere Ausbreitung zu sichern durch die Umarbeitung der augsburgischen Confession; allein diese übrigens so wünschenswerthe Ausbreitung dürfe nicht auf Kosten ihrer Lehre geschehen, denn nicht der Name, nicht Fleisch und Blut mache uns zu rechten Lutheranern, sondern die lutherische Lehre, und mit der augsburgischen Confession würden wir den Grundstein unserer Kirche erschüttern. Wohl müsse die augsburgische Confession fort und fort auf das strengste an der heil. Schrift geprüft werden, denn diese sei der Fels, auf welchem jener Grundstein unserer Kirche gelegt sei, aber damit sei den Verfassern des Grundrisses nicht Erlaubniß gegeben, die Confession zu ändern, gleich als wäre ihre Ueberzeugung von der theilweisen Unrichtigkeit derselben über allen Irrthum erhaben. Die Wissenschaft sei den größten Veränderungen unterworfen, auch die Theologie, die z. B. vor 50 Jahren in Deutschland vom Rationalismus beherrscht wurde, jetzt aber zu den alten Glaubensbekenntnissen zurückkehre, je mehr die Gemüther sich dem alten Glauben zuwenden. Manche Lehren,