# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 09 19_S10 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) liche Erkenntniß von Geſetz und Evan⸗ gelium, Sünde und Gnade zu erzeugen, und einen wahrhaft geſunden Buß- und Glaubensſtand zu begründen und zu er⸗ halten. 4) Weil ſie demgemäß die Leute verleiten, ſich mehr an die Eindrücke des göttlichen Wortes als an dieſes ſelber zu halten, Chriſtum mehr in den einzelnen Herzens— Erfahrungen des Evangeliums, als in dieſem ſelber zu ſuchen und mehr Werth auf dieſes häufig ſo krankhafte Gefühls— chriſtenthum als auf das geſunde bibliſch— kirchliche Chriſtenthum zu legen. „Selig ſeid ihr, wenn euch die Menſchen um mei⸗ netwillen ſchmähen und verfolgen, und reden aller⸗ lei Uebels wider euch, ſo ſie daran lügen.“ Matth. 5, 11. Das hier von Chriſto ausgeſprochene „Se⸗ lig“ gilt jetzt unter andern auch unſerm lieben Paſtor Wyneken in Baltimore. Derſelbe wurde vor nicht ganz zwei Jahren an das Pa⸗ ſtorat der zweiten deutſchen luth. Gemeinde in genannter Stadt berufen; hier that er, was einem lutheriſchen Prediger zukommt, ſuchte den Eid, den er ſeiner Kirche geſchworen, auf das treulichſte zu erfüllen, hielt ſich in Lehre und Wehre ſtreng an die öffentlichen Bekennt⸗ niſſe derſelben und bemühte ſich, ſeine Gemeinde dem Ziele entgegenzuführen, das einer wahr— haftchriſtlichen, evangeliſch-lutheriſchen Ge— meinde geſteckt iſt. Die Folge hiervon war, daß Herr Paſtor W. verdächtigt und angefein— det wurde. Es kam endlich ſo weit, daß man eine ziemliche Anzahl Glieder ſeiner eigenen Gemeinde (35 an der Zahl) bewog, wider ihn, ihren eigenen Seelſorger, eine Schmähſchrift in Circulation zu ſetzen, in welcher man zu er⸗ weiſen ſuchte, Hr. Paſt. W. ſei ein Puſehit d. i. ein geheimer Katholik, der ſeine Gemeinde all— mählig wieder nach Rom zu führen beabſichtige. Dieſe lügenhafte Schmähſchrift hat Herr Weyl, ein ſogenannter lutheriſcher Prediger in Bal⸗ timore und Herausgeber der berüchtigten „Lu⸗— theriſchen Hirtenſtimme,“ nicht nur in dieſes ſein Blatt eilends, noch ehe ſelbige Schrift an ihre Adreſſe gelangt war, eingerückt, ſondern dieſelbe auch noch mit neuen lügenhaften Be— richten begleitet, auch in einer der folgenden Nummern eine Fortſetzung ſeiner gewiſſenloſen Verleumdungen den Leſern ſeines Blattes zum Geſchenke gemacht. Ueber dieſem Lügenkampf ſind auch neuerdings Hr. Naſt und Hr. Weyl, wie weiland Herodes und Pilatus, wieder gute Freunde geworden. Vorher nehmlich haben dieſe beiden Herren einander auf eine ziemlich gemeine Weiſe gegenſeitig Lug und Trug vor— geworfen; nun aber, da es gilt, die von beiden gleich bitter gehaßten ſogenannten Altlutheraner zu ſchänden, machen beide gemeine Sache als treue Kampfgenoſſen. Hr. Naſt hat nehmlich in der 399. Nummer ſeines „chriſtlichen Apo— logeten“ einen Extract aus den in der genann⸗ ten „Hirtenſtimme“ enthaltenen Schmähungen anf Hrn. Paſt. Wyneken und alle ſogen. Alt⸗ lutheraner zum beſten gegeben. Was den Vorwurf betrifft, daß das Luther⸗ thum zum Pabſtthum zurückführe, darüber ge⸗ 10 denken wir nächſtens etwas ſelbſt im Lutheraner zu ſchreiben. Für diesmal theilen wir unſern Leſern nur das mit, was uns Hr. Paſt. Wyneken zu ſeiner Rechtfertigung und zur Veröffentli⸗ chung im „Lutheraner“ ſchriftlich zugeſendet hat. Aus dieſer Entgegnung werden auch die— jenigen die gemachten erlogenen Beſchuldigun⸗ gen kennen lernen, welche die betreffenden Arti⸗ kel der „Hirtenſtimme“ nicht geleſen haben. Hr. Paſt. Wyneken ſchreibt folgendes: 1. C. Weyl iſt der Hauptſtifter der Unruhen in meiner Gemeinde, indem er bei den ſchmutzi— gen Schmähartikeln den armen verführten Mitgliedern mit Rath und That beigeſtanden, und ſie ſchon früher in ſein Blatt aufgenommen hat, ehe auch nur die geringſte Beſchwerde beim Kirchenrath eingereicht war. 2. Die Schmähartikel mit den 35 Namen ſind nie beim Kirchenrath eingegeben. 3. Ich habe mit den Löhe'ſchen Inſtructio⸗ nen, wie Hr. Weyl ſelber weiß, nichts mehr zu thun, als mit den Geſetzen des Kaiſers von China, und obgleich ich mich mit Herz und Mund zu dem Glauben des Paſtor Löhe, und des von ihm gebildeten Vereins in Europa bekenne, der kein auderer iſt, als der der luthe⸗ riſchen Kirche, ſo ſtehe ich doch durchaus nicht in irgend einem abhängigen Verhältniß zu be— ſagtem Verein.“) 4. Obgleich ich von Herzen wünſche, daß eine echt lutheriſche Liturgie, ſei es die Löhe'ſche oder eine andere, in meiner, wie in allen luthe⸗ riſchen Gemeinden eingeführt werde, ſo iſt doch bis jetzt der Gottesdienſt in Nichts von dem früher hier gebräuchlichen, verſchieden, außer, daß ich bei Taufe und Abendmahl die alten kräftigen, echt kirchlichen Gebete der luth. Kirche und nicht die verwäſſerten unkirchlichen der Penuſylvaniſchen Agende gebrauche, habe auch nie daran gedacht, die Liturgie einzuführen, ohne mit Bewilligung der Gemeinde. Paſt. Haesbertf) hat die Agende beim Abendmahl ſelbſt nicht gebraucht. 5. Obgleich ich wünſche, nach der Sitte der chriſtlichen Kirche, die die lutheriſche Kirche beibehalten, aber für ein freies Mittelding er— klärt hat, Kruzifir und Wachslichter in der Kirche zu haben, um außer andern Gründen dadurch ein offenes, in die Augen fallendes Bekenntniß, abzulegen, daß wir mit den Secten weder in der Lehre noch Gebräuchen etwas zu thun haben, ſo bin ich doch, weil ich fürchtete, daß einige Schwache ſich daran ſtoßen möchten, dem Wunſch vieler Mitglieder eutgegen⸗ getreten; und weit davon entfernt, ſie einzu⸗ führen, habe ich es verhindert, daß ſie nicht eingeführt ſind. Wenn Herr Weyl ſagt, daß ſie „ihre Erſcheinung“ in unſerer Kirche ge— macht haben, ſo iſt er ein Lügner. *) Hr. Paſtor Löhe in Baiern leitet bekanntlich eine An⸗ ſtalt, in welcher er junge Männer zum Dienſte der american. luth. Kirche bildet, und die von Lutberanern faſt aus allen Ländern Deutſchlands in herzlicher Liebe zu ihren americani⸗ ſchen Glaubensgenoſſen unterſtützt wird. Den bereits aus⸗ geſandten jungen Männern hat Hr. Paſt. L. natürlich eine In⸗ ſtruction mitgegeben und ſie darauf verpflichtet, Hr. Weyl ſucht nun nicht nur ſeine Leſer zu überreden, daß die genannte Inſtruction von allen ſogen. Altlutheranern angenommen, ſondern. daß anch überhaupt von Löhe eine neue geheime Ge⸗ ſellſchaft gegründet worden ſei, die eben von den ſogen. Alt⸗ lutheranern in Deutſchl and und America gebildet werde. ) War Wynekens Amtsvorfahr. *— — 6. Es iſt gleichfalls eine gottesläſterliche Lüge, daß ich je die heilige Jungfrau angeru⸗ fen haben ſoll. 7. Es iſt eine ſchändliche Verleumdung, daß ich die Gemeinde vor der Annahme getäuſcht habe. Ich habe Paſt. Haesbert, der meinen Stand in der luth. Kirche kannte, geſchrieben, ich würde die Pennſylvaniſche Agende nicht an⸗ nehmen, ſondern, namentlich bei Taufe und Abendmahl, eine ältere lutheriſche gebrauchen, auch wo möglich den alt lutheriſchen Gottes⸗ dienſt, wie er noch in vielen Ländern Europa“s beſteht, einzuführen ſuchen. Ja, weit davon entfernt, irgend etwas an den Eigenthümlich⸗ keiten der luth. Kirche aufzugeben, würde ich ſelbſt in dieſer Zeit des Kampfes das Kreuz— zeichen bei der Taufe und dem Segen beibe⸗ halten. Dieſer Brief iſt offen der ganzen Ge⸗ meinde vorgeleſen. Niemand iſt damals da⸗ gegen aufgetreten. Ja, als ich bei meiner An⸗ kunft ſah, wie ſchrecklich ich mich getäuſcht hatte, da ich nicht eine lutheriſche Gemeinde, ſondern eine unirte vorfand, habe ich wiederholt dem Kirchenrath angetrageu, daß ich die Gemeinde wieder verlaſſen wollte, und erſt da dieſer Wunſch meines Herzens mir nicht bewilligt wurde, bin ich daran gegangen, die Abſcheulich— keit einer ſolchen Union offen nach der Schrift darzulegen, wie auch den Unterſchied der Lehre der reformirten und lutheriſchen Kirche, worauf allerdings der Theil der reformirten Glieder abgetreten iſt, der die reformirte Lehre für recht, und die lutheriſche für unrecht oder ſchriftwidrig hielt. Ob ich rechtlich oder unrechtlich gehan⸗ delt — das will ich einem jeden redlichen Hei— den zur Beurtheilung vorlegen, nur nicht ſol⸗ chen chriſtlichen (21) Predigern, die durch ihre entſetzliche Religio-Mengerei ſattſam an den Tag legen, daß ſie von Gottes Worte nichts halten, und ſtatt des göttlich erleuchteten Ge— wiſſensden Bauch zum Richter ihrer Handlun⸗ gen machen. 8. Die beſchuldigte Verketzerung des heiligen Vater Unſers beſteht, wie es ſich ergeben hat, darin, daß ich es ohne alles Arg bei der Taufe nach Sitte der luth. Kirche bete, wie es unſer HErr JEſus uns im 11. Cap. St. Lucä ge⸗ lehret hat. Wahrſcheinlich gehts Herrn Weyl bei dieſer Sache, wie einem meiner Gegner, der gar nicht einmal wußte, daß wir zwei Formeln des heil. Vaterunſers in der heil. Schrift hät— ten. 9. Ueberlaſſe und empfehle ich Herrn Wehl der Barmherzigkeit Gottes, und der Fürbitte der Brüder, und wünſche und bete, daß doch endlich den lutheriſchen Gemeinden hieſigen Landes die Augen aufgehen mögen über die elende Menſchenknechtſchaft, wohin Unwiſſen⸗ heit oder Bosheit ſogenannter lutheriſcher Pre— diger ſie, bei ihrer eben ſo ſündhaften Gleich⸗ gültigkeit gegen ihre Kirche und ihr und ihrer Kinder Seelenheil, gebracht hat, damit ſie durch des HErrn Gnade auf dem Wege rechter Buße zum Glauben ihrer Väter, d. h., zum Glau⸗ ben der wahrenſchriſtlichen, derma⸗ len lutheriſch genannten Kirche gelangen; das walt Gott. Amen!