# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1856_S72 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 72 Dr. Seyffarth's Berichtigungen ꝛc. Worte Gottes um ihretwillen wieder Gewalt angethan werden. Wer aber das Wort Gottes von Grund seines Herzens liebt, der darf nicht alsbald bei einer neuen Entdeckung eilen, eine Anwendung davon auf die heil. Schrift zu machen, oder die heilige Schrift nach ihr auszulegen, indem dadurch die Ordnung der Dinge verkehrt und die heil. Schrift, welche Maßstab sein soll, zum Bemessenen gemacht wird, gewöhnlich nach einem falschen Maßstabe. Daß wir in dem Ebengesagten nicht ohne Anlaß ins Blaue hineinreden, oder einen Feind hinmalen, um tüchtig auf ihn losschlagen zu können, möge folgender Beleg darthun. Was die Schöpfungszeit anbelangt, so schließt die Naturgeschichte, hauptsächlich aus der Art der Gebirgsformation, auf ein ungemein viel höheres Alter der Erde und der Welt, als es sich aus der heil. Schrift ergiebt und schiebt deshalb die Schöpfung nicht allein Jahrtausende, sondern hunderttausende von Jahren zurück. Theologen der eben geschilderten Art sind durch die neuen interessanten Resultate bald gewonnen und überzeugt, und geben sogleich zu, daß die Schöpfung hunderttausende von Jahren früher geschehen sei als bisher angenommen wurde, und wundern sich über die bisherige Blindheit der Erklärer der heil. Schrift, welche nicht gesehen haben, daß dies wirklich in der heil. Schrift auch geschrieben stehe. Um aber zu beweisen, daß die heil. Schrift übereinstimmend mit der Naturgeschichte lehre, sind sonderbare Sprünge nöthig. Die heil. Schrift sagt: tausend Jahre sind vor dem HErrn, wie ein Tag (Ps. 90, 4.); dies Wort wird schleunig umgekehrt: ein Tag ist vor dem HErrn, wie tausend Jahre, und darauf weiter geschlossen: wenn daher der HErr in seinem Worte sagt, daß in sechs Tagen die Schöpfung vollbracht sei, so hindert Nichts diese Tage von ebensoviel Jahrtausenden, oder auch (indem man tausend zu hunderttausend macht, mit derselben Berechtigung, womit man einen Tag zu einem Jahrtausend machte,) von ebensoviel hunderttausend Jahren zu verstehen. Uns kann man nicht, auch nicht durch die Autorität der allerberühmtesten Naturforscher, einreden, daß diese Lehre die Lehre der heil. Schrift sei. Gottes Wort ist klar und einfach, und wenn der HErr in seinem Worte sagt, daß in sechs Tagen Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer geschaffen sind, so glauben wir dem Worte Gottes, daß in sechs Tagen, von je 24 Stunden, Himmel und Erde und alle Kreatur geschaffen ist. Denn daß in dem Schöpfungsberichte nicht Jahrtausende, sondern wirkliche Tage gemeint sind, ergiebt sich klar und unwiderleglich aus folgenden zwei Gründen: 1. Am sechsten Schöpfungstage schuf Gott den Menschen, am siebenten ruhte er. Es ist doch billig, wenn man für jeden der 5 ersten Tage hunderttausende von Jahren in Anspruch genommen hat, daß man dann auch zugebe, der sechste und siebente Tag seien ebenso große Zeitabschnitte gewesen, zumal da durch Nichts angedeutet wird, und unseres Wissens auch von Niemandem behauptet wird, daß mit den beiden letzten Tagen andere Zeitabschnitte gemeint seien, als mit den fünf ersten. Dann aber würde folgen, daß der erste Mensch, welcher einen großen Theil des sechsten und den ganzen siebenten Tag der