# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_M rz 1856_S67 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 67 Die Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse ꝛc. ist, wenn sie in Uebereinstimmung mit dem Wesen der Theologie geschieht. Der Nachweis, daß es dem Wesen der Theologie entspricht, wenn ihre Arbeit auf Grund des in den Lutherischen Bekenntnissen dargestellten Glaubens ausgeführt wird, ist unsere Aufgabe. So kommt Alles darauf an, daß wir von einem richtigen Begriffe der Theologie ausgehen, der wo möglich auch von jenen warnenden oder widersprechenden Theologen anerkannt ist. Die christliche Theologie ist die Wissenschaft vom christlichen Glauben: also hat mich die Göttinger Theologische Fakultät, der ich mich allewege zu großem Danke verpflichtet bekenne, selbst gelehrt; eigene theologisch wissenschaftliche und praktische Arbeit aber hat mich nur überzeugt, wie treffend, einfach und wahr jene Begriffsbestimmung ist; die Leser, welche an Jesum Christum glauben, stimmen mir sicherlich zu, wenn ich von dem Begriffe der christlichen Theologie als der Wissenschaft vom christlichen Glauben ausgehe. Christlich glauben heißt das Wort Gottes so in den Geist aufnehmen, daß es des Aufnehmenden ganzes Leben und Wesen, Herz, Gemüth, Kräfte und Glieder beherrscht und leitet. Durch den Glauben wird der Gnadenund Gesetzeswille Gottes in den Verstand und Willen gleichermaßen aufgenommen . Während in Gefühl und Wahrnehmung einerseits unser Geist den Eindruck einer auf ihn andringenden Macht empfängt, ohne dessen Ursprung und eigentliches Wesen zu erkennen, während andrerseits im Begreifen und Wissen der Geist bloß mit dem Verstande, also wiedrum einseitig arbeitet , ist der Glaube eine alle Geisteskräfte umfassende und bewegende Thätigkeit , ein Erkennen des Wortes Gottes z. B. des Evangeliums, so daß wir der in ihm uns angebotenen Gnade inne werden, ein Zustimmen zum Worte Gottes z. B. zum Evangelium, so daß wir die Evangelische Gnade zu unserem Eigenthum machen, ein Vertrauen auf das Wort Gottes, z. B. auf das Evangelium, so daß wir um desselben willen wirklich von Gott nur lauter Gnade und Barmherzigkeit erwarten. Fühlend, wissend, glaubend ergreift (nimmt voraus Hebr. 11, 1.) der Geist in dem Worte Gottes die zukünftige Welt der Hoffnung sammt ihren Gnaden und Kräften als gegenwärtiges Gut, aber bloß fühlend hätte er nicht die Gewißheit, ob ihm wirklich jene Herrlichkeit geworden und nicht vielleicht eine Larve derselben, vom Teufel vorgegaukelt; bloß wissend besäße er die unsichtbaren Gaben des göttlichen Wortes nicht als Schatz des Herzens; glaubend kennt er mit unzweifelhafter Gewißheit, was er hat, und hat als eigentsten Schatz und wahrhastigen Besitz , was er kennt, das Wort Gottes, welches sich ihm als Wahrheit selbst festiglich bezeugt. Gefühl der Gnade Gottes ist besondere Gnadengabe Gottes, dann und wann dem Christen gewährt zur Stärkung des Glaubens, aber niemand soll darauf rechnen, es in der Anfechtung zu empfangen; wissenschaftliche Erkenntniß der göttlichen Offenbarung ist besondere Gnadengabe [unleserlich], Einzelnen übertragen und bestellt zu einer Magd des Glaubens, damit er einen Begriff erlange von den Tiefen seines eignen Wesens und Inhalts , aber in ihr suche Niemand die Macht zum Eingange ins Himmelreich;