# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1856_S56 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 56 (Eingesandt von A. B.) Joh. Matthesii regulae pastorales, ins Deutsche übersetzt. (Entnommen aus dem homiletisch⸗liturgisch⸗pädagogischen Correspondenz⸗Blatt von Ch. Ph. H. Brandt.) Willst du ein rechter Christophorus sein Und predigen, daß es dringet ein, So laß dich weihen, wie sich's gebührt, Und geh', wohin der HErr dich führt. Weide die Heerde, die Er dir lieh, Altes und Neues durchforsche für sie, Schärf das Gesetz vor der Gnade ein, Glauben und Werke lehr' kräftig und rein. Erwäge, was frommt zu jeder Frist, Ob Trost oder Strafe zu bieten ist, Was vor dir in der Kirche galt, Ordnung und Recht in Ehren halt. Predige, was für Alle paßt, Predige, wie es ein Kindlein faßt, Kurz und einfach, würdig und frei, In Geberden und Mienen bescheiden sei. Sprich nicht so, wie man vor Fürsten spricht, Auch des Landmanns Worte gebrauche nicht; Prahl' nicht, als seist du klug allein, Und laß das Sticheln auf Andre sein. Einen Thersites gegen die Großen Sollte man von der Kanzel stoßen; Und ebensoviel, als der Schmeichler, gilt Der Geiferer, der stets lärmt und schilt. Spaß machen ziemt dem Pfarrer nicht, Doch auch kein mürrisches Gesicht; Die Worte soll man nicht verdrehen, Und nicht auf Streit und Zank ausgehen. Aus den Aposteln und Propheten Sollst du schöpfen deine Reden, Bei frommen Lehrern und den Symbolen Anfragen und dich Raths erholen. Gott zu gefallen sei deine Kunst; Ang'le nicht nach des Volkes Gunst. Scheu auch den Haß der Sünder nicht: Fürcht' Gottes, nicht der Menschen Gericht. Treib' nicht Handel mit Gottes Wort; Gewinnsucht treibt den Segen fort. Thu', wozu du berufen bist; Lass', was nicht deines Amtes ist. Leih' dem Verläumder nicht dein Ohr; Wer jedem Gerücht traut, ist ein Thor. Halt' Glauben und Gewissen rein, Scheu' bösen Ruf, meid' bösen Schein. Bibel und Uebel sollen dich lehren, Stolz und Neid und Zorn dir wehren, Sollen die Lust zur Neuerung zähmen, Den Drang zum Schwärmen beschämen und lähmen. Ein Vorbild sollst du der Gläubigen sein, Sie strafen mit Gottes Wort allein Nicht sie bedrohn mit weltlicher Macht, Nicht reden, was du nicht wohl bedacht. Undank und Unrecht sollst du tragen, Nicht über deine Armuth klagen, Nicht suchen den Beistand mächtiger Leute, Gott trauen und danken für Schmerz und Freude. Leid' und schweige, wenn man dich kränkt; Gott lebt, der Alles zum Besten lenkt. Bezwing' die Lust, dich selbst zu rächen, Und laß den HErrn das Urtheil sprechen. Sei nicht die Posaune, zu rufen dem Streit, Zu wecken im Herzen den schlafenden Neid; Mach nicht zur Fackel die Zung' und die Hand, Zu entzünden des Zornes verzehrenden Brand. Beten sollst du auf allen Wegen, Was du liesest und hörst, wohl überlegen, Mit Freuden folgen gutem Rath, Dem danken, der dich gewarnet hat. Die Männer, die dich einst gelehrt, Die seien von dir hochgeehrt; Mit den Brüdern im Amte sei verträglich, Duld' ihre Unart, bet' für sie täglich. Lieb' alle Menschen, doch traue nicht allen; Thu' wohl auch denen, die dir mißfallen. Was du thust, thu' ernstlich und gern: Alles Andere befiehl dem HErrn. So kannst du Christum würdig tragen, Kannst ihm lobsingen und lobsagen, Und einst empfangen vor Seinem Thron Die Ehrenkron' als Gnadenlohn.