# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 09 19_S8 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) Chriſtenheit gethan. Wir erdichten nichts neues, ſondern halten und bleiben bei dem alten Gottes Wort, wie es die alte Kirche gehabt; darum ſind wir mit derſelben die rechte alte Kirche; als einerlei Kirche, die einerlei Got⸗ tes Wort lehret und gläubet. Darum läſtern die Papiſten abermal Chriſtum ſelbſt, die Apo⸗ ſtel und die ganze Chriſtenheit, wenn ſie uns neue Kirche und Ketzer ſchelten. Denn ſie finden nichts bei uns, denn allein das Alte der alten Kirchen )), daß wir derſelben gleich und mit ihr einerlei Kirche ſind. Zum fünften, kann es niemand leug⸗ nen, daß wir der Apoſtel Symbolum, den alten Glauben der alten Kirchen, allerding gleich mit ihr halten, gläuben, ſingen, beken— nen, nichts neues drinnen machen noch zuſetzen; damit wir in die alte Kirche gehören und einerlei mit ihr ſind. Darum läßt uns dies Stück auch nicht von den Papiſten mit Wahrheit geſcholten werden als Ketzer oder neue Kirche; denn wer mit der alten Kirchen gleich glaubet und gleich hält, der iſt von der alten Kirchen. Zum ſechsten, kann es niemand leugnen, daß wir mit der alten Kirchen ein gleich Ge— bet, daſſelbe Vater Unſer haben, kein neues noch anders erdichten, dieſelben Pſalmen ſingen, mit einträchtigem Munde Gott loben und danken, gleichwie es Chriſtus gelehrt, die Apoſtel und die alte Kirche ſelbſt gebrauchet und uns dem Exempel nach zu thun befohlen. Und die Papiſten hievor abermals uns nicht können ketzern noch neue Kirche ſchelten, ſie müſſen Chriſtum zuvor ſelbſt ſchelten ſamt ſei— ner lieben alten Kirchen ꝛc. Zum ſiebenten, kann niemand leug⸗ nen, daß wir mit der alten Kirchen lehren und halten, man ſolle die weltliche Herr⸗ ſchaft ehren, und nicht verfluchen, noch zwingen, dem Pabſt die Füße zu küſſen. Sol⸗ ches haben wir auch nicht aufs neue erdichtet, ſondern St. Petrus zweite Epiſt. 2, 10. ver⸗ flucht die, ſo ſolches neu erfinden, und künftig thun würden; und St. Paulus Röm. 13, 1. ff. ſtehet bei uns, und die alte und ganze Chriſten⸗ heit, daß wir hierin auch nicht neue Dinge ſein oder heißen mögen, (wie die Papiſten Gott ſelbſt in uns läſtern‚) ſondern ſind und gehören in die alte, heilige, apoſtoliſche Kirche, als die erſten Kinder und Glieder derſelben. Denn wir unſrer Obrigkeit, er ſei Kaiſer oder Fürſt, allezeit aufs getreulichſte gehorſam zu ſein ge— lehret, ſelbſt auch alſo gethan, und herzlich für ſie gebetet. Zum achten, kann niemand leugnen, daß wir den Eheſtand loben und preiſen, als ein göttlich, geſegnet und wohlgefällig Ge— ſchöpfe und Ordnung zur Leibesfrucht und wi⸗ der die fleiſchliche Unzucht. Und haben den nicht aufs neu erdacht, vielweniger als neue Lehrer verboͤten; ſondern gleich wie den Gott von Anbeginn geſchaffen, Chriſtus beſtätiget, die Apoſtel und alte Kirche geehret und geleh— ret haben: in derſelben alten Regel und Got⸗ tes Ordnung ſind wir blieben, und damit der *) Wird die genannte neue Kirche hiernach gefragt, o wir muß ſie vollends erröthen und verſtummen! 8 En alten Kirchen ähnlich, ja eben derſelben rechte artige Glieder ſind. Daß man hie ſiehet, wie die Papiſten abermal fälſchlich uns Neuerung auflegen. Zum neunten, kann niemand leugnen, daß wir „eben daſſelbe Leiden (wie St. Pe⸗ trus ſagt erſte Epiſt. 5, 9.), das unſre Brüder in der Welt“ haben; da verfolget man uns an allen Orten, da erwürget, ertränket, erhenket und legt uns alle Plagen an, um des Wortes willen, und geht uns gleich wie der alten Kirchen, und ſind in dem derſelben über die Maaße gleich, daß wir wohl mögen ſagen: Wir ſind die alte rechte Kirche, oder je ihre Mitgenoſſen oder gleiche Geſellen im Leiden; denn wir ſolches nicht erdichten aufs neue, ſon⸗ dern fühlens wohl. Ja, wir ſind (wie dieſelbe alte Kirche auch,) dem HErrn Chriſto ſelbſt am Creuze gleich. Da ſtehet vor dem Creuz Han⸗ nas und Caiphas, ſamt den Prieſtern, und läſtern den HErrn dazu, über daß ſie ihn ge⸗ kreuziget haben gleich wie uns der Pabſt, Car⸗ dinäle und Mönche verurtheilt, verdammt, er⸗ mordet und unſer Blut vergoſſen haben, und läſtern uns noch dazu. Da ſtehen die Kriegs⸗ leute, das iſt, die weltlichen Herrſchaften zum Theil und läſtern uns auch; dazu auch der Schalk, der linke Schächer, Heinz Wolfenbüt⸗ tel (Herzog Heinrich von Braunſchweig) ſamt den Seinen, den Gott ſchon verurtheilet, in Banden zur Hölle gehenkt hat, muß ſein Läſtern auch dazu thun, daß dies Stück, als ein alt Zeichen der alten Kirchen, reichlich an uns geſehen wird. Zum Zehenten, kann niemand leugnen, daß wir nicht wiederum auch Blut vergießen, morden, henken und uns rächen, wie wir oft auch hätten thun, und noch könnten; ſondern wie Chriſtus, die Apoſtel und alte Kirche ge— than, dulden wir, vermahnen und bitten für ſie, auch öffentlich in den Kirchen, wie Chriſtus, unſer HErr, gethan und gelehret, die alte Kirche auch alſo; daß wir hierin auch alle des alten Weſens der alten Kirchen uns halten. Weil nun die Papiſten wiſſen, daß wir in allen ſolchen Stücken, und was der mehr ſind, der alten Kirche gleich ſind, und mit Wahrheit die alte Kirche heißen mögen, (denn ſolche Stücke nicht neue ſind, noch von uns erfunden), iſts Wunder, warum ſie uns ſo unverſchämt dürfen belügen und verdammen, als die von der Kirchen gefallen und eine neue Kirche ange— richtet haben, ſo ſie doch nichts neues an uns finden mögen, das nicht in der alten und rechten Kirchen, zu der Apoſtel Zeiten, gehalten ſei. Daß ich fürwahr achte, dies ſei die Zeit, davon Daniel 7, 9. ſagt: „Der alte, antiquus dierum, ſatzte ſich, nachdem das kleine Horn ausgeläſtert hatte, und das Gericht gehalten.“ Denn die vorige alte Kirche leuchtet wieder hervor, (wie die Sonne nach den Wolken, hinter welchen doch dieſelbe Sonne war, aber nicht helle), und das Läſterhorn will untergehn und alles ein Ende werden, wie daſelbſt ſteht, und das Werk ſich zeiget; davon hier nicht Zeit zu handeln. Aber jemand möchte ſagen: Es fehlet noch an Einem, nehmlich am Faſten; denn ihr Ketzer faſtet nicht (ſprechen ſie). — Ach HErr — Gott! iſt ein Stück an uns von der alten Kir⸗ chen, ſo iſts leider die Faſten. Iſt ein Stück an den Papiſten von der neuen Kirchen, ſo iſts, daß ſie nicht faſten und im Sauſe leben, auch auf den Faſttagen, ehe denn auf den Feiertagen. Ja, wir faſten nicht allein, ſondern leiden (mit St. Paulo 1 Cor. 4, 11. Hunger, welches wir wohl an unſeren armen Pfarrherren, ihren Weiblein und Kindlein täg⸗ lich ſehen, und andern viel Armen, denen der Hunger aus den Augen ſieht, kaum das Brod und Waſſer haben, und dazu fingernackend gehen, kein eigens haben. Der Bauer und Bürger gibt nicht, der Adel nimmt; daß unſer wenig ſind, die etwas haben, und doch nicht allen helfen können. Da ſollten Stift und Klöſter zu dienen: ſo geizen die andern, muß alſo Lazarus Hungers ſterben. Deß lachen die Papiſten. Aber damit zeugen ſie, daß wir die alte Kirche ſind, die von den Teufelskindern den Spott zum Schaden leiden. (Hiermit ſchließen wir für diesmal, in näch— ſter Rummer werden wir die Fortſetzung folgen laſſen, in welcher Luther nun der neuen römi⸗ ſchen Kirche ihr Liedlein ſingt.) (Schluß folgt.) Nachträgliche Erläuterungen zu der in voriger Nummer mitgetheilten Synodalverfaſſung. — Zu Cap. II. § 5. „der Prediger“ (1.) 1) Es iſt leider hier zu Lande die herrſchende Sitte oder Unſitte, daß die Diener des Wortes etwa auf ein Jahr, gleich Knechten und Vieh⸗ hirten probeweiſe gedungen werden. Nun iſt es freilich wahr, daß manche Gemeinden ſich zu dieſer Maaßregel genöthigt wähnen, weil ſo viele unberufene geiſtliche Vagabunden, auch unter lutheriſchem Namen, hier im Lande um— herſchwärmen, um Gemeinden zu betrügen. Dieſe letzteren aber ſollten ſolche Geſellen, die mit keiner rechtgläubigen Synode in Verbin⸗ dung ſtehen, auch nicht probeweis annehmen und ſie gar nicht predigen laſſen, weil ſie ſchon durch eine Predigt unberechenbaren Seelen⸗ ſchaden anrichten können. Es iſt alſo jene Maaßregel der probeweiſen Annahme nicht einmal von außen her gleichſam als Nothſtand zu entſchuldigen; denn ſolcher Nothſtand iſt für keine Gemeinde weſentlich vorhanden, der ihre kirchliche Verſorgung herzlicher Ernſt iſt und die wohl den Weg zu einer rechtgläubigen Synode wiſſen wird, um von ihr verſorgt zu werden. Um ſo weniger daher iſt es einem Prediger oder Candidaten des heil. Predigtam⸗ tes anſtändig, und es ſtreitet wider alle bibl. Begründung, wider alle kirchliche Praxis und wider die Würde des Predigtamtes, ſich zeit— weilig und nur auf Probe von den Gemeinden dingen und miethen zu laſſen. Die heil. Schrift und die Kirche weiß nur von einem Berufe auf Lebenszeit, nachdem freilich der zu Berufende (von der Synode) ſorgfältig geprüft und nach Geſinnung, Kenntniſſen und Lehrhaftigkeit zur Uebernahme des heil. Amtes für tüchtig befun⸗ den worden iſt; nur ein ſolcher von der Gemeinde ausgehender Beruf iſt ein ordentlicher und