# Der Lutheraner_St. Louis Missouri_1846 09 19_S7 # Machine transcription, uncorrected — CHI Digital Archive (demonstration) — 4 Der Tutheraner. „Gottes Wort und Luthers Lehr' vergehet nun und nimmermehr.“ Herausgegeben von C. F. W. Walther. Jahrgang 3. St. Louis, Mo., den 19. September 1846. No. 2. IFI I I ISISISISISISISISISSSSSSeeeee Bedingungen: Der Lutheraner erſcheint alle zwei Wochen einmal für den Subſcriptionspreis von Einem Dollar für die auswärtigen Unterſchreiber, welche davon die Hälfte vorauszubezahlen und das Poſtgeld zu tragen haben. — In St. Louis wird jede einzelne Nummer für 5 Cents verkauft. Dr. Martin Luthers Beweis, daß die lutheriſche Kirche die alte, daß hingegen die römiſch⸗katholiſche eine neue Kirche ſei. (Luthers Schrift wider Herzog Heinrich zu Braunſchweig, unter dem Titel: Wider Hans Wurſt“) vom Jahr 1541. Siehe Luthers Schrif⸗ ten. Walchs Ausg. Tom. XVII. S. 1656.) Wir wollen die Sache ſelbſt vor uns nehmen, nämlich warum uns die Papiſten durch ihren Heinzen, Ketzer ſchelten. Und iſt dieſe, daß ſie vorgeben, wir ſind von der heiligen Kirchen gefallen, und haben eine andere neue Kirche angerichtet. Hierauf iſt zu antworten: weil ſie ſich ſelbſt rühmen, ſie ſeien die Kirche, ſind ſie ſchuldig daſſelbe zu beweiſen. Wenn ſie das mit einigem Grund (begehr' nicht viel Gründe,‚) beweiſen, ſo wollen wir uns ge— fangen geben, kommen und ſagen: peccavimus, miserere nostri, d. i. wir haben geſündiget, erbarme dich unſer. Wo ſie es aber nicht kön— nen beweiſen, ſo müſſen ſie bekennen (ſie thuns gern oder ungern), daß ſiie nicht die Kirche ſind, und wir nicht Ketzer ſein mögen, daß wir von der nichtigen Kirche fallen; ja, weil da kein Mittel iſt, ſo muſſen wir die Kirche Chriſti und ſie des Teufels Kirche ſein, oder wiederum. Darum liegt es gar an dem Punct, daß man beweiſe, welches die echte Kirche ſei. So lange die Beweiſung nicht da iſt, ſo iſts vergeblich, daß ſich ein Theil die Kirche rühmet, und das andere Theil Ketzer ſchilt; ein Theil muß falſch und unrecht ſein. Denn es ſind zweierlei Kirchen von der Welt an bis zu Ende, die St. Auguſtinus Cain und Abel nennt. Und der HErr Chriſtus gebeut uns, daß wir nicht die falſche Kirche annehmen ſol— len, und unterſcheidet ſelbſt zwo Kirchen, eine rechte und falſche, Matth. 7, 12.: „Hütet euch für den falſchen Propheten, die zu euch kom— men in Schafskleidern“ ꝛc. Wo Propheten (Lehrer) ſind, da ſind Kirchen, darin ſie lehren. Sind die Propheten falſch, ſo ſind die Kirchen auch falſch, die den Propheten gläuben und folgen. Nun haben wir bis daher noch nie können von den Papiſten erlangen, daß ſie be— weiſen wollten, warum ſie doch die rechte Kirche ſeien; ſondern ſtehen auf den Spruch Matth. *) Luther gab ſeiner Schrift dieſen Titel, weil der Herzog geſchrieben hatte, Luther nenne den Churfürſten Hans Wurſt. 18, 17: „man ſolle die Kirche (Gemeinde) hö⸗ ren,“ oder müſſe verloren ſein; ſo doch Chri— ſtus daſelbſt nicht ſagt: wer, wo, oder was die Kirche ſei; ſondern wo ſie i ſt, da ſoll man ſie höͤren. Das bekennen und ſa⸗ gen wir auch; aber wir fragen, wo und wer die Kirche ſei? non de nomine, nicht vom Namen, ſondern vom Weſen fragen wir. Gleich als wenn ich einen Trunkenen, halb Schlafenden, oder einen Narren fragte: Lie⸗ ber, ſage mir, wer oder wo iſt die Kirche? und er mir zu zehenmal nichts anders darauf ant— wortete, denn alſo: Man ſoll die Kirche hö— ren! Wie ſoll ich doch die Kirche hören, ſo ich nicht weiß, wer oder wo ſie iſt? „Ja,“ ſa— gen ſie, „wir Papiſten ſind blieben in der al— ten vorigen Kirchen ſeit der Apoſtel Zeit her; darum ſind wir die rechten aus der alten Kirche kommen und bis daher blieben; ihr aber ſeid von uns gefallen und eine neue Kirche wor— den wider uns.“ Antwort: Wie aber, wenn ich beweiſete, daß wir bei der alten rechten Kirchen blieben, ja daß wir die rechte alte Kirche ſind, ihr aber von uns, das iſt, von der alten Kirchen abtrünnig worden, eine nene Kirche angerichtet habt, wider die alte Kirche? Das laßt uns hören. Erſtlich wird das niemand leugnen kön⸗ nen, daß wir ſowohl als die Papiſten herkom— men aus der heil. Taufe, und Chriſten aus derſelben genennet ſind. Nun iſt die Taufe nicht ein neues, noch zu dieſer Zeit von uns erfunden; ſondern es iſt eben dieſelbige alte Taufe, die Chriſtus eingeſetzt, darinnen die Apoſtel und erſte Kirche, und alle Chriſten her— nach, bis daher getauft ſind. Haben wir nun dieſelbige Taufe, die erſte alte (und wie im Symbole ſteht, catholicae, d. i.) der ganzen chriſtlichen Kirchen, und ſind eben in derſelben getauft: ſo gehören wir gewißlich in dieſelbe alte und ganzetſchriſtliche Kirche, die mit uns gleich und wir mit iher ügleich aus einerlei Taufe herkommen und iſt der Taufe halben kein Unterſchied. Die Taufe aber iſt das für— nehmſte und erſte Sacrament, ohn welche die andern alle nichts ſind; wie ſie bekennen müſ— ſen. Darum können uns die Papiſten nicht mit Wahrheit eine andere oder neue Kirche ſchelten oder ketzern, weil wir der alten Taufe Kinder ſind, ſowohl als die Apoſtel ſelbſt und die ganze Chriſtenheit, Epheſ. 4, 5. „einerlei Tauft.“ Zum andern, wird niemand leugnen, daß wir das heil. Sacrament des Al⸗ taurs haben, gleich und eben, wie es Chriſtus ſelbſt eingeſetzt und die Apoſtel hernach und die ganze Chriſtenheit gebraucht haben; und eſſen und trinken alſo mit der alten und ganzen Chri-— ſtenheit von einerlei Tiſch und empfahen mit ihnen daſſelbe einerlei alte Sacrament, und ha— ben darin nichts neues noch anders gemacht; derhalben wir mit ihnen einerlei Kirche oder, wie St. Paulus, 1 Cor. 12, 13. ſagt, „einerlei Leib, einerlei Brod ſind, die wir von einerlei Brod eſſen und einerlei Kelch trinken.“ Darum uns die Papiſten nicht können Ketzer oder neue Kirche ſchelten, ſie müſſen zuvor Chriſtum, die Apoſtel und die ganze Chriſtenheit Ketzer ſchel— ten; wie ſie denn auch in der Wahrheit thun, denn wir ſind mit der alten Kirchen einerlei Kirchen, in einerlei Saerament. Zum dritten, kann das niemand leug— nen, daß wir die rechten alten Schlüſſel haben und ſie nicht anders brauchen, denn zu binden und zu löſen die Sünde, ſo wider Got— tes Gebot geſchehen, wie ſie Chriſtus eingeſetzt, Matth. 16, 19. Joh. 20, 23. **) und die Apo⸗ ſtel und ganze Chriſtenheit gebraucht hat, bis daher; haben alſo einerlei Schlüſſel mit der alten Kirchen; darum wir eben dieſelbe alte Kirche oder je drinnen ſind. Denn wir machen keine neuen Schlüſſel, machen nicht neue Geſetze, ſchließen damit auch nicht Könige und Herren aus und in ihre welt— lichen Herrſchaften, ſondern allein die Sünder aus und in das Himmelreich; gleichwie die alte Kirche gethan hat, aus Be— fehl des HErrn. Daß uns die Papiſten aber⸗ mals fälſchlich anlügen, ja die alten Kirchen, Apoſtel und Chriſtum ſelbſt in uns ketzern und läſtern. Zum vierten, kann das niemand leug⸗ nen, daß wir das Predigtamt und Got⸗ tes Worterein und reichlich haben, fleißig lehren und treiben, ohne allen Zuſatz neuer, eigener, menſchlicher Lehre, gleichwie es Chriſtus befohlen, die Apoſtel und ganze ) Das kamm die neue americ aniſch-lutheriſche Kirche, die mit ihrer Generalſynode die Gegenwart des Leibes und Blutes Chriſti im heil. Abendmahl leugnet, der römiſchen Kirche nicht entgegenſetzen, muß es daher bekennen, daß ſie eine neue abge⸗ fallene Kirche ſei. **) Auch in dieſem Punct muß ſich die neue americ.⸗luth. Kirche gefangen geben, wenn ihr von der romiſchen Kirche vorgeworfen wird, ſie ſei eine neue und darum falſche Kirche.