# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1856_S42 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 42 Consubstantiation und Impanation. Daß wir nimmer das vergessen, Gab er uns sein'n Leib zu essen, Verborgen im Brod so klein Und zu trinken sein Blut im Wein. Es ist dies bekanntlich der zweite Vers des unvergleichlichen Abendmahlliedes: JEsus Christus, unser Heiland, der von uns den Gotteszorn wandt' ꝛc., welches Lied eine deutsche Umarbeitung eines Huß'ischen, vielleicht ursprünglich, wie Wackernagel *) meint, böhmischen, hernach lateinisch übersetzten Hymnus, von Luther. Die betreffenden Worte in der lateinischen Uebersetzung sind: Nobis in sui memoriam Dedit hanc panis hostiam So verdächtig jedoch jene Worte: „Verborgen im Brod so klein,“ denen klingen mögen, welche die Lehre unserer Kirche nicht kennen, so einfach ist die Lösung des Räthsels dieser, scheinbar die Impanation ausdrückenden, Redeweise. „Verborgen“ ist hier nehmlich nicht ein zu Leib gehöriges Adjectivum, noch ist das Wort „klein“ auf Leib zu beziehen; das erstere Wort ist hier vielmehr Adverbium und mit dem Zeitwort „geben,“ das Wort „klein“ aber mit „Brod“ zu verbinden. Der Sinn ist also: Der HErr gab uns auf eine unserem Verstande „verborgene,“ d. i., unbegreifliche Weise seinen Leib, das höchste, größte Gut in und mit einem so „kleinen“ Stücklein Brodes zu essen. — So haben diese Worte unsere Theologen immer verstanden. Um nur Einen derselben anzuführen, so schreibt Joh. Andr. Quenstedt in seiner Theologia didactico-polemica: „Wenn wir in dem von Luther übersetzten Kirchenlied Huß'ens singen: Verborgen im Brod so klein (lateinisch: parvo latens in crustulo), so singen wir nicht, wie die Calvinisten uns anklagen, von einer Einschließung des im Brode versteckt liegenden Leibes Christi (denn wir sagen ausdrücklich, daß keine göttliche Gegenwart durch ein Verstecktliegen zu beschreiben ist), sondern wir besingen damit die Tiefe des Geheimnisses, preisen die unaussprechliche Gegenwart und erheben das Gemüth zur unbegreiflichen Größe der in dieser allerheiligsten Mahlzeit uns ausgetheilten Wohlthat. Jenes „„verborgen““ bezieht sich auf die Art des Gebens, daß uns nehmlich JEsus Christus seinen Leib auf eine verborgene und alle Vernunft übersteigende Weise zur sacramentlichen Genießung dargeboten habe. Um den lateinischen Uebersetzer kümmern wir uns nicht, wenn er „„verborgen““ auf Leib, als Adjectiv auf sein Substantiv, bezieht. Wenn er es aber adverbialisch gesetzt hat, so hat er übersetzt, wie er sollte. Daher ist „„verborgen““ nicht auf eine Einschließung, sondern auf die Erkenntniß von der Sache zu beziehen, daß nehmlich der HErr JEsus zu seinem allerheiligsten Gedächtniß in einem kleinen Stücklein Brodes das größte Gehkimniß dargestellt und seinen Leib verborgen, verborgen nehmlich nicht in der Brodkrume, sondern verborgen in der Art der Gegenwart, die wir allein aus Offenbarung *) Siehe: M. Luthers geistliche Lieder mit den Singweisen, herausgegeben von Phil. Wackernagel. Stuttgart bei Liesching (Prachtausgabe). 1848. S. 130.