# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Februar 1856_S35 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Consubstantiation und Impanation. 35 So unbiblisch, fleischlich, unwürdig und in sich widersprechend nun diese Vorstellungen von der Gegenwart Christi, nehmlich seines Leibes und Blutes, im heiligen Abendmahle sind, so unlutherisch und den Bekenntnissen unserer Kirche widersprechend sind sie auch. Luther schreibt in seiner Schrift: „Daß diese Worte Christi: das ist mein Leib, noch fest stehen," vom Jahre 1527: „Wie der Leib im Brod sei, wissen wir nicht, sollens auch nicht wissen. Gottes Wort sollen wir gläuben, und ihm nicht Weise noch Maß setzen. Brod sehen wir mit den Augen, aber wir hören mit den Ohren, daß der Leib da sei." (Opp. XX, 968.) In diesem Bekenntnisse der Unwissenheit in diesem Punkte ist denn auch Luthern die ganze rechtgläubige lutherische Kirche gefolgt. Sie hat allezeit, damit des ewigen Sohnes Gottes Wort wahr bleibe, dafür gestritten, daß der Leib und das Blut JEsu Christi da sei, das Wie? die Art und Weise der Gegenwart aber hat sie nie erklären zu können vorgegeben. Und sie hat daher nicht nur die Gegenwart des Leibes und Blutes Christi im Sacrament eine übernatürliche, mystische, der Vernunft unbekannte, unbegreifliche, unerforschliche, völlig ungewöhnliche (inusitata, für welche es kein völliges Analogon, keine zweite Species derselben Gattung gibt) genannt, sondern auch ausdrücklich alle jene crassen, groben, fleischlichen, capernaitischen Vorstellungen (Joh. 6, 59—64.) von einer irdischen, physischen, räumlichen d.i. Raum beschreibenden, gebenden oder nehmenden, Gegenwart verworfen und verdammt. Alle Redeweisen, deren sich unsere Kirche hierüber bedient, haben nur den Zweck, die Wirklichkeit und Wahrhaftigkeit der Gegenwart der himmlischen Güter des Sacraments zu bekennen und zu behaupten, und zugleich gerade jene unwürdigen, von der Vernunft ersonnenen Vorstellungen davon auszuschließen. Mag sie die praesentia nun eine substantialis oder realis oder, wie von einigen Theologen geschieht, auch corporalis und dergl. nennen, so will sie damit nicht den modus praesentiae bestimmen, sondern nichts weiter festhalten, als daß die praesentia eine vera sei, das ist, daß der Leib Christi wirklich da sei. Der erste, welcher Luthern die Vorstellung von einer Impanation und Consubstantiation beimaß, war Carlstadt, der den Gott der Lutheraner daher lästerlich einen „brödernen Gott" nannte. Siehe Luthers Vorrede zu dem Schwäbischen Syngramma. (Opp. XX, 723.) Ihm folgte hierin Zwingli, Oekolampad und selbst der Straßburger Bucer. Letzterer jedoch, nachdem er Luthers „großes Bekenntniß vom heil. Abendmahl" gelesen und sich mit Luther mündlich unterredet hatte, widerrief seine Beschuldigung. So schreibt er nehmlich in seinen Enarrationen zu Matth. 26.: „Als Luther im Fortgang dieser Disputation den ganzen Handel vom Sacrament weitläuftiger auseinandersetzte, sah ich, daß derselbe den Leib und das Blut des HErrn weder nach Art eines natürlichen Bandes mit Brod und Wein vereinigt sein lasse, noch in Brod und Wein räumlich einschließe, noch den Sacramenten die eigenthümliche Kraft zuschreibe, vermöge welcher dieselben die Seligkeit der Communicanten an sich bringen, sondern daß er nur eine sacramentliche Vereinigung zwischen