# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S29 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vermischte kirchliche Nachrichten. 29 unverrückt. Im Ganzen hält sich übrigens unsere Obrigkeit nach alter Weise: läßt uns stillschweigend gewähren. Eine scharfe Anklage gegen mich wegen eines Leichenbegängnisses ist ganz ohne Folge geblieben. Doch die alten Verbote bestehen noch und liegt es daher vielfach an dem Willen der Unterbeamten, ob sie sie beobachten wollen oder nicht. So predigte Hein vor 4 Wochen hier in Steeden, zufällig hatten gerade unsere hiesigen Kirchglieder einen Verdruß mit dem hiesigen Bürgermeister und gleich andern Tages kam schon der Gensdarme, um nach Hein zu fragen, der aber glücklicher Weise wieder weg war. Doch das sind nur Plackereien . Der Hauptsache nach leben wir ziemlich unangefochten. So scheint es denn des HErrn Wille und Rathschluß mit uns, für jetzt noch einen mehr stillen und verborgenen Weg uns gehen zu lassen in Geduld, bis die Zeit zu entscheidenderen Dingen reif ist. Dabei dürfen wir uns freuen, daß der HErr so gar gnädig und mit lauter Verschonen uns regiert, uns mit so leichter Mühe durchkommen läßt, während unsere theuern Brüder in Baden unter so schwerem Kampf und Leiden sich durchringen müssen bis zu der Zeit, die ihnen Raum und Bahn zur völlig freien Entwicklung bringen wird. Baden. Ein Waffenstillstand scheint jetzt in dem badischen Kirchenkampfe eingetreten zu sein; aber es scheint nur so, ein Friede wird noch nicht zustande kommen, denn er würde jetzt nur auf falschen Vermittlungen, auf unirtem Wesen in anderer Form und Weise, als bisher, beruhen. — Es wird viel gesprochen von „Nachsicht, welche geübt werden solle,“ von Suspendirung der härtesten polizeilichen Maßregeln, welche so lange schon gegen die lutherischen Geistlichen ausgeführt werden; einige erkannte Strafurtheile wegen amtlicher Functionen der letzteren scheinen wirklich zurückgenommen zu sein; ein Polizeiwachtmeister hat einen Verweis bekommen, weil er einige Frauen, die sich versammelt hatten, um eine Predigt zu lesen, gewaltsam aus einander getrieben hatte; man gestattet auch wohl da und dort lutherische Taufen und Gottesdienste, wenn sie nicht ganz öffentlich gehalten werden u. s. w. Aber es geschieht zumeist offenbar nur deshalb, weil man von Seite der Union und der Behörden der Hoffnung lebt, es werde die unirte Generalsynode, welche vor etlichen Wochen geschlossen wurde, auch diesen Erfolg haben, daß die getrennten Lutheraner, überrascht und zufrieden gestellt durch die Beschlüsse dieser Generalsynode, sich wieder mit der unirten Kirche vereinigen. Diese Beschlüsse sind nun noch gar nicht veröffentlicht; der Hauptbericht über die Synode soll erst im Monate October erscheinen; wir konnten daher auch noch nicht über dieselbe berichten; — was aber davon bekannt geworden, und worauf man die Hoffnung einer Wiedervereinigung gründet, sind folgende Punkte: 1. Der neue Katechismus enthält bedeutende Stücke aus dem kleinen lutherischen Katechismus neben kleineren Stücken aus dem Heidelberger reformirten und neben unirter Sacramentslehre; 2. die Bekenntnißfrage ist also gelöst worden, daß nicht mehr unbedingt freie, sondern gläubige Schriftforschung gestattet sein solle, gebunden durch die Augsburgische Confession und durch den lutherischen und reformirten Katechismus, welche ebenmäßig als Bekenntnißschriften normatives Ansehen haben sollen; 3. die neue Gottesdienstordnung , welche so ziemlich die Liturgie unserer schönen lutherischen Gottesdienste sich zugeeignet hat, so daß der Gottesdienst mit dem Sündenbekenntnisse anfängt, und die Lection der epistolischen und evangelischen Perikopen und das Schlußgebet an dem Altare stattfindet, soll, weil sie vielfachen Widerstand gefunden hat, nach und nach in Folge eingehender Belehrungen der Gemeinden und erst unter voller Zustimmung der letztern, eingeführt werden. Dies die hauptsächlichsten Ergebnisse der unirten Generalsynode, wie sie übersichtlich von den badischen Zeitungen mitgetheilt worden sind. — Dazu hört man noch, daß diese Ergebnisse zum Theil durch Furcht, nicht durch freie, freudige Zustimmung erfolgt sind. — Es war nämlich dieser Synode eine ungeheure Erwartung vorausgegangen. Schon seit Jahren wußte man unruhige Gewissen und bedenkliche Gemüther damit zu beschwichtigen. Wo man nur einen Uebertritt zur lutherischen Kirche vermuthete (leider auch fürchtete!), da rief man den Leuten zu: „Wartet, wartet doch nur! die kommende Generalsynode wird allen euren Bedenken abhelfen, wird alles möglichst lutherisch machen!“ — In der Generalsynode selbst rief man oft den Widerstrebenden, z. B. den Herren von der theologischen Facultät in Heidelberg, welche sich „nicht wollten einengen“ lassen, welche die freie Schriftforschung nicht in eine gläu-