# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S26 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 26 Neue Litteratur. Endlich, und dies ist das Schlimmste, wird man in einem Falle, wie dem vorliegenden , verleitet, kindisch, thörlich und unanständig von der heiligen und hehren Majestät Gottes zu reden. Denn da wird Gottes innerliches Wesen aus den beschränkten und durch die Sünde verblendeten menschlichen Vorstellungen construirt. Zudem ist ein solches Verfahren auch wider die Schrift nach Röm. 1, 20.: „damit daß Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit wird ersehen, so man des wahrnimmt an den Werken, nemlich an der Schöpfung der Welt.“ Die Creatur versteht Gott aus seinen Werken, die sie begreift, und von denen sie sich aufschwingt, so gut sie vermag; aber nicht umgekehrt die Werke aus Gott; ein solches Verständniß hat nur Gott selber. Daß unter diesen Umständen das Resultat kein befriedigendes sein kann, ist zum Theil schon aus dem Vorhergehenden klar. Wir möchten hier nur noch im Einzelnen darauf hinweisen, daß freier Wille eine Grundkraft des Geistes und Willkür eine Grundkraft der Seele sein soll, während doch beide, als Vermögen genommen, dasselbe sind; denn dazu, daß jemand willkürlich handele, wird sicherlich freier Wille erfordert, obwohl der Beweggrund nicht offenbar, oder nicht zu billigen sein mag, was aber nichts zur Sache thut. Aehnliches gilt von Vernunft und Kraft der Weisheit. Ferner Wahrnehmung, Gefühl und Gedächtniß sollen Aeußerungen ein und derselben Kraft sein, was, wenn man mit jenen drei Worten und dem Wort Kraft den gewöhnlichen und zweckmäßigen Begriff verbindet, offenbar unrichtig ist, indem sie ebenso wohl verschiedene Kräfte sind, als Einbildungskraft, Trieb u. s. w. Wir finden also Vermögen der Seele im weitern Sinne des Wortes theils aus einandergerissen und auf Geist und Seele vertheilt, theils zusammengewürfelt . O, wie Schade! und wie ferne bleibt uns da das Ziel! Eine nützliche Psychologie wird die unendlich mannigfaltigen Wirkungen der Seele im gewöhnlichen Sinne des Wortes richtig classificiren, nach den Regeln für Causaluntersuchungen auf Vermögen zurückführen; diese Vermögen nach ihrem Wesen und ihrer Wirksamkeit und ihrem Verhältniß zu einander beschreiben und so das ganze Getriebe des Geistes, so zu sagen, erst analystren und dann wieder construiren. Eine biblische Psychologie würde, in so fern die biblischen Ausdrücke dabei zu Hülfe genommen werden, noch mehr leisten, als eine bloß im Allgemeinen im Lichte der Offenbarung arbeitende. Denn die durch jene Ausdrücke bezeichneten Gegenstände sind als das Object des Erlösungswerkes zu wichtig und als Ziel der Offenbarung zu innig mit dem Gegenstande derselben verbunden, als daß man nicht mit Recht annehmen dürfte, daß sie auf eine nicht nur für den gewöhnlichen, sondern auch den höchsten, und wissenschaftlichen Zwecken entsprechende Weise darin bezeichnet sind. Freilich aber muß man, ehe man an eine biblische Psychologie geht, eine strenge empirische Forschung über die Seele anstellen; denn wie sollte man sich bei den betreffenden Schriftausdrücken überhaupt etwas, oder das rechte denken können, wenn man die Sache nicht kennt, die sie bezeichnen sollen? Alsdann aber werden jene Ausdrücke ihr Licht auf die Sache werfen.