# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S24 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 24 Neue Litteratur. den, so jedoch, daß während der Leib materieller Natur, Seele und Geist geistiger Natur sind, oder wie er sich ausdrückt: Seele und Geist sind substantiell , aber nicht wesentlich verschieden. Die Erklärung und Begründung dieser Ansicht findet sich in dem System des Verfassers, das, soweit Recensent dasselbe mittelst Durchlaufens der anscheinend vornehmlichsten Theile des Buches richtig aufgefaßt hat, in der Hauptsache folgendes ist. In oder an dem dreieinigen Gott ist eine nothwendige, ewige Offenbarung seiner selbst zu unterscheiden : die doxa. Diese meint die Schrift, wenn sie sein Kleid Licht nennt, oder sagt, daß er in einem Licht wohnt, da niemand zukommen kann; diese erscheint in den siebenfarbigen Regenbogen, die der Prophet Ezechiel und Johannes der Theologe sahen; diese entfaltet sich in den sieben Geistern, von denen Jesaias Cap. 11. und Johannes in der Apokalypse reden. Nun ist der Mensch das Ebenbild Gottes, und alles Creatürliche hat sein Vorbild in Gott. Also ist auch im Menschen etwas dem dreieinigen Gott und der doxa entsprechendes , ersteres ist der Geist, letzteres die Seele. Welche Vermögen den Geist ausmachen, dürfen wir einerseits nicht auf dem Wege empirischer Untersuchung zu ermitteln suchen, weil wir sonst den Zweck einer biblischen Psychologie würden fahren lassen; andererseits können wir es nicht aus den betreffenden biblischen Ausdrücken ausmachen, weil dieselbe höchstens Fingerzeige auf die anders woher zu holende Antwort enthalten. Diese gewinnen wir denn aus einer Untersuchung dessen, was in Gottes Wesen also vorgeht, daß dadurch die heil. Dreieinigkeit ist, nemlich der Zeugung des Sohnes durch den Vater und des Ausgehens des heil. Geistes von beiden. Die dabei erscheinenden Grundthätigkeiten sind das Wollen, Denken und Empfinden überhaupt, was der Herr Verfasser durch folgende „figürliche Versinnbildung des trinitarischen Processes“ noch anschaulicher zu machen hofft: „er würde einen feurigen Kreis malen als Sinnbild des feurigen Liebeswillens des Vaters, und in diesem Kreise ein sonnenlichtes Centrum als Sinnbild des Sohnes, des die ganze unendliche Tiefe des göttlichen Liebewesens lichtenden Liebeszieles, und von diesem sonnenlichten Centrum ausgehend bis zur Peripherie des feurigen Kreises eine Strahlenfülle als Sinnbild des vom Vater durch den Sohn hindurch ausgehenden und Vater und Sohn erfüllenden Liebestriumphes.“ Jenen im Wesen Gottes vorgehenden Grundthätigkeiten entsprechend sind im menschlichen Geist: freier Wille, Vernunft und Gemüth (nus, logos, pneuma). Welche Vermögen die Seele ausmachen, ergiebt sich aus dem Verständniß der doxa, oder der sieben Geister, in denen sich dieselbe entfaltet. Zu diesem Verständniß gelangen wir aber theils und vorläufig aus der Beschreibung der Erscheinung der doxa in der Schrift, wonach aus dem Dunkel Feuer und aus dem Feuer Licht hervorbricht, theils und schließlich aus dem zuvor erklärten trinitarischen Proceß. Demnach entsprechen die drei ersten Geister oder Kräfte der Thätigkeit des Vaters, die vierte der des Sohnes und endlich die drei letzten der des heil. Geistes; die erste ist eine Kraft der Zusammenziehung in sich selbst (kein Object als sich selbst habender Wille); die zweite, eine Kraft des