# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S20 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Verfall der Kirche stößt die Lehre vom Amt nicht um, so wenig die Kirche ꝛc. 20 was er kraft desselben thut, nach ihrem Willen, nicht als Jemand, der ihnen gegenübersteht. Darum trifft uns das gar nicht, was ein hochverehrter Theologe des alten Vaterlandes gegen unsere Lehre einwendet, wenn er sagt: „Es ist nicht einzusehen, wo der Prediger unter solchen Umständen den Muth hernehmen soll, seine amtliche Stellung geltend zu machen, und über die Gemeine herzugehen, als handle sie nicht mit einem Menschen, sondern mit dem Herrn JEsu Christo, dem Sohne Gottes selbst. Soll das Predigen und Amtieren mehr sein, als eine etwas erbauliche Ansprache und Handlung, soll es der Kampf des Reiches Gottes sein wider die Welt und ihren Fürsten, wider das Fleisch und die Hölle, so gehört wahrlich Bewußtsein und Zuversicht dazu, daß man nicht bloß Gottes Wort treibe, sondern auch, daß man auf diesem Kampfplatze, unter diesem Haufen und Kugelregen aus göttlicher Macht stehe, daß man streite als ein bloßes Werkzeug Christi.“ — Allerdings hat ein Prediger unter seinen Zuhörern wohl immer einen Theil, der insgeheim der Welt und ihrem Fürsten angehört; aber nur insgeheim: denn sobald sich Jemand als ein ungöttlicher Mensch kundthut, wird er nach unserer Amtslehre von der Gemeine durch die Träger des Amts hinausgezählt, nachdem er bisher schon draußen gewesen ist. Aber die Gemeine eines Predigers als solche ist nie die Welt. Es ist ein trauriger Beweis davon, wie tief der Schutt die Grundmauern des verwüsteten Heiligthums bedeckt, daß die tüchtigsten Rüstzeuge des deutschen lutherischen Zions sich in ihren kirchlichen Anschauungen so sehr verwirren. Man wollte ihnen ja gern zugeben, daß in ihren gegenwärtigen Verhältnissen wenig mehr geschehen könne, als nur erst wieder den Schutt hinwegzuräumen. Aber — so weit geht die trostlose Illusion der Verzweiflung — nun soll ja gar die unordentliche Lage der Trümmer die Richtschnur des ganzen Baues werden. Und was soll man davon denken, wenn die ersten Baumeister darüber ihren Credit verlieren müssen? In der Schrift, aus welcher das Obige genommen worden ist, heißt es nämlich unter andern auch: „Sie“ (die Kirche in Amerika) „hat auf die Theorie der Dogmatiker zurückgreifen müssen, und wie es nicht anders zu erwarten ist“ (somit fällt die Schande nicht auf unser Ungeschick, das wir noch nie geleugnet haben; sondern auf unsere Führer, die alten Dogmatiker) „etwas hervorgebracht, das man für einen Nothbehelf ansehen kann.“ Ist es zu verwundern, wenn die theuren Männer an ihren Söhnen in Christo nicht mehr Freude erleben, da sie die Väter so wenig ehren, die sie gezeuget haben? — Doch wir thun nicht recht, über die Risse zu klagen, die daraus entstehen, weil sie uns durch den Schutt eine Bahn zum Eckstein eröffnen. Vgl. Matth. 10, 35.