# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S19 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Der Verfall der Kirche stößt die Lehre vom Amt nicht um, so wenig die Kirche ꝛc. 19 unsere „persönlichen“ Gebrechen herausgefordert haben. Die Welt handelt ebenso wie wir nach der Regel: der Sache Feind, der Person Freund, — nicht unsere individuellen Mängel, nein, die unserer Kirche verliehenen Geistesgaben haßt und verfolgt sie an uns. Wir müssen deß gewiß und gewohnt werden, so können wir auch die „persönlichen“ Aushängeschildlein, hinter denen sie ihre wahren Absichten verbirgt, in ihrem rechten Lichte erkennen und darstellen. Nicht selten spiegeln solche persönliche Verdächtigungen den eigenen Gemüthszustand ihrer Urheber ab und fallen mit ihrer ganzen Schmach auf deren Haupt zurück. Ob es wohl mit den gegen Guericke geschleuderten anders steht? Eins wissen wir: daß sie wenigstens nicht durch glänzenden Schein blenden.“ „Wer im „Lutherthume“ eine am Ausgange des Mittelalters, am Anfange der Neuzeit, entstandene Confession, Kirche, Secte u. dgl. erblickt, der besteige nur ja das führer-, steuer- und compaßlose Fahrzeug der heutigen Hypsistarier, Euphemiten und Cölicolen und lasse sich als religiöser Irrfahrer von jedem Staats- und Kirchenwinde, von allen Welt- und Völkerstürmen herumtreiben und schaukeln, so lange, bis er beim Pabst oder Muhamed anlandet. Wir andern aber wollen, gleich unserm Kirchenhistoriker, auf dem Schifflein unter augsburger Flagge, dessen Schiffsherr Christus, dessen Steuermann der heilige Geist, dessen Compaß das göttliche Wort ist, die Fahrt fortsetzen, wollen vom sichern Bord aus ohne Staunen und Schrecken zusehen, wie rings um uns kirchliche und politische Meerwunder in blauer Mannichfaltigkeit auftauchen und wieder in den Abgrund versinken, um andern, noch abentheuerlicheren Ungethümen Platz zu machen, wollen offenen Ohres und doch unbezaubert an den Inseln der Sirenen vorbeisegeln und, je nach Gottes Willen, in die Fluthen einer neuen Geistesausgießung, oder, was noch besser ist, in den Hafen der ewigen Ruhe einlaufen.“ (Eingesandt von Past. Röbbelen.) Der Verfall der Kirche stößt die Lehre vom Amt nicht um, so wenig die Kirche darum ihr Wesen ändert, daß Menschen sie verwüsten. Wie man von der Kirche denkt, so denkt man auch vom Amt. Unsere Gegner stellen sich die Kirche nicht anders vor, als sie gegenwärtig aussieht: darum wollen sie nicht zugeben, daß sie das Amt in und mit dem königlichen Priesterthum haben könne. Einem ungläubigen, irdisch gesinnten, widerstrebenden Haufen aber eignet Niemand die Schlüssel zu; sondern denen, die Christum aufgenommen haben und als Gottes liebe Kinder auch Erben aller himmlischen Güter geworden sind. Wenn unter Solchen ein Prediger in ihrem Namen das Amt verwaltet, das sie besitzen, so handelt er in allem,