# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S18 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 18 Aus einer Recension ꝛc. Ueberzeugung beruhen kann, verkannt, wohl gar als ein leeres Vorgeben und sich Weiß=brennen=wollen verlästert und bespöttelt werden. Denn das ist wahr: jene faule Irenik der jetzigen Religionsstifter und Kirchenmacher, welche ohne Unterlaß rufen: Friede! Friede! und ist doch kein Friede, — suchen wir gar nicht einmal in dem „Handbuche.“ Wie könnte auch ein nüchterner, ernster Kirchengeschichtsschreiber, der die sehr reale Entwickelung des göttlichen Reichs vor Augen und in ihr den festen Maßstab zur Würdigung der kirchlichen Gegenwart und zur relativ=richtigen Vorausberechnung des Kommenden gefunden hat, mit den hohlen Phantastereien liebäugeln, an denen unsere Zeitgenossenschaft, wie die Kinder an hochflatternden Seifenblasen, sich so lange ergötzt, bis die buntfarbige Herrlichkeit spurlos in den Lüften zerplatzt! Weil er an die Zukunft der christlichen Kirche auf Erden und ihres ökumenischen Glaubens und Bekenntnisses glauben muß, kann und darf der Kirchenhistoriker an keine Zukunftskirchen in der Luft und deren nebulose Zukunftsreligionen und Confessionen glauben, — selbst auf die Gefahr hin, seine wahrhaft irenischen Absichten von den Faulfriedlern verdächtigt zu sehen. Die rechte Irenik, ein den meisten Religionspartheien nur dem Namen nach bekanntes Ding, aber ein ganz unvermeidlicher Ausfluß ökumenischer Denk- und Sinnesweise, hat zu ihrem Centrum die biblische Weisung: Ist's möglich, soviel an euch ist, so habt mit allen Menschen Frieden. Sie verträgt sich mit der unpartheiischen, d. h. für die Wahrheit Parthei nehmenden Geschichtsschreibung, weil sie den Frieden nicht auf Kosten der Wahrheit sucht. Diese Irenik, aber eben nur diese, beweist Guericke durch sein ganzes Werk, wie jeder aufmerksame Leser auch ohne nähere Hindeutung erkennen wird. Aber freilich, wer auf kirchenhistorischem Felde den Dank der Tagesgläubigen verdienen will, der muß das biblische „ists möglich“ gegen eine der Wahrheit die Ehre raubende und darum dem Christen unmögliche Friedensliebe hinzugeben bereit sein; er muß dem Thema der Kirchengeschichte, dem Kampfe zwischen Glauben und Unglauben, eine solche Wendung zu geben wissen, daß die modernen religiösen Liebhabereien geschont und die beiden neuesten vielgestaltigen Hauptrepräsentanten des Unglaubens, Unionismus und Materialismus, aufs säuberlichste behandelt und, wo nicht geradezu Schutzwehren des Glaubens, doch unter keiner Bedingung bei ihrem wahren Namen genannt und nach ihrem innersten Wesen charakterisirt werden. Auf eine solche Irenik, zu deutsch: Geschichtsverfälschung, verstehen sich die vorliegenden beiden Bände des „Handbuchs“ nicht, obschon Veranlassung dazu genug geboten war; der dritte wird sich voraussichtlich eben so wenig darauf verstehen, — wozu anders, als zur Zielscheibe ihrer Anfeindungen kann also der heiligen Welt die Irenik des Buchs und seines Verfassers dienen? „Ernst, fest, ökumenisch, irenisch“ — welcher mit diesen christlichen Perlen gezierte Theolog bliebe unangefochten von Haß und Verläumdung der Welt, und noch obendrein in unsern Zeiten? Vergeblich nagen und schlagen wir uns oft mit dem Gedanken, ob wir vielleicht solche Verfolgung durch