# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S17 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus einer Recension ꝛc. 17 denmittel halten, wissen etwas davon, daß die eigentlichen, die klassischen Lutheraner 1500 Jahre vor der Reformation lebten; nicht wissen sie, daß der vor Kaiser Nero gestellte Teppichmacher Lutherus ante Lutherum (das Original des Reformators) und der vor Karl V. sich verantwortende Augustinermönch Paulus post Paulum (die Copie des Apostels) war; die nach ihrer Meinung verloren gegangene Urschrift der 1530 zu Augsburg übergebenen Confession suchen sie in den deutschen Reichsarchiven — vergeblich, denn Moses und Jesaias, Petrus und Johannes, sammt ihren prophetischen und apostolischen Amtsbrüdern haben sie bis auf diese Stunde in ihrer Verwahrung und verwahrten sie schon, ehe Melanchthon geboren und das heilige römische Reich gegründet ward. Sie wissen nicht, daß die lutherische Kirche seit der Schöpfung der Welt besteht, — nicht, daß Millionen Menschen auf Erden gelebt haben, die niemals Luthers Namen nennen hörten, niemals eine Zeile von ihm lasen und doch unvergleichlich bessere Lutheraner waren, als viele von denen, die diesen Namen beständig im Munde führen und schier den ganzen Walch aufzusagen wissen, — nicht, daß in allen übrigen Religionen und Confessionen nur das wahr, christlich und heilsam ist, was lutherisch, alles Unlutherische dagegen falsch, widerchristlich und verderblich ist; — kurz, sie wissen bloß von einer im 16. Jahrhundert nach Christi Geburt entstandenen lutherischen Sekte, nicht aber von einer lutherischen Kirche, die da war vom Anfang, die da ist überall, wo man evangelisch, d. h. christlich lehrt, glaubt und lebt, und die da sein wird, laut Christi Verheißung, verfolgt und gedrückt, aber nicht überwunden von Welt, Tod und Hölle, bis ans Ende der Tage, — sie wissen nichts und haben gar keinen Begriff von dem „ökumenischen“ Lutherthum, zu dem sich Guericke bekennt und das er durch den ganzen Verlauf der Kirchengeschichte, freilich nicht für Blindgeborene, als das geistliche Salz nachweist. Für Jeden, der an dem ökumenischen Charakter seines väterlichen lutherischen Glaubens festhält, ist es überaus tröstend, ermuthigend, befestigend, schon in den vorliegenden ersten Bänden des „Handbuchs,“ wo von der Reformation noch gar keine Rede ist, doch überall, selbst in den verkommensten Kirchenzeiten, Leuten und Erscheinungen zu begegnen, die den echt lutherischen Stempel an der Stirn tragen, wenn auch das Siegelwachs begreiflicherweise nicht immer von derselben Sorte und Güte ist wie das wittenbergische. Was aber wird in dieser wichtigsten Hinsicht das „Handbuch“ dem Lutherthum von 1817 bis 30 sein? Wohl kaum mehr, als eine Unbegreiflichkeit, wo nicht gar ein Stein des Anstoßes. Gerade diese elende Sachlage macht mich fürchten, die offenen Gegner werden den „ökumenischen Lutheraner“ um so mehr zu Guericke's „persönlichen“ Ungunsten ausbeuten. Stände hinter unserm verehrten Kirchenhistoriker eine lutherische Schaar mit altkirchlicher Glaubenskraft, Glaubensgewißheit und Glaubensfreudigkeit, sie würde jenes ökumenische Prädikat wenigstens vor dem Vorwurfe, bloße Idiosynkrasie zu sein, schützen. So aber dürfte selbst die „irenische“ Gesinnung des Verfassers, weil sie eben nur auf seiner ökumenischen