# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S16 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus einer Recension ꝛc. 16 Demuth und Gläubigkeit nicht zur Besinnung kommenden Gesellschaft gilt religiöser „Ernst“ für eine irreligiöse Verirrung und Verwirrung, — und „Festigkeit“ im evangelischen Glauben für etwas noch Schlimmeres. Die fromme Welt, gewöhnt sich wägen und wiegen zu lassen von jedem Winde der Lehre, wie von jedem Wehen der aura popularis et politica, wird es niemals für ein köstlich Ding halten, daß das Herz fest werde, weil solches eben nur geschehen kann durch rücksichtsloses Vertrauen auf die göttliche Gnade und Hilfe, mit Nichtachtung von Ehre und Gewinn, von Menschengunst und Menschenhaß. Gott zu geben, was Gottes ist, fest und treu zu verharren in Glauben und Bekenntniß Jesu Christi, hat sie schon oft als ein strafwürdiges Verbrechen, als Auflehnung gegen die Obrigkeit, gebrandmarkt, und von dieser Praxis wird sie nicht eher abkommen, als bis ihr die Donner des Weltgerichts den verläumderischen Mund stopfen. Und welch ein Dorn in ihren heiligen Augen muß nun vollends der „ökumenische Lutheraner“ sein! Ja, wenn sich das Lutherthum nur wenigstens mit der ihm zugedachten Rolle einer Sammlung religiöser Privatmeinungen und theologischer Ansichten bescheidentlich begnügen wollte, so könnte man es doch allenfalls versucheweise gewähren lassen. Aber wie soll man mit seinem „unerhörten“ Anspruche, die reine Lehre kat exochen, die alleinige, ausschließliche Wahrheit, das Wort Gottes, zu sein, zurecht kommen? „Oekumenisches“ Lutherthum! Unsinnige contradictio in adjecto! In der That, mit diesem Prädicate hat sich Guericke auf den freilich echt kirchenhistorischen, aber in unsern Tagen wegen der Menge der falschen Brüder noch mehr, als wegen der Wuth der Feinde doppelt schwierigen Standpunkt gestellt, auf dem unsere Glaubensväter ohne Ausnahme mannhaft gegen Welt und Höllenpforten kämpften. Traurig und beschämend genug, daß es jetzt nicht mehr so ist, — daß fast nur noch ein einziger Mann, von allen Seiten den feindlichen Angriffen bloßgestellt, unsere beste kirchliche Warte vertheidigt. Der täglich wachsende Schwarm lutherisch sich Nennender hat von dem, was die Reformation ist und will, noch gar keine Vorstellung. Hätte dieser Haufe das Confessionsexamen vor unsern Glaubensvätern zu bestehen, neun Zehntheile würden mit Schimpf und Schande als Enthusiasten, Kryptopapisten, Pelagianer, Calvinisten u. s. w. durchfallen. Wie viele würden wohl, um die Definition ihres angemaßten Namens befragt, die richtige Antwort geben: Lutheranus est, qui nihil christiani a se alienum putat? Wie viele, die sich schon darum, und noch obendrein mit Emphase, für Luther's Schüler ausgeben, weil sie nicht müde werden, adiaphoristischen Quark umzurühren, würden wohl das Lutherthum nicht als eine religiöse Zunft zum Betriebe gewisser Werke, Gebräuche und Handwerkssprüche, auch als keine theologische, mit historischem, antiquarischem und anderm Kopfkrame umgehende, Fakultät, sondern als die (nicht eine) Religion, als die (nicht als eine neben vielen andern) christliche Confession definiren? Blutwenige selbst unter denen, die sich für die heutigen Normallutheraner, für Säulen unserer Kirche, ja wohl gar wegen ihres „Amtes“ für das vierte Gnadenmittel