# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S15 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Aus einer Recension ꝛc. 15 stellt sie sich heilig, gläubig, gottesfürchtig, um ihn mit Listen zu dämpfen. Bis auf die Schuhspitzen beugt sie sich vor dem Erlöser und kann zu seiner und des Evangeliums Verherrlichung kaum Worte genug auftreiben; — machst du aber Ernst mit deinem Bekenntniß zu Christo und seinem Worte, dann wahre deine Haut vor ihrem Giftsprützen. Denn die fromme, heilige Welt läßt ihren Grimm nicht an deinem Herrn und Meister aus, bewahre, den verehrt sie viel zu hoch; — auch nicht etwa an der christlichen Kirche, die will sie ja selbst sein, — nein, bloß an dir, Cajus, Titus, Sempronius and wie ihr entschiedenen Bekenner Christi sonst heißt; euch faßt sie zornig ins Auge, aber bei Leibe nicht wegen eures Christenglaubens, — bloß wegen eurer Störrigkeit, leidenschaftlichen Verblendung, Friedensstörerei, und wer kennt und nennt alle die „persönlichen“ Schlingen, die sie dem Jünger stellt, um den Meister zu fangen? Wie kann unser hochgeehrter Kirchenhistoriker bei seinem Entschlusse, „ein ernster und fester, ein ökumenischer und irenischer Lutheraner sein und bleiben zu wollen, so lange sich ein Odem in ihm regt,“ jemals den „persönlichen“ Verfolgungen entrinnen? Kann doch die Welt jene lutherischen Beiworte nur als vier schwere „persönliche“ Anklagepunkte wider ihn (und wider Jeden, der sie von sich prädicirt) verstehen. Diese vier Eigenschaften bilden ja den Grundcharakter der evangelisch=reformatorischen Vorzeit, welche aus Leibeskräften zu verunglimpfen zum innersten Wesen der Tagesgläubigkeit gehört. Die ganze Legion der nicht einmal unter sich, geschweige mit dem Evangelium und der Reformation einhelligen, nichts desto weniger aber in herzbrechender gläubiger Gemüthlichkeit sich sammt und sonders zur Augsburgischen Confession (von 1530 oder 40, wie man's nur haben will) bekennenden Köpfe muß ja wohl unisono aufkreischen, wenn in die Leichtfertigkeit ihrer religiösen Verdüsterung hinein das lebendig ausgesprochene Zeugniß von dem „Ernste“ der Väter fällt, der nicht gestattete, ein Glaubensbekenntniß für eine Windfahne, für eine wächserne Nase, für ein Feldzeichen der uneinig=einigen Cretenser, für einen Schwanzknebel simsonischer Brandfüchse, oder etwas Aehnliches, zu halten; der namentlich die Augustana nicht mit Vorbehalt eigener beliebiger Interpretation, mit dem unserm Geschlechte so geläufigen quatenus consentit cum pia persuasione nostra, sondern mit dem quia der heil. Schrift beschwur und sie einer Glocke verglich, die durch einen einzigen Riß völlig werthlos und unbrauchbar wird. Glaubenssachen ernst, streng, ehrlich und wahrheitstreu zu behandeln, ist einmal unsere Zeitgenossenschaft nicht gewöhnt; sie hält diese sittlichen Anforderungen für eben so verdrießlich, als überflüssig, ja sogar ihrer Gläubigkeit nachtheilig. Sie meint, mit geistlichen Dingen dürfe man es so genau nicht nehmen; ob Martin im Glauben an das Evangelium, Johann im Glauben an die verborgenen Wege der Vorsehung, Ulrich im Glauben an seine Vernunft und Kraft, Benedix im Glauben an die Kirche das Heil sucht, das soll die religiöse Einigkeit nicht stören, — sind doch alle vier „Glaubens“=Brüder! wissen doch alle vier so erwecklich vom Wege zum Leben zu reden! Bei dieser, vor lauter Geist,