# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S13 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Thesen über die Kirche. 13 kann nicht zu gleicher Zeit nach Abend und nach Morgen schauen, nicht beide Hände zu gleicher Zeit himmelwärts und erdwärts kehren. Die ausdrückliche gelobende Aussprache der abrenunciatio Satanae ist zur Taufe nicht so absolut nothwendig, wie die ausdrückliche gelobende Aussprache der gläubigen Uebergabe an den dreieinigen Gott. Aber es giebt Fälle, wo ein sonst minder wichtiger Gegenstand in den Kreis der Bekenntnißpflicht eintritt. Und ich meine, hier ist ein solcher Fall, da es denn gilt unter Augen zu widerstehen und keinen Augenblick aus Menschengefälligkeit zu weichen, eingedenk des: „Wäre ich Menschen noch gefällig, so wäre ich Christi Knecht nicht!“ Denn es wird ja in diesem Falle von der Kirche begehrt, daß sie ein Stück ihres Bekenntnisses verschweigen und durch verschweigen selbst kennzeichnen soll als ein irriges, verkehrtes, unzeitgemäßes! Und welcherlei muß wohl der Glaube an Jesum Christum den Herrn, und welcherlei daher die Fähigkeit zu christlich erziehendem Einflusse auf Seiten solcher Pathen sein, welche verweigern zu entsagen für den Täufling dem Teufel und seinen Werken und seinem Wesen —? Ich erlaube mir nun, an die Conferenz der lieben Brüder die Frage zu richten: Ob sie in dem Falle, da die Tauffrage nach der abrenunciatio ausdrücklich verbeten wird, anerkennt die Pflicht: solchem Begehr entschieden zu widerstehen? und: ob sie es nicht für an der Zeit hält, das hohe Kirchenregiment um Revision der Agende und um Feststellung des eigentlichen Taufaktes, ohne Variation der Tauffragen, und zwar mit der Frage nach der abrenunciatio — zu bitten, damit der Verdacht von unserer Kirche genommen werde, als führe sie mancherlei Gewicht und Maß, welches dem Herrn ein Gräuel ist. Thesen über die Kirche. [Diese Thesen rühren von dem Pastor Crome in Rade vorm Walde her. *)] 1. Das Dasein der Kirche ist gebunden an das Vorhandensein der Gnadenmittel. 2. Die Kirche ist aber nicht allein da, wo die Gnadenmittel vollständig und durchaus rein sind, sondern auch da noch, wo nur die nothwendigsten Stücke derselben sind, nämlich so viel vom Wort, daß man Christum daraus kennen lernen kann, und die Taufe. 3. In voller Wahrheit freilich besteht die Kirche nur da, wo Wort und Sakrament völlig und unverletzt vorhanden sind. *) Auch diese, dem Preuß.-luth. Kirchenblatte entnommenen Thesen über die Kirche theilen wir hier mit, um auch hiermit das Bild der in Deutschland geführten Lehre von der Kirche zu vervollständigen. Wäre in denselben auch etwas mehr Distinction zu wünschen, so liegt denselben doch offenbar die rechte Anschauung von der Kirche zu Grunde. L. u. W.