# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S10 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 10 Weissagung aus der Geschichte. die Jungfrau Heil geben. Frieden und Gotteskindschaft — die wahre Civilisation des Gottesreichs — erlangt man nur durch die Gemeinschaft des Kreuzes Jesu Christi im Glauben, welches ihn in Josephs Grab brachte, nicht durch dieses selbst. Aber um dieselbe Zeit, wo die fleischlich gewordene Christenheit anfing, Maria zur Mittlerin an Jesu Statt zu machen, glaubte sie auch den Frieden im h. Grabe zu finden und im hohen Mittelalter erreichte das heiße Verlangen, das h. Grab zu besitzen, mit dem Mariencult zugleich seinen Siedepunkt. Das Kreuz Christi auf den Rücken genäht, das Schwert in der Faust, „den ältesten Sohn der Kirche" an der Spitze, vom Papst aber, dem noch mehr an der Anerkennung seiner Herrschaft über den ganzen Erdkreis, als an Christi Grabe lag, unaufhörlich angespornt, stürmten die abendländischen Völker nach dem Orient, um das h. Grab von den Ungläubigen zu säubern — gelegentlich zugleich um schöne Provinzen zu erobern. Was war aber der Erfolg? „Wer das Schwert ergreift, wird durch das Schwert umkommen." Der Orient verschlang die Blüthe der Bevölkerung des Occidents — Man rechnet 7 Millionen — und gab Laster und vermehrten Aberglauben dafür zurück. Jerusalem aber blieb nicht nur im Besitz der Ungläubigen, sondern es erfolgte auch ein Rückschlag, die Ungläubigen nahmen auch endlich Neu=Rom, die alten Capitole des christl. Kaiserthums. Seitdem hatte die „orientalische Frage" geruht, — wie ein Feuer unter der Asche, welches neuen Brennstoff abwartet, um heftiger wieder aufzulodern. Wenn sie nun jetzt gleichzeitig mit der Marienfrage wieder hervortritt, sollten nicht auch beide wieder mit einander in einem tiefen Zusammenhange stehen? Und sollten die neuen Kreuzzüge nicht auch wieder einen ähnlichen Verlauf nehmen, wie die früheren? Man beachte nur, daß auch bei dieser orientalischen Frage die Dinge wesentlich fortgeschritten sind. Es handelt sich nicht mehr sowohl um die Andacht im Frieden des h. Grabes, wiewohl diese bekanntlich den ersten Anlaß und Vorwand zu dem neuen Kampfe gab (etwa so, wie das Verdienst Christi zu der unbefleckten Empfängniß der Maria); sondern einfacher um den Besitz der Herrschaft im Orient. Man ruft nicht mehr wie damals: Gott will es! sondern: die allgemeine Volksstimme will es! Man heftet das Kreuz nicht mehr auf die Schulter, zum Zeichen, daß man ein Christ sei und unter der Macht des Kreuzes stehe. Das Kreuz, oder was seine Stelle vertritt, ist inzwischen ein Symbol der besonderen Staffel eigenen Verdienstes in der Civilisation geworden, die man auf den Schultern des Christenthums erklommen, und man nimmt es eben so gern von den Türken vor die Brust. Der Papst steht nicht mehr an der Spitze des Unternehmens, er ist darauf beschränkt, im Hintergrund den Eifer der weltlichen Mächte zu nähren und nur durch die jesuitischen Blätter öffentlich in die Kriegstrompete stoßen zu lassen. Auch sind die Ungläubigen und Barbaren nicht mehr die Türken — die Hypokrisie des Zeitalters zwingt es zu der Ironie, daß die Türken gerade conservirt werden müssen, um die jetzigen Ungläubigen und Barbaren zu Paaren zu treiben. Dieser dermalige zu brechende Unglaube besteht aber, nachdem die altersschwache