# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S8 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 8 Einige Glossen zu Bunsen's Aphorismen und dessen „Stellung und Aufgabe ꝛc. wart der Heilung ihrer Wunden durch ein Christenthum, das da eine Leben erneuernde Lebensfrische bekunde, mit Vernunft und Gewissen im Bunde stehe ... inzwischen aber mögen wir nicht auf nationale Formen dringen, als wären sie mit der göttlichen Wahrheit selbst eins, möge keine dogmatische Formel Gewissen und Vernunft unterdrücken ... dann wird kein Eifer christlich heißen, der nicht geheiligt ist durch die Liebe, kein Glaube, der nicht bestätigt ist durch die Vernunft." Daraus sieht man hinlänglich, wo Bunsen mit der Dogmatik hin will; nun auch einen erleuchteten Satz aus der Moral: „Ich dagegen bin überzeugt, daß auf dem kirchlichen Gebiete das sittliche Leben als Selbstwerk, als die eigentliche Religion, vor allem andern anzustreben sei, und zwar von den Wissenden insbesondere." Wie kann Schaff so altes, abgedroschenes, fades Zeug als Probe der „neuesten, bedeutendsten, äußerst interessanten" Theologie hersetzen? Es ist ganz unbegreiflich! — Nun wollen wir auch eine Probe hören von Bunsen's „äußerst anregenden und geistvollen Blicken in die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kirche," wie es Schaff nennt. „Das Römerthum" (verstehe das heidnische) „lehrte dem Christenthum, den Geist in seiner Anwendung auf die Verhältnisse der menschlichen Gesellschaft in Form zu fassen; es lehrte ihm, mit Ordnung zu regieren." So Etwas macht, daß einem armen Buschpastor wirklich der Verstand still steht. Das Römerthum hätte dem Christenthum gelehrt, mit Ordnung zu regieren?! Worin denn, wie denn, wann denn? Schaff, der Kirchenhistoriker, hätte ja den Unsinn gleich erkennen, und wenigstens durch ein Fragezeichen andeuten müssen. — Ich weiß nicht, man wird an den Historikern ganz irre. — Der Blick in die Gegenwart der Kirche ist ächt modern deutsch, so vernebelt, so Alles und doch Nichts umfassend, so unbeschreiblich ungesund und unpraktisch, daß man sich einer gewissen nationalen Wehmuth gar nicht erwehren kann. Man höre, was vorzugsweise der Beruf der germanischen Völker sein soll: „die bürgerliche Freiheit christlich zu weihen, das Christenthum volksthümlich und menschheitlich, also staatlich auszubilden und zu vervollständigen, dies ist die Aufgabe der Gegenwart." Also eine staatliche Vervollständigung des Christenthums thut der Gegenwart Noth. O der traurigen, geistreichen Rathgeber! — Das arme deutsche Volk! Bunsen's Blicken in die Zukunft der Kirche eröffnet sich gar Wunderbares; die Union wird ihren Triumph feiern, Schrift und Vernunft werden so unzertrennlich vereint werden, denn das sucht eben die Union, daß alle Zweifel und — alle Symbole dahinschwinden, und die Vereinigung dieser beiden Grundpfeiler, Schrift ein Grundpfeiler — und Vernunft ein Grundpfeiler wird Statt finden im wahren Glauben an das Göttliche. Die Schrift verbindet sich durch den Glauben an das Göttliche, das hoffentlich bald irgendwo aufgefunden wird, mit der Vernunft, oder umgekehrt, wie die Schrift glaubt, so glaubt nun auch die Vernunft, beide haben einen Glauben, beide