# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S7 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Einige Glossen zu Bunsen's Aphorismen und dessen „Stellung und Aufgabe ꝛc. 7 zwar als verschieden, ja sich widersprechend und dennoch vor Gottes heiligem Angesichte und seinem Wort als gleichberechtigt betrachtet. Keiner soll ganz Recht und keiner ganz Unrecht haben, der ganze, volle, sichere Weg zur Seligkeit soll noch nicht gefunden sein, die armen Pilger zum Himmelreich müssen von dem Lehrsatz einer Confession auf den Lehrsatz einer andern hin und herspringend, oder wohl gar als Kunstreiter höherer Art auf mehreren Confessionen auf einmal zum Ziele jagen. Dieser trübselige Unglaube an eine Vorsehung Gottes, dem man es nicht zutraut, daß Er den armen blinden Menschen, denen Er doch Kleider und Schuhe giebt, auch das Wichtigste, den Weg und die Mittel zur Seligkeit klar, hell, deutlich gesagt habe. Dieser Mangel an Ernst und heiligem Zorn, der jede Abweichung vom Worte Gottes als eine schändliche Sünde bezeichnet. Warum nennen die Herrn Unirten, wenn sie erkennen, daß z. B. die Lehre von der unbedingten Gnadenwahl, oder die vom Brod und Wein im heil. Abendmahl als leeren Zeichen des Leibes und Blutes Christi u. s. w. wider das Wort Gottes sind, diese auch nicht zur Ehre Gottes und zum Heil irrender Brüder als das was sie sind nämlich verdammte Irrlehren, und diejenigen Lehrer, die diese und ähnliche Irrlehren verbreiten nach dem Beispiele des heiligen, die Liebe als das Größte schätzenden Apostel Paulus, „böse Arbeiter" und „Hunde." Warum nicht? Nun weil sie „liberal," christlich liberale Gentlemen sind! Ein Stück von solcher Liberalität findet sich gleich in der ersten Aphorisme: „das Christenthum bewährt sich dadurch als die Weltreligion, daß es fähig gewesen ist, die nothwendige Entwickelungskrisis durchzumachen, die es als solche zu bestehen hatte.. Kein Jude hätte sich vorstellen können, daß eine Religion möglich wäre, ohne ein Heiligthum zu bestehen ... Gleicherweise würde weder Augustin noch Hieronymus es für möglich gehalten haben, daß das Christenthum sich im Streit halten könne, ohne Bannformel, christliche Gemeinschaftsordnungen ohne religiöse Ausschließung und Unduldsamkeit." Der heilige Apostel Paulus lehrt, es soll keine christliche Gemeinde die Bösen dulden, sie soll sie hinaus von sich thun, ausschließen, und der Herr Christus giebt uns selbst die Bannformel dazu, wir sollen sie halten als „Zöllner und Heiden." — Es war mir bis jetzt unbekannt, daß das Unionschristenthum auch Zuchtlosigkeit für eine nothwendige Entwickelungskrisis, für einen liberalen Fortschritt hält. — Aber spuken thut ein solcher zuchtloser Geist in der Union, sagt doch auch Stahl: „die Waffe der Kirche, mit der sie den Sieg über die Welt erstreitet, ist das Schwert des Wortes Gottes, das durch die Herzen dringt, nicht die Geißel, welche die Käufer aus dem Tempel austreibt." Als wenn je ein vernünftiger Christ durch Kirchenzucht die Welt hätte überwinden wollen. Die von Christo befohlene Kirchenzucht ist ganz einfach eine Schutz= und keine Trutz=Waffe. Das Eine soll man thun, und das Andere nicht lassen. In der That sehr liberal, aber wahrlich weder „christlich," noch „kirchlich" klingen folgende Sätze: „Vor allem aber bedürfen die Nationen der Gegen-