# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S6 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 6 Einige Glossen zu Bunsen's Aphorismen und dessen „Stellung und Aufgabe ꝛc. furcht vor der Doctor= und Professor=Gelehrsamkeit und Weisheit steckt noch in mir, und es kommt mir selbst anmaßend vor, daß ich es wage, aus dem Busche heraus die Wahrheit der gelehrten Orakelsprüche anzuzweifeln, aber ich kann mir nicht helfen, auch bei einer der bedeutendsten Erscheinungen der Literatur ein gut Theil Unbedeutendes, Schiefes ja sogar offenbaren, wenn auch immerhin geistreich gegebenen Unsinn zu finden. Ob das nun daher kommt, weil man eben nicht im vollen Lichte sitzt? — Nicht Alles, was Bunsen sagt, hat mir mißfallen, o nein! Mag er doch die Pfaffen und das hierarchische Wesen nicht leiden, und kämpft für die Rechte aller Kinder Gottes. Gewiß zum wahren Kummer für den Pabst liebenden, monarchisch=christlichen Historiker Leo sagt er: „da das gemeindlich geordnete Volk die Kirche bildet, so ist die Folgerung nicht auszuweisen, daß die Gesammtheit der Gläubigen im Volke die Trägerin der obersten Kirchengewalt sei." Zwar ist der Satz nicht ganz klar ausgedacht, da auch Gläubige, die nicht gemeindlich geordnet sind, als Glieder der Kirche und somit als Träger der Kirchengewalt angesehen werden müssen, indeß man merkt denn doch, was er hat sagen wollen. Sehr treffend bemerkt er ferner: „der Stillstand, und zum Theil die Niederlage des Protestantismus in der gegenwärtigen Reaction kommen großentheils von dieser Verkrüppelung und Lähmung des kirchlichen Gemeindelebens her. Und die Forderung, daß von diesem Gemeindeleben aus ein neues kirchliches Leben gebildet werde, ist wahrlich keine Neuerung, noch weniger etwas Unchristliches. Das Volk hatte sich die Reformation nicht mit seinem Blute erkauft, damit die Kirche Sache der Geistlichkeit bliebe." Auch ist es sehr erfreulich, daß er sich so unumwunden gegen die Dictatur der Fürsten in der Kirche ausspricht: „Polizei und Cäsaropapismus sind die Grundelemente des bisherigen Kirchenregiments, und Polizeidruck und Verfolgung seine unvermeidlichen Folgen. Es tödtet das kirchliche Leben, wenn es sich auch mit den schönen Namen landesherrlicher Rechte oder heiliger Schirmvogtei der Kirche schmückt." „Das letzte Uebel, welches die Regierungen der Religion anzuthun vermögen, ist Polizeischutz, und Hofgunst." — Aber das ist das Unglück, das Gefährliche bei den Unirten, daß sie Wahres und Falsches, Licht und Finsterniß zusammen mischen, und das dann wohl noch gar „christlich liberal" nennen. So hebt Schaff des Autors „wahrhaft universalen, christlich liberalen" Standpunkt besonders hervor. Was das „liberal" bei einem Christen eigentlich bedeuten soll, verstehe ich nicht recht. Soll durch dasselbe der Standpunkt bezeichnet werden, von dem aus das wirklich Christliche auch unter den verschiedensten Formen und Verhüllungen als solches dennoch anerkannt wird, so ist die Bezeichnung schief, denn wenn das nicht geschieht, so ist das nicht etwa auch christlich, oder nur illiberal christlich, sondern schlechthin unchristlich. — Durch „liberal christlich" soll offenbar das eigentliche Wesen des Unions=Geistes hervorgehoben werden, der bekanntlich darin besteht, daß man das Reformirte, Unirte, Herrnhutische, Lutherische