# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S3 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) Vorwort zu Jahrgang 1856. 3 Bruder, dem „Lutheraner," bisher genossen hat; allein die Erfahrungen des Anfangsjahres erfüllen uns mit der besten Hoffnung, daß die Zeit, wo unsere „Lehre und Wehre" das Gnadenbrod des „Lutheraner" nicht mehr ißt, nicht so fern sein dürfte. Was aber die Sache unserer Kirche überhaupt, namentlich hier in Nord=Amerika, betrifft, so scheint uns gerade in den letzten Monaten der Himmel sichtlich sich wieder einmal geröthet zu haben, um schönere Tage, als die letztvergangenen, uns zu verkündigen. Matth. 16, 2. Als im September v. J. die Wittenberg=Synode von Ohio mit ihrer sogenannten Definite Platform für eine sogenannte amerikanisch=lutherische Kirche mit ihrer officiellen Lossagung von der Constitution, von der MagnaCharta unserer Kirche, von der Unveränderten Augsburgischen Confession, in die Oeffentlichkeit trat und alle ihre Gleichgesinnten zum Mitausscheiden aufforderte, da schien über der lutherischen Kirche unseres neuen Vaterlandes ein schweres, unheilschwangeres Gewitter sich zusammenziehen und entladen zu wollen. Doch was ist geschehen? — Nur drei Synoden *) sind in der Versuchung gefallen und haben der Aufforderung Folge geleistet, während fast alle anderen Synoden, welche Gelegenheit hatten, sich über diese Angelegenheit auszusprechen, die neue Lehrbasis theils als ungeeignet zurückgewiesen, theils als Vollzug schmählichen öffentlichen Abfalls von der Kirche unserer Väter und von der biblischen Wahrheit, mit kaum zu erwartender Einstimmigkeit verworfen und verdammt haben. Kein Blatt, das ein Organ der lutherischen Kirche sein will, der „Lutheran Observer" ausgenommen **), hat die Sache der officiellen Symbolveränderung zu der seinigen gemacht; selbst der Gettysburger „Lutherische Kirchenbote" und der Springfielder (Ohio) „Evangelical Lutheran" nicht förmlich; obwohl der letztere neben Gegenerklärungen auch Befürwortungen der Sache in seinen Spalten Raum gegeben hat; hingegen hat namentlich der „Lutheran Standard" von Columbus (Ohio) mit lutherischem Ernste und männlicher Entschiedenheit dagegen gezeugt; auch der „Lutherische Herold" von New=York hat mit gerechter Entrüstung das schimpfliche Ansinnen an Lutheraner, ihre Befestigungen selbst zu schleifen, zurückgewiesen, und der „Missionary" von Pittsburg sich ausdrücklich zu dem Verdammungsurtheil, welches u. a. die Ostpennsylvanische Synode über das Project ausgesprochen hat, rückhaltslos bekannt. Diese Constellation erfüllt gewiß mit uns alle, die das lutherische Zion dieses Landes lieb haben, mit ebenso großer Freude, als Hoffnung für die Zukunft. Es hat sich hiernach herausgestellt, daß die Anzahl derjenigen, welche hier ihre Kniee vor dem Baal des sogenannten Fortschritts und der sogenannten höheren Erleuchtung des neunzehnten Jahrhunderts nicht gebeugt haben oder doch nicht ferner beugen wollen, ohne Zweifel größer ist, als unser Kleinglaube *) Nehmlich die Wittenberg=Synode, die Olive=Branch=Synode und die Englische Synode von Ohio. **) Auf die Platform=Synoden wird von dem „Luth. Obs." das Reuchlinsche: Exegi monumentum aere perennius angewendet! 3