# Lehre und Wehre_St. Louis Missouri_Januar 1856_S2 # AI-corrected against the scan — CHI Digital Archive (demonstration) 2 Vorwort zu Jahrgang 1856. So herrschend nun aber diese Grundsätze in unseren Tagen geworden sind und so allgemein dieselben jetzt bald verhüllter, bald unverhüllter ausgesprochen werden, wir können ihnen nicht huldigen. Wir glauben aus göttlicher Ueberzeugung, daß es hienieden eine Wahrheit giebt, und daß diese Wahrheit in Gottes Wort, das ist, in den von Gott eingegebenen Schriften der Apostel und Propheten, enthalten ist. Wir glauben auch, daß diese heiligen Schriften den Zweck haben, dem in Finsterniß und Schatten des Todes sitzenden Menschen das Licht dieser Einen vollen Wahrheit mitzutheilen, und daß daher diese Schriften auch so deutlich sind, daß ein Mensch diese Eine volle Wahrheit daraus erkennen und schöpfen kann. Und wir sind auch überzeugt, daß es immer Menschen gegeben hat, welche im Besitz dieses Kleinodes gewesen sind, und daß insonderheit unsere Väter vor dreihundert Jahren dieser unaussprechlichen Gnade von Gott gewürdiget worden sind und diesen köstlichen Schatz in den Bekenntnissen der sogenannten evangelisch=lutherischen Kirche niedergelegt haben. Wir erinnern uns hierbei an das schöne Wort Professor Philippis in dessen Vorrede zu seinem „Commentar über den Brief Pauli an die Römer": „Wenn es wahr ist, daß alle Systeme menschlicher Weisheit gleich zerbrochenen Schlüsseln vor der Pforte der Wahrheit liegen: so ist es doch eben so wahr, daß die aus dem Worte, welches die Wahrheit ist, geschöpfte kirchliche Analogia fidei der, längere Zeit verlorene, nun aber wiedergefundene, rechte Schlüssel ist, der, wenn auch vom Roste angelaufen, dennoch das alte, wohlbekannte Schloß leichter schließen wird, als alle zierlichere neue, aber nach falschem Modell gefertigte Schlüssel." (S. VII.) So können wir denn auch, was wir so von Wahrheit gefunden haben, nicht als unsere unmaßgebliche „Meinung" aussprechen, sondern müssen davon reden, als von der Einen alten ewigen unveränderlichen Wahrheit, müssen dieselbe als unser theuerstes Gut, daran unser eigenes und aller Menschen Heil hängt, anpreisen und vertheidigen, und alle ihr entgegenstehenden Meinungen der Menschen als gefährlichen, schädlichen, verderblichen Irrthum verwerfen und verdammen. Verschließt mit Befolgung solcher Grundsätze unsere Zeitschrift sich selbst den Eingang — immerhin! Wir haben kein Interesse, ein vielgelesenes Blatt zu redigiren. Unser Interesse ist lediglich, was wir als Wahrheit erkannt haben, zu bezeugen; wieder zu geben, was wir empfangen haben; darum zu reden, weil wir glauben. Kann das Blatt nicht dazu dienen, der alten Wahrheit Freunde zu erhalten oder zu gewinnen, so schweige es in Gottes Namen wieder; der, Babel bauenden Blätter gibt es schon mehr als genug. Man würde uns jedoch durchaus mißverstehen, wenn man aus vorstehenden Aeußerungen abnehmen wollte, daß wir bei dem gegenwärtigen Eintritt in ein neues Jahr, sei es in Betreff unserer Zeitschrift, oder in Betreff der Sache unserer Kirche überhaupt, entmuthigt der Zukunft entgegen sähen. Wir dürfen von uns das Gegentheil versichern. Was unsere gegenwärtige Monatsschrift betrifft, so ist zwar der Leserkreis derselben noch nicht so groß, daß sie schon ohne die Unterstützung leben könnte, die sie von ihrem älteren